Die faszinierende Vergangenheit der NASCAR Series

Andreas Reiners

Die Zutaten sind faszinierend, denn sie ergeben eine besondere, eine explosive Mischung. Maximaler Motorsport. Eine Rennserie, die in den USA Millionen vor den Fernseher und Tausende an die Rennstrecken lockt.


Denn NASCAR ist spektakulär. Traditionell. Puristisch. Laut. Schnell. Und manchmal auch tödlich. Was ebenfalls dazugehört: raue Sitten, beinharte Jungs, das Bild des ursprünglichen Amerikas. (NASCAR Series: Daytona 500 am Sonntag ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+)

NASCAR erinnert an "Tage des Donners"

Die Wurzeln in den konservativen Südstaaten, dazu Country Musik, Rednecks, volle Tribünen und Fans mit ihren großen Trucks, was hierzulande Erinnerungen an den 90er-Kultstreifen "Tage des Donners" weckt oder – bei der jüngeren Generation – an die "Cars"-Reihe.

Einfache Autos, einfache Strecken. Alles auf einfach ist die simple Erfolgsformel, die seit Jahrzehnten funktioniert. Vor allem aber ist alles ein wenig anders, ganz anders als zum Beispiel auf Hochglanz polierte Hightech-Serien wie die Formel 1. Denn die Wurzeln der NASCAR-Serie liegen in der Kriminalität und im Alkohol.


Richtig gelesen: Zur Zeit der Prohibition in den USA zwischen 1920 und 1933 musste man erfinderisch sein, um den verbotenen Verkauf und die Versendung von Alkohol durchzuführen. Oder anders gesagt: um zu schmuggeln. Die Schmuggler, die auch "Bootlegger" genannt wurden, frisierten dafür ihre Autos, um bei den wilden Verfolgungsjagden vor der Polizei flüchten zu können.

Schnelle, coole Karren – da war die Idee, Autorennen zu veranstalten, nicht weit. Der Mechaniker Bill France Senior nahm sich dem Ganzen professionell an und gründete schließlich die NASCAR-Serie, die 1949 ihre erste Saison austrug.

Früher wurde scharf geschossen

In den Anfangszeiten ging es getreu dem Gründergedanken und auch durch die beteiligte Schmuggler-Klientel wild zu, teilweise sogar gefährlich, Schießereien waren nicht selten. Dazu wurden legendäre Geschichten geschrieben wie die von Junior Johnson: "The Last American Hero" gewann in seiner Karriere in den 50er und 60er Jahren 50 Rennen, darunter das legendäre "Daytona 500", saß aber auch ein Jahr wegen Schmuggels im Gefängnis. Als Teambesitzer holte er später sechs Titel, er starb 2019 im Alter von 88 Jahren.

Scharf geschossen wird heute nur noch auf der Strecke, die leicht verruchte und gleichzeitig republikanisch-konservative Mentalität ist allerdings geblieben. Ein bisschen Wilder Westen, auf den die Amerikaner auch heute noch abfahren. Deshalb sind die großen Rennen immer noch Volksfeste, die erfolgreichen Fahrer Volkshelden.

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Auch wenn die NASCAR viele Veränderungen mitgemacht hat, ist die Serien-"Seele" von Beginn an im Namen hinterlegt: "National Association for Stock Car Auto Racing", wobei Stock Car für seriennahe Fahrzeuge steht, da anfangs nur modifizierte Serienautos gegeneinander antraten.

Drei Ligen gibt es im NASCAR-System, die NASCAR Cup Series ist die Königsklasse. Während sich andere Rennserien von ihren Wurzeln auch durchaus entfernt haben und die Anfänge kaum noch zu erkennen sind, stehen die heutigen NASCAR-Motoren für die Technik der 60er und 70er Jahre.

350 km/h sind locker drin

Die 5,7-Liter-V8-Motoren leisten offiziell 750 PS, bei manchen Rennen werden sie auf 550 PS gedrosselt.

Trotzdem sind dann mit Windschatten immer noch Geschwindigkeiten von mehr als 320 km/h möglich. Ungedrosselt sind wahnsinnige 350 km/h drin, tödliche Unfälle gehören deshalb immer mal wieder dazu.


Klar: Auch die NASCAR unterlag dem Wandel der Zeit, weshalb die Autos nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit den Serienmodellen haben. Viel ist standardisiert, was ein enges Racing und viele Manöver auf den zumeist ovalförmigen Kursen ermöglichen soll. Das Ziel: Nicht die Autos, sondern die Fahrer sollen im Mittelpunkt stehen.

NASCAR genießt große Popularität

Was deshalb bleibt, ist die Popularität, auch über die USA hinaus. Am sichtbarsten wird das beim "Super Bowl des Motorsports", dem Auftakt der neuen Saison, beim berühmten "Daytona 500".

Ein Rennen, vom Status vergleichbar mit dem Monaco-GP in der Formel 1, den 24 Stunden von Le Mans oder dem Indy 500. Die knapp 200.000 Tickets sind vergriffen, auch US-Präsident Donald Trump hat sich für den Auftakt, der zugleich auch Höhepunkt der Saison ist, angesagt.

Was zeigt: Der Alkohol wird inzwischen zwar nicht mehr geschmuggelt, sondern in der Regel getrunken. Faszinierend sind die Zutaten aber immer noch.