FDP-Cyber-Sicherheitsexperte Manuel Höferlin: Diese Konsequenzen muss die Regierung aus dem Hacker-Angriff ziehen

Tobias Huch
Journalist und Englandkorrespondent
Manuel Höferlin gehört zu den IT-Experten der FDP (Bild: Manuel Höferlin)

Manuel Höferlin ist der IT-Fachmann der FDP-Bundestagsfraktion. Er ist Obmann im Ausschuss Digitale Agenda und Mitglied des Innenausschusses. Er ist damit der beste Ansprechpartner für den aktuellen Hacker-Angriff auf das Regierungsnetzwerk. Zwischen den aktuellen Krisensitzungen im Bundestag konnte er ein kurzes Interview für Yahoo Nachrichten geben.

Warum wurden der Bundestag nicht von den Behörden über den Hack informiert? Stimmt es, dass die Abgeordneten von dem Angriff auf der „Bild“-Zeitung erfahren haben?

Manuel Höferlin: Das ist auch mein Hauptkritikpunkt. Ich habe am Mittwoch aus den Meldungen der Presseagenturen von dem Angriff erfahren.

Gibt es schon eine Einschätzung, wie groß der Umfang des Lecks ist? Was für Daten wurden gehackt?

Manuel Höferlin: In den heutigen Ausschusssitzungen wurde berichtet, dass 17 PCs infiltriert wurden und einige wenige Megabyte an Daten abgeflossen sind.

Warum muss uns ein ausländischer (befreundeter) Geheimdienst überhaupt auf den Hack aufmerksam machen? Fehlt es an Spezialisten im Staatsdienst? Ist der Staatsdienst eigentlich für echte Experten überhaupt attraktiv, wenn man sich die niedrigen Gehälter ansieht im Vergleich zur Privatwirtschaft?

Manuel Höferlin: Wie der Angriff zeigt, brauchen wir gerade im öffentlichen Dienst sehr gute IT-Spezialisten. Deshalb bin ich der Meinung, dass IT-Spezialisten im öffentlichen Dienst bei den Beschäftigungsbedingungen im Vergleich zur Privatwirtschaft nicht schlechter gestellt sein dürfen.

Welche Auswirkungen hat der Hack auf Ihre Arbeit als MdB?

Manuel Höferlin: Dass ich mich noch intensiver für Cyber-Sicherheit einsetze, weil der Bedarf offensichtlich größer ist als bisher angenommen.

Russland wird hinter dem Angriff vermutet. Aus welchen Ländern kommen aktuell die meisten Angriffe?

Manuel Höferlin: Die Herkunft von Angriffen ist im Allgemeinen leider schwer feststellbar.

Kann man vor dem Hintergrund der steten russischen Angriffe schon von einem „kalten Datenkrieg“ sprechen oder sogar einen „warmen“?

Manuel Höferlin: Die Frage impliziert, dass die Angriffe aus Russland kommen. Dies kann gegenwärtig jedoch nicht sicher nachgewiesen werden.

Was sind aus Ihrer Sicht als IT-Experte die Schritte, die jetzt folgen müssen?

Manuel Höferlin: Die Bundesregierung wird in den kommenden Tagen weitere Fragen beantworten müssen, da in den heutigen Sitzungen weniger als 60 Minuten für Fragen zur Verfügung standen. Der wichtigste Schritt wird nun sein, die gewonnen Erkenntnisse so einzusetzen, dass weitere Angriffe über die jetzt genutzten Angriffsvektoren ausgeschlossen sind.

Anmerkung: Tobias Huch ist ebenfalls Mitglied der FDP. Er ist derzeit nicht parteipolitisch aktiv und bekleidet kein Mandat.