Favre hat endlich das Feuer für den Titel!

Patrick Berger

So impulsiv hat man Lucien Favre selten erlebt. Der sonst so ruhige BVB-Trainer strotzte beim wichtigen 2:1-Sieg im Borussen-Duell nur so voller Elan!

Favre ohne Pfiff? Von wegen! Der BVB-Coach trägt endlich das Titel-Feuer in sich.

Beispiele gefällig?

  • Über das ganze Spiel hinweg war der Schweizer an der Seitenlinie total aktiv, tigerte immer wieder in seiner Coaching Zone umher und wirkte mit klaren Gesten auf seine Spieler wie Axel Witsel oder Achraf Hakimi ein.
  • Als der 4. Offizielle ihn einmal beruhigen wollte, schob Favre ihn bestimmt zur Seite.
  • Bei einer Rudelbildung in der Schlussphase rannte Favre sogar aufs Spielfeld. Der 1,78 Meter große Schweizer stand mitten im Getümmel zwischen all den bulligen Typen wie Erling Haaland, Dan-Axel Zagadou oder Alassane Plea. Er tat das auch, um seinen so wichtigen Spieler Jadon Sancho, der die Rangelei mit Bensebaini angezettelt hatte, vor einer dummen Tätlichkeit zu schützen.

Die Bundesliga-Highlights am Sonntag ab 9.30 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1 

Manager Michael Zorc lobte augenzwinkernd: "Lucien wollte da alles beruhigen." Favre sagte zu SPORT1 über seine Ringrichter-Qualitäten: "Ich wollte nicht, dass sich unsere Mannschaft ärgert. Wenn du dich ärgerst, dann kannst du deine Emotionen nicht kontrollieren. Dann spielst du auch nicht gut."

Nach dem Spiel sind Emotionen dann aber wieder erlaubt. Der 62-Jährige jubelte ausgelassen und lief losgelöst durch die Mixed Zone.

Oh, là, là, Herr Favre! Da brennt jemand auf einmal so richtig für den Titel.


Ungewöhnlich: Nach dem Spiel sprach der Trainer, der in der Vergangenheit mehrfach seinen Kopf aus der Rauswurf-Schlinge gezogen hat, von einem wichtigen Sieg im Kampf um die Meisterschaft.

Meisterschaft - das M-Wort, das für ihn bislang auf dem Index stand.

Seit ein paar Wochen beweist die Dortmunder Mannschaft, die durch die Mentalitäts-Monster Emre Can und Erling Haaland verstärkt wurde, Gier und Galligkeit - und Favre scheint sich angesteckt zu haben.