FBI-Razzien! College-Skandal erschüttert USA

Eric Böhm
Dem College Basketball steht ein massiver Skandal bevor

Dem College Basketball steht ein gigantischer Skandal bevor, der sogar das Fundament des gesamten US-College-Systems erschüttern könnte.

Im Zuge einer dreijährigen Ermittlung des FBI wurden am Dienstag zehn Personen festgenommen - darunter vier College-Trainer und zwei US-Manager des deutschen Sportartikelherstellers Adidas. (College Basketball LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM)

Bestechungsvorwürfe gegen Colleges und Adidas

Es geht um massive Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit der Rekrutierung von High-School-Spielern. Das ist der zentrale Punkt des College-Systems: Die großen Sport-Universitäten werben die besten Athleten in verschiedenen Sportarten an.

Offiziell ohne jegliche Art von finanziellen Vergütungen. Vor allem in den Millionengeschäften Football und Basketball gab es allerdings immer wieder Skandale um illegale Anwerbung mit Geld, Jobs für die Eltern, Autos, Frauen und so weiter. Die nun ans Licht gekommene Untersuchung des FBI hat jedoch eine ganz andere Dimension. 


"Die Vorwürfe sind uns seit gestern bekannt. Wir werden vollumfänglich mit den relevanten Behörden zusammenzuarbeiten. Der betreffende Mitarbeiter wurde bis auf weiteres freigestellt. Adidas wird mit Unterstützung externen Rechtsbeistands eine eigene gründliche Untersuchung durchführen. Das Unternehmen verpflichtet sich voll und ganz zu Compliance, Integrität und ethischer Geschäftsführung", hieß es in einer Stellungnahme des Unternehmens zu SPORT1.

Vier Trainer verhaftet

Die bisher angeklagten Assistenztrainer Lamont Evans (Oklahoma State), Emanuel Richardson (Arizona), Tony Bland (USC) und der frühere NBA-Profi Chuck Person (Auburn) sind aber nur die Spitze des Eisbergs. Person und Richardson wurden inzwischen gegen Zahlung von Kautionen in Höhe von 25.000 und 50.000 Dollar entlassen.

Sie sollen mit den Adidas-Verantwortlichen, Spielerberatern - der ehemalige Agent Christian Dawkins wurde ebenfalls verhaftet -, Finanzberatern und anderen Geschäftsleuten ein Netzwerk unterhalten haben, um die talentiertesten Basketballer zu Colleges zu lotsen, die von Adidas ausgerüstet werden.

Schüler und Familien erhielten Geld

Neben den Coaches sollen auch Spieler und Familien Geld erhalten haben, um bei den betreffenden Beratern und persönlichen Ausrüstern Verträge für ihre folgenden Profikarriere zu unterschreiben.

Solche Absprachen sind strikt verboten, solange Athleten an einer Universität eingeschrieben sind - erst danach dürfen sie einen Berater engagieren und private Sponsoring-Verträge abschließen.

"Monat für Monat haben die Angeklagten Träume von Studenten ausgenutzt. Für sie waren die jungen Menschen kaum mehr als eine Möglichkeit sich mit Hilfe von Bestechung und Betrug zu bereichern", sagte Bezirksstaatsanwalt Joon H. Kim auf einer Pressekonferenz.


Dreijährige Ermittlung des FBI

Die Geheimoperation des FBI bestand unter anderem aus Abhöraktionen, verdeckten Ermittlern und Kronzeugen. Nicht einmal der College-Sportverband (NCAA) wusste darüber Bescheid.

Einer dieser Kronzeugen ist der berüchtigte ehemalige Finanzberater Marty Blazer, der schon häufiger mit krummen Geschäften entlarvt wurde. Unter anderem soll er ehemalige Klienten um 2,35 Millionen Dollar betrogen haben.

Er habe Sportlern illegale "Darlehen" ermöglicht, mit der Bedingung, sie würden ihn später als Finanzberater behalten. Ihm kam das FBI offenbar auf die Schliche und ließ ihm nur die Wahl, andere Beteiligte zu belasten.


Nur die Spitze des Eisbergs

Neben den bisher vier genannten Universitäten sind auch Louisville und Miami in die aktuelle Untersuchung verstrickt. Inzwischen wurde laut ESPN auch Louisvilles Coach Rick Pitino gefeuert.

Der stellvertretende FBI-Direktor Bill Sweeney warnte bereits andere Coaches: "Wir kennen eure Masche. Unsere Untersuchung läuft weiter."

Kim bezeichnete die involvierten Personen als "Koyoten, die um die Toptalente kreisen" und zeigte sich entsetzt, dass "einer der größten Sportartikelhersteller der Welt geheime Zahlungen an Eltern von High-School-Schülern" leistete.

College-System bedroht

Bewahrheiten sich all diese Anschuldigungen, könnte dem College-Sport eine massive Krise bevorstehen.

Denn mit ihren Gewinnen in Millionenhöhe aus Ticketverkäufen, TV-Verträgen und Merchandising im Football und Basketball finanzieren die Unis nicht nur ihre akademische Infrastruktur und Ressourcen sondern auch andere Sportarten wie Schwimmen und Leichtathletik. Nicht zuletzt deshalb dominieren die USA die Olympischen Sportarten.

Die Folgen des aktuellen Skandals sind nicht absehbar, denn ultimativ könnten sogar Klagen von Athleten folgen, die das aktuelle System für unzulässig erklären und ihnen einen Anteil an den mit ihnen verdienten Einnahmen gewähren.