Favre und die BVB-Transfers: Ein Lichtsteiner macht noch keinen Sommer

Lucien Favre hat offenbar schon vor seinem offiziellen Amtsbeginn bei Borussia Dortmund eine Verpflichtung von Stephan Lichtsteiner abgelehnt. Der BVB scheint eine wichtige Baustelle der Vergangenheit zu schließen – und muss doch vorsichtig sein.

Lucien Favre wird aller Voraussicht nach im Sommer beim BVB anheuern. (Bild: Getty Images)

Der kicker vermeldete vor wenigen Wochen die Verpflichtung von Stephan Lichtsteiner durch den BVB. Nun aber dementierte der Schweizer einen Wechsel zur Borussia. Lucien Favre, derzeit noch in Nizza, bald aber schon beim BVB verantwortlich, soll seinen Landsmann abgelehnt haben.

Mit einem Blick auf die Vergangenheit ist das ein wichtiges Detail in Dortmund. Bisher war die Zusammenarbeit von Trainer und Management im Ruhrpott nicht immer ideal gewesen. Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc waren dafür zu präsent, zu eigen in ihren Vorstellung.

Zugleich ließen sie sich vom Trainer beeinflussen und erfüllten seine Spielerwünsche. Herausgekommen ist ein Kader, der sowohl unter Peter Bosz als auch unter Peter Stöger nicht sein volles Potenzial ausschöpfen konnte.


Lichtsteiner wäre guter Transfer gewesen

Dass Favre nun die Verpflichtung eines Spielers noch vor dem 1. Juli ablehnte, ist ein entscheidender Fingerzeig. Die Dortmunder arbeiten schon jetzt eng zusammen mit ihrem künftigen Trainer und gehen in der Kaderplanung gemeinsame Wege. Umso beeindruckender aufgrund der Tatsache, dass die Führung mit Matthias Sammer und Sebastian Kehl noch ausgebaut wurde.

Lichtsteiner wäre ein toller Transfer für den Verein gewesen: Ablösefrei, mit internationaler Erfahrung, ein Musterprofi und dazu deutschsprachig. Doch Favre entschied sich dagegen und niemand versuchte, den Transfer gegen den Willen des Trainers zu vollziehen.

Dabei hätte der 34-Jährige gut in das Profil von Zorc gepasst. “Wir werden verstärkt auf Werte wie Disziplin und Gier setzen und den Team-Gedanken wieder in den Mittelpunkt rücken”, sagte er der Bild. Die Meinung des Trainers geht aber vor.

Tuchel und der Sommer 2016

In der Vergangenheit hatte es Transferphasen gegeben, in denen der Trainer nicht im Vordergrund stand. Mats Hummels, Henrikh Mkhitaryan und Ilkay Gündogan wurden in einem Sommer abgegeben, Thomas Tuchel verlor drei seiner tragenden Säulen.

Als Gegenleistung bekam Tuchel unter anderem Alexander Isak und Emre Mor. Die Führung verpflichtete die Talente in der Angst, sie an die Konkurrenz zu verlieren. Tuchel konnte mit beiden wenig anfangen, ihre Entwicklung begann schnell zu stagnieren.

Gleichwohl entbrannte intern ein Streit um Atleticos Oliver Torres, der sich letztlich für den FC Porto entschied. Der Sommer 2016 war der Anfang des Bruchs zwischen der BVB-Führung und Trainer Tuchel. Der Sommer 2018 verlief nur unwesentlich besser.


Bosz’ Wünsche blieben unerfüllt

Peter Bosz ging in die Saison ohne an der Kaderplanung beteiligt gewesen zu sein. Dem Niederländer wurde eine fertige Liste mit Spielern vorgelegt, eigene Wünsche oder Anregungen konnte er nicht einbringen. “Wir hatten 27 Spieler im Kader, das war zu viel”, schimpfte Co-Trainer Hendrie Krüzen nach der Beurlaubung.

Im Winter soll Bosz sich laut einem Bericht der SportBild drei Spieler gewünscht haben: Mathijs de Ligt, Andre Onana und Emre Can. Bekanntermaßen kam kein einziger der drei Wunschspieler nach Dortmund, vielmehr gingen mit Marc Bartra und Pierre-Emerick Aubameyang zwei Spieler mit großem Potenzial.

Es zeigt sich: Die Transferhistorie des BVB ist in den letzten Jahren nicht geprägt gewesen von enger Abstimmung, Zusammenarbeit oder gemeinsamen Vorstellungen. Mit Favre scheint das anders zu werden – wobei Lichtsteiner vorerst nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen sein dürfte.

Erster Eindruck muss bestätigt werden

Der Schweizer war als Backup eingeplant gewesen, seine Ablehnung macht noch lange keinen ganzen Transfersommer. Für den BVB wird es nun darum gehen, den ersten Eindruck auch zu bestätigen. Denn für eine gute Arbeit zwischen Trainer, Mannschaft und Führungsebene ist die Kaderplanung essenziell.

Favre braucht Spielertypen, die seine Philosophie tragen und stützen können. Dortmund sucht auf der einen Seite nach jungen Talenten, um den internationalen Ruf als idealer Verein für Talente gerecht zu werden und gleichwohl nach einer enttäuschenden Saison nach Erfahrung.

Schon das macht klar, wie komplex die Aufgabe in kommenden Transferfenster werden wird. Der BVB muss gleichwohl vorsichtig sein, sich nicht zu sehr an den Trainer zu binden. Zumal Favre als Zweifler und Perfektionist bekannt ist. Er wird noch einige Spieler ablehnen.