FDP-Chef Lindner will Aktienkultur in Deutschland fördern

Christian Lindner will die Anlage in Aktien für Deutsche attraktiver machen. Sein Plan, eine Spekulationsfrist einzuführen, gefällt vielen privaten Investoren. Kanzlerin Merkel dürfte genau hingehört haben.


Trotz Dauerniedrigzinsen sind die Deutschen bislang keine Aktienfans geworden. Christian Lindner will das ändern – und Aktien attraktiver machen. „Wer ein Wertpapier länger hält, um etwa für das Alter vorzusorgen, sollte den Veräußerungsgewinn steuerfrei erhalten“, sagte der FDP-Bundesvorsitzende auf der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“. Über die Dauer der Frist sagte Lindner nichts. Derzeit unterliegt der Gewinn einer Abgeltungssteuer von pauschal 25 Prozent.



Entlastung strebt die FDP auch beim Immobilienerwerb an. So will Lindner bei der Grunderwerbsteuer für die selbst genutzte Immobilie einen Freibetrag einführen. „Wir müssen es den Menschen erleichtern, sich etwas aufzubauen“, forderte der Politiker, dessen Partei wieder in den Bundestag strebt. Derzeit stehen die Chancen gut. Nach Umfragen könnte sie rund neun Prozent der Stimmen holen.


Sollte es auf Bundesebene nach der Wahl am 24. September zu einer Koalition zwischen Union und FDP kommen, sind Konflikte über die europäische Politik vorprogrammiert. Denn Lindner sieht die Pläne für ein engeres Zusammenrücken der Euro-Staaten, wie es dem französischen Staatspräsident Macron und Bundeskanzlerin Merkel vorschwebt, kritisch. „Für mich ist ein Budget für die Eurozone und ein möglicher Euro-Finanzminister die Staatenwerdung einer Währungsunion“, warnte Lindner. Für den FDP-Politiker würde dieser Schritt die Fliehkräfte innerhalb der Euro-Zone weiter verstärken.

Andererseits sei ihm klar, dass Deutschland Interesse am Erfolg Frankreichs haben müsse. Daher sollte man „Süßes“ und „Saures“ verbinden. Das „Saure“ wäre die Einführung eines Insolvenzrechts für Euro-Mitglieder. Zeitweilig müsse ein Euro-Staat auch die Eurozone verlassen können, ohne die EU zu verlassen, sagte Lindner. Wenn ein Staat dauerhaft überfordert sei, seine Wettbewerbsfähigkeit und Schuldentragfähigkeit innerhalb der Wahrungsunion wiederherzustellen, sei der temporäre Austritt aus dem Euro sinnvoll und notwendig. Griechenland sei so ein Kandidat gewesen. Die europapolitischen Vorstellungen der FDP würden an den Finanzmärkten nicht gut ankommen, warnte die Investmentbank Citi schon vor Wochen.


An der derzeit in Deutschland sehr harsch geäußerten Kritik an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralban, die am Mittwoch auch bei der Tagung intensiv diskutiert wurde, beteiligt sich Lindner nicht. „Ich bin beim Draghi-Bashing nicht dabei.“ Der EZB-Präsident habe den Versuch unternommen, den Regierungen Zeit für Reformen zu kaufen – diese hätten den Vorstoß allerdings nicht genutzt. Durch den niedrigeren Zins sei jeder Anreiz für Reformen verloren gegangen. Die Politik habe auch in der Deutschland zu einer gefährlichen Wohlstandsillusion geführt. „Wir sind nicht so wettbewerbsfähig, wie uns der Außenhandelsüberschuss glauben macht“, warnte Lindner.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung hatten wir im Text geschrieben, Christian Lindner wolle die Abgeltungssteuer abschaffen. Er will eine Spekulationsfrist einführen. Ein Teil von Aktiengeschäften könnte so steuerfrei werden. Wir haben die Formulierung angepasst.