Hoeneß über Ancelotti-Aus: "Fünf Spieler gegen sich!"

Martin Volkmar, Stefan Kumberger
Carlo Ancelotti ist offenbar nicht mehr Trainer des FC Bayern

Carlo Ancelottis Ende beim FC Bayern ist besiegelt. Das bestätigte der Rekordmeister am Donnerstagnachmittag in einer Pressemitteilung.

Als Interimscoach übernimmt vorerst der bisherige Co-Trainer Willy Sagnol.

Als Grund nannte Präsident Uli Hoeneß vor allem Differenzen zwischen Ancelotti und Teilen der Mannschaft. Ancelotti habe "fünf Spieler gegen sich gehabt, das war nicht durchzuhalten", sagte Hoeneß der Funke Mediengruppe.


Entscheidung um 3.30 Uhr in der Nacht

"Du kannst als Trainer nicht deine prominentesten Spieler als Gegner haben. Ich habe in meinem Leben einen Spruch kennengelernt: Der Feind in deinem Bett ist der gefährlichste. Deswegen mussten wir handeln", sagte Hoeneß weiter dem Radiosender FFH.

Die Entscheidung über die Entlassung sei um 3.30 Uhr in der Nacht nach dem 0:3-Debakel in der Champions League bei Paris Saint-Germain gefallen.

Während Hoeneß ordentlich gegen Ancelotti nachtrat, reagierte dieser ganz "Mister-like" und erklärte in einem Tweet: "Es war eine Ehre, Teil der Geschichte der Bayern zu sein. Danke an den Klub, die Spieler und die grandiosen Fans. Ciao #MiaSanMia."


Rummenigge: "Carlo wird mein Freund bleiben"

Am Nachmittag hatten die Bayern die Trennung von Ancelotti öffentlich in einer Pressemitteilung bekannt gegeben.

"Die Leistungen unserer Mannschaft seit Saisonbeginn entsprachen nicht den Erwartungen, die wir an sie stellen. Das Spiel in Paris hat deutlich gezeigt, dass wir Konsequenzen ziehen mussten. Das haben Hasan Salihamidzic und ich Carlo heute in einem offenen und seriösen Gespräch erklärt und ihm unsere Entscheidung mitgeteilt", erklärte der FCB-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.

(Alles zum Bayern-Beben jetzt LIVE im TV bei SPORT1 in einer Sondersendung im Rahmen der Berichterstattung über die UEFA Europa League)

Und weiter: "Carlo ist mein Freund und wird es bleiben, aber wir mussten hier eine professionelle Entscheidung im Sinne des FC Bayern treffen. Ich erwarte jetzt von der Mannschaft eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen, damit wir unsere Ziele für diese Saison erreichen."


Auch das italienische Betreuerteam von Carlo Ancelotti - Davide Ancelotti, Giovanni Mauri, Francesco Mauri und Mino Fulco - wurde freigestellt.

"So ging es nicht weiter"

Die Bayern hatten bei PSG ihre höchste Niederlage in der Champions-League-Gruppenphase kassiert und dabei eine desolate Vorstellung gezeigt.

"So ging es nicht weiter", sagte ein Insider zu SPORT1. "Der Verein musste handeln. Man hatte den Eindruck, als wolle er seinen Rauswurf provozieren."

Nach SPORT1-Informationen hatte Ancelotti die umstrittene Mannschaftsaufstellung vor dem 0:3-Debakel bei PSG ohne jeglichen weiteren Kommentar kommuniziert. Er habe lediglich ein Blatt mit den elf Namen an die Tafel des Besprechungsraumes geheftet und sei gegangen, so der Insider.

Auf der nächtlichen Bankettrede hatte Rummenigge im Teamhotel den Finger in die Wunde gelegt. "Ich glaube, es war eine ganz bittere Niederlage, über die es zu sprechen gilt, die es zu analysieren gilt und aus der wir auch in Klartextform Konsequenzen ziehen müssen". Die Konsequenzen wurden bereits einen Tag später gezogen.


Die Vereinsführung trat am Donnerstagmorgen schon vor der Mannschaft die Heimreise an und zog sich zu einer Krisensitzung zurück.

Ancelotti: "Ich bedauere nichts"

Ancelotti stand nach den schwachen Leistungen seines Teams zuletzt immer mehr in der Kritik. Bei der Pleite in Paris sorgte zudem sein umstrittener Verzicht auf die Führungsspieler Mats Hummels, Jerome Boateng, Arjen Robben und Franck Ribery für Unmut.


Trotzdem hatte er die Wechsel in der Startelf hinterher verteidigt und sogar erklärt: "Ich bedauere nichts."

Möglicherweise der eine Satz zu viel für die zunehmend genervten Bayern-Bosse, die schon früh um das Verpassen der Saisonziele fürchten müssen.

Sagnol soll übernehmen

Gut möglich, dass Ancelotti nicht lange arbeitslos bleiben wird. Angeblich liegt dem Italiener ein hoch dotiertes Angebot aus China vor, dass ihn sehr reizen soll. Und auch Ex-Klub AC Mailand soll bereits seine Fühler nach ihm ausgestreckt haben

Wer ihm in München dauerhaft folgt, ist offen. Beim Bundesligaspiel am Sonntag bei Hertha BSC (15.30 Uhr im LIVETICKER) wird zunächst Sagnol übernehmen, in der anschließenden Länderspielpause könnte man einen neuen Trainer vorstellen.

Von den bislang gehandelten Kandidaten wäre allerdings nur Ex-BVB-Coach Thomas Tuchel direkt verfügbar. Hoffenheim-Coach Julian Nagelsmann, der seinen Traum vom FC Bayern zuletzt in einem Interview bekräftigte, und Jürgen Klopp stehen aktuell noch langfristig unter Vertrag.