FDP-Chef Christian Lindner vergleicht AfD mit Schimmel

Findet deutliche Worte für die politische Konkurrenz: FDP-Vorsitzender Christian Lindner. (Bild: AP Photo)

Regelmäßig kritisiert FDP-Chef Christian Lindner die AfD. In einem Interview berichtete er nun, woran ihn die neue Partei im Bundestag erinnere.

Gegenüber der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ sagte Lindner: „Die AfD ist wie Schimmel zu Hause. Ist er einmal da, ist es schwierig, ihn wieder loszuwerden.“ Der FDP-Mann befürchtet, dass die „Alternative für Deutschland“ sich mit ihrem Einzug in den Bundestag fest im deutschen Polit- und Parteiensystem etablieren wird.

Die Aufgabe seiner Partei, so Lindner, sei es nun, abgewanderte Wähler wieder zurückzuholen. Denn die AfD dürfe nicht drittstärkste Partei bleiben. Doch hat Christian Lindner mit seiner Analyse recht? Die Antwortet lautet: Jein.

Die AfD könnte in den kommenden Jahren zur festen Größe in der deutschen Politlandschaft avancieren. (Bild: AP Photo)

Lindners Befürchtung, die AfD werde sich als feste Kraft im Bundestag etablieren, scheint zuzutreffen: Im aktuellen Sonntagstrend von Emnid im Auftrag der „Bild am Sonntag“ kommt die AfD derzeit auf 13 Prozent. Damit kann sie gegenüber dem Ergebnis bei der Bundestagswahl ein klein wenig zulegen. Bei der Wahl kam die „Alternative“ auf 12,6 Prozent. Für die FDP sieht es dagegen düster aus: Von den 10,7 Prozent bei der Wahl sind in der Umfrage nur noch 8 Prozent übrig.

Kann Lindner aber den AfD-Zug aufhalten, indem er abgewanderte Wähler wieder zurückholt? Wohl kaum. Denn wie die Wählerstromanalyse nach der Bundestagswahl zeigte, gewann die AfD hauptsächlich Stimmen von ehemaligen Wählern von CDU, SPD und Linkspartei. Ein entscheidender Faktor waren auch ehemalige Nichtwähler, die bei der Abstimmung im September für die Rechtspopulisten votierten. Zusammen brachten diese Wählerwanderungen der AfD über drei Millionen Stimmen ein. Von der FDP wanderten lediglich 40.000 Wähler zur AfD.

Im Interview mit der „La Repubblica“ verteidigte Lindner zudem den Abbruch der Jamaika-Verhandlungen: „Deutschland braucht eine stabile Regierung, die eine Vorstellung davon hat, wie das Land erneuert werden kann. Die letzten großen Reformen waren die von Gerhard Schröder. Eine Jamaika-Regierung wäre weder stabil noch innovativ gewesen.“

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