FC Bayern: Die kuriose Balz um Jupps Ja-Wort

Er will nicht, ist aber für die den mächtigen FC Bayern München offenbar die einzige Option. Jupp Heynckes muss weitermachen, wenn es nach Rummenigge und Hoeneß geht. Kriegen die Bosse den Coach doch noch rum? Und was bedeutet das für potentielle Nachfolger? Eine Einordnung von Patrick Strasser

Zwei Bosse bezirzen den Coach: Heynckes zwischen Rummenigge und Hoeneß

Die Bayern spielen auf Zeit. “Man muss das Thema mit Geduld angehen”, erklärte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Und fügte hinzu: “Wir müssen abwarten, wie die Saison läuft, es wird möglicherweise erst spät eine Entscheidung fallen.”

Jupp Heynckes hätte sich sehr gefreut, wäre er, der Trainer, Gegenstand dieser Überlegungen aus der Führungsetage des FC Bayern gewesen. Es hätte ihm Freiraum gelassen, hätte ihn von den immer wiederkehrenden Fragen der Journalisten nach seiner Zukunft befreit. Heynckes hätte sich aufs Tagesgeschäft konzentrieren können, seine Siegesserie fortsetzen. Und womöglich hätte man im Hintergrund heimlich, still und weise eben doch Gespräche geführt und beraten, wie das Leben des 72-Jährigen ab Sommer weitergeht.

Hätte, hätte, Fahrradkette. Die Aussagen von Rummenigge bezogen sich auf die Altstars des Kaders, auf Franck Ribéry (34) und Arjen Robben (33), deren Verträge ebenfalls zum 30. Juni enden. Mit Blick auf eine Weiterbeschäftigung der Publikumslieblinge stellte der Vorstandsboss die Frage in den Raum: “Ist es noch die richtige Entscheidung ein Jahr weiterzugehen oder die unpopuläre Entscheidung zu treffen, einen Umbruch einzuleiten?”

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Hoeneß und die Charmeoffensive

Wenn es um die Weiterbeschäftigung von Spielerliebling Jupp Heynckes geht, stellt Rummenigge keine Fragen. Er macht ihm indirekt Druck, auch wenn er es anders umschreibt. “Man muss den Jupp, ohne ihn zu drängen, mit der notwendigen Eleganz begleiten.”

Seit Beginn des Winters allerdings entsprang diese Eleganz der Hauruck-Abteilung. Uli Hoeneß, ein enger Freund von Heynckes, weiß sicher am besten, wie er seinen Jupp davon überzeugen kann, nach Saisonende nicht wieder in sein Rentner-Dasein zurückzukehren, um die Ruhe, die Natur und das Leben mit Frau und Haustieren rund um sein Bauernhaus im niederrheinischen Schwalmtal zu genießen.

Im November sprach Hoeneß auf der Mitgliederversammlung erstmals davon, es sei nicht sicher, dass Heynckes wirklich aufhöre. Im Dezember ließ er auf einer Weihnachtsfeier eines Fanklubs abstimmen, wer pro und wer contra Jupp sei. Wenig überraschend herrschte Einstimmigkeit. Und seitdem eine andere Stimmung. Eine “große Charmeoffensive von Uli Hoeneß”, nennt Rummenigge dieses öffentliche Werben, er unterstütze diese total.

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“Die Spieler lieben Heynckes”

Heynckes sei ein “Trainer der Extraklasse”. Und vor allem: “Die Spieler lieben ihn. Wir wären ja schlecht beraten, wenn wir diesen Mann kampflos aufgeben würden.” Stimmt beides. Uneingeschränkt.

Hoeneß und Rummenigge müssen es versuchen, alles andere wäre fahrlässig angesichts der Erfolgsserie, der wiedererlangten Fitness der Mannschaft und der exzellenten Menschenführung des Heynckes-Trainerstabs. Die Frage ist: wie kriegen die Bayern ihren Jupp rum? Bisher gab er sich sehr konsequent, nein heißt: nein, echt nicht.

Nach der Saison, nach seinem Einsatz als Freund und Helfer, versicherte er mehrfach, werde definitiv Schluss sein. “Eine Herzensangelegenheit” sei der Job für ihn, aber eben eine auf Zeit. Die Bayern wollen das nicht wahrhaben, möchten die Jupp-Renaissance am liebsten um eine weitere Saison verlängern. Weil’s gar so schön, gar so erfolgreich ist.

Also werben sie immer intensiver um ihn, wollen ihm – in Ermangelung anderer Trainer-Lösungen – ein Ja-Wort für 2018/19 abringen. Steter Hoeneß höhlt den Jupp – hat die Masche Erfolg? Es ist die aber wohl einzig richtige Masche. Eine vornehme Zurückhaltung würde die Bayern auch nicht weiterbringen.

Wäre jeder andere Trainer eine B-Lösung? 

Hoeneß zielt auf Heynckes’ Ego ab. Denn: Wer würde sich bei diesen Lobeshymnen nicht geschmeichelt fühlen? Heynckes will (es) sich immer noch beweisen und zeigen, dass das Alter keinerlei Rolle spielt. Auch nicht mit 73 oder 74.

Das Balzen um Jupps Ja hat noch einen anderen Hintergrund, einen strategischen. Schlägt Heynckes ein und bekräftigt die GroKo, die bayerische Großkopferten-Koalition bis 2019, hätte man in München wieder ein Jahr gewonnen. Für die Entscheidung, wer dann Trainer wird. Als Nachfolger von Heynckes. Als B-Lösung? “Wir haben entschieden, dass wir einen deutschen Trainer wollen“, sagte Rummenigge, “Heynckes wäre der idealste deutsche Trainer.” Diese Aussage dürfte dem Ego der bekannten Kandidaten nicht gerade schmeicheln.

2019 könnten Bundestrainer Joachim Löw und Jürgen Klopp vom FC Liverpool Optionen sein, auch Ralph Hasenhüttl, der Leipzig-Coach. Kommenden Sommer wohl nur Thomas Tuchel, um dessen Arbeitsmethoden und Ausstrahlung Dissens in Bayerns Führungsriege herrscht, man ist sich uneinig über die soziale Kompetenz des Trainers.

Bliebe Frankfurts Niko Kovac, ein früherer Bayern-Profi, der also Stallgeruch und Mia-san-mia-DNA mitbringt. Am Ende des Tages könnte Kovac der größte gemeinsame Nenner sein. Falls Heynckes konsequent bleibt bei seinem: Nein, danke!