Fast neun Jahre Jugendhaft für Mord an schlafender 14-Jähriger

"Echte Mordlust" soll ein Motiv dafür gewesen sein, weshalb ein 17-Jähriger in München seine schlafende 14 Jahre alte Freundin mit einem gezielten Stich ins Herz getötet haben soll. Wie ein Gerichtssprecher am Dienstagabend mitteilte, bekam Joshua M. deshalb von der Jugendkammer des Landgerichts München I eine Jugendstrafe von acht Jahren und neun Monaten.

Weil bei M. eine "äußerst hohe Wiederholungsgefahr" auch für schwerste Gewalttaten bestehe, ordnete das Gericht darüber hinaus die vorbehaltene Sicherungsverwahrung an. Das bedeutet, dass ein Gericht später für den Heranwachsenden eine Sicherungsverwahrung anordnen könnte - dann würde er auch nach Verbüßen seiner Strafe im Gefängnis bleiben.

Die Staatsanwaltschaft hatte einen Monat Jugendstrafe mehr gefordert. Außerdem forderten die Ankläger in dem wegen des jugendlichen Alters des Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Prozess die Unterbringung von M. in der Psychiatrie. Die Jugendkammer ging hingegen von der vollen Schuldfähigkeit aus. Die Verteidigung hatte für den geständigen Täter eine Verurteilung wegen Mordes zu achteinhalb Jahren Jugendstrafe beantragt ohne weitere Sanktionen.

Der Verurteilte und das Mädchen befanden sich in der Tatnacht im vergangenen Oktober in ihrem Kinderzimmer, er übernachtete früheren Angaben der Polizei zufolge regelmäßig dort. Der Jugendliche soll eine mindestens freundschaftliche Beziehung mit der 14-Jährigen gehabt haben. Frühen Angaben zufolge soll er eifersüchtig gewesen sein, weil diese sich mit einem anderen Jungen angefreundet hatte.

Das Gericht entschied dem Sprecher zufolge, bei M. sei das Mordmotiv Heimtücke erfüllt. Seine Freundin sei am vermeintlich sichersten Ort, den man sich vorstellen könne, getötet worden: "schlafend im eigenen Bett in ihrem Elternhaus."

Nach Überzeugung des Gerichts war es keine spontane Tat, sondern diese sei schon mehrere Tage geplant gewesen. So habe sich M. eigens die Tatwaffe beschafft. Die Jugendkammer stellte ein ganzes Motivbündel bei dem Angreifer fest. Neben der echten Mordlust auch Elemente einer narzisstischen Kränkung. Die Tat sei insgesamt von einem ganzen Strauß von niedrigen Beweggründen geprägt, erklärte der Gerichtssprecher. Zugunsten des Angeklagten berücksichtigte die Kammer dessen Geständnis.

Der Vorsitzende Richter hielt dem Angeklagten allerdings vor, dass er die achttägige Hauptverhandlung zeitweise als Show missbraucht habe. Diese Show sei nun beendet, erklärte das Gericht.Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Mutter des Opfers fand ihre erstochene Tochter morgens leblos im Bett. Sie trat als Nebenklägerin auf. Am Tattag war der damals 17-Jährige zunächst geflüchtet, es lief eine breit angelegte öffentliche Fahndung in München. Noch während die Polizei mit einem Großaufgebot nach ihm suchte, bemerkten zwei ebenfalls jugendliche Bekannte des jungen Manns diesen einen Tag nach der Tat an einem Münchner S-Bahnhof. Sie informierten den Sicherheitsdienst, der dann die Bundespolizei alarmierte. Der 17-Jährige konnte so kurz nach der Tat festgenommen werden.

Weil der Täter zum Tatzeitpunkt minderjährig war, gilt das Jugendstrafrecht. Dieses sieht für Mord als Höchststrafe zehn Jahre Jugendhaft vor.

ran/jes

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.