Fast jeder Dritte in Deutschland erlebt Diskriminierung

Ein verwehrter Einlass in Diskotheken, fehlende Barrierefreiheit an Bahnhöfen oder die Nichteinladung zum Bewerbungsgespräch - Diskriminierung hat viele Gesichter. Fast jeder Dritte in Deutschland erlebte bereits diskriminierende Situationen, wie aus einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, der Behindertenbeauftragten und der Integrationsbeauftragten hervorgeht. Sie kritisieren vor allem "teils gravierende Diskriminierungsrisiken" bei der Arbeitsvermittlung.

So klagen zum Beispiel Menschen mit Behinderungen, ungeachtet ihrer Qualifikation nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Auch Menschen mit ausländisch klingenden Namen und ältere Menschen sehen sich ausgeschlossen. Frauen wird häufig im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Elternschaft der Zugang in den Arbeitsmarkt erschwert - muslimischen Frauen mit Kopftuch wegen ihrer Religion.

Von den rund 9000 Beratungsanfragen, die von 2013 bis 2016 bei der Antidiskriminierungsstelle eingingen, betrafen demnach 41 Prozent das Arbeitsleben. Beklagt wurden dabei auch das Mobbing von Kollegen sowie das Fehlen einer behindertengerechten Ausstattung der Arbeitsplätze.

Vor allem in der privaten Wirtschaft gebe es "noch viele Barrieren für Menschen mit Behinderungen", erklärte die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Verena Bentele. Das Verweigern etwa von Rampen oder breiteren Türen in Läden, Restaurants und Arztpraxen müsse "als eine Form der Diskriminierung in das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz aufgenommen werden".

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), kritisierte, dass es auch Bewerber mit ausländischen Wurzeln auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben, auch mit gleicher oder sogar besserer Qualifikation. Die Teilhabe am Arbeitsleben sei "ein tragender Faktor" für die Integration.

Oft liegt es demnach schlichtweg an den Verfahrensabläufen etwa in Jobcentern, dass Menschen benachteiligt werden. So richten Vermittler den Fokus nicht am individuellen Bedarf der Arbeitssuchenden aus, sondern versuchen, "mit möglichst minimalem Aufwand die Kennzahlen zu erfüllen". Dies könne "fatale Auswirkungen" haben", warnte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders. Sie sprach sich für unabhängige Obmudsstellen aus, um Betroffenen besser zu helfen.

Der Bericht, der sich auf eine 2016 veröffentlichte Studie der Antidiskriminierungsstelle sowie Beratungsanfragen stützt, beklagt auch eine Diskriminierung im Bereich Dienstleistungen und Freizeit. So wird Menschen vor allem wegen ihrer ethnischen Herkunft der Zutritt etwa zu Tanzveranstaltungen oder Fitnessstudios verwehrt, während Behinderte mit ihren Rollstühlen nicht in Restaurants kommen oder sie ihre Assistenzhunde nicht in Verkehrsmitteln mitnehmen können.

Vor allem die ethnische Herkunft und der Aufenthaltsstatus erhöhen zudem das Risiko, bei der Suche nach einer Wohnung diskriminiert zu werden, wie jüngst auch Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR) und des "Spiegel" zeigten. Auch die noch ausstehende Möglichkeit für gleichgeschlechtliche Paare, eine Ehe zu schließen, werden demnach als Diskriminierung seitens der Behörden empfunden.

Der Mut, sich gegen Diskriminierung zu wehren, wird dem Bericht zufolge häufig nicht belohnt. Bei rund einem Viertel derjenigen, die Maßnahmen gegen eine Benachteiligung ergriffen, wiederholte sich die Diskriminierung. Nur 18 Prozent sprachen von positiven Folgen wie einer Entschuldigung oder Wiedergutmachung. Insgesamt gehen vier von zehn Betroffenen nicht gegen eine Diskriminierung vor.