Fan-Wut beim VfB: Kind fordert faire Chance für Korkut

Reinhard Franke
Bei Hannover 96 war Martin Kind (r.) 16 Monate der Boss von Tayfun Korkut

Tayfun Korkut ist zurück auf der Fußballbühne. Doch der Empfang für den neuen Trainer des VfB Stuttgart war frostig.

Als die Schwaben am Montagabend die Verpflichtung des 43-Jährigen bekannt gaben, hagelte es auf der Facebook-Seite des Vereins wütende Kommentare und ratlose Meinungsäußerungen, sogar wüste Beleidigungen waren dabei.

"Ihr habt doch Lack gesoffen", war da zu lesen. Ein Fan schrieb: "Wollt Ihr uns komplett verarschen?" Korkut sei der schlechteste Trainer der Welt, schrieb ein Anderer.

Zurückhaltend wurde der Nachfolger von Hannes Wolf dann auch bei seinem ersten Training am Dienstag beäugt. Viel Applaus? Fehlanzeige. Auch der frühere VfB-Abwehrspieler Thomas Berthold hatte im SPORT1-Interview seine Zweifel.

"Ich habe kein Verständnis dafür, dass die Stimmung gegen Korkut so negativ ist und dass sogar Fans Ihre Mitgliedschaft kündigen. Jeder Mensch muss fair behandelt werden, sollte sich auch nach schwierigen Momenten erneut beweisen dürfen", sagt Martin Kind, im Gespräch mit SPORT1


Kind fordert eine "faire Chance"

"Auch andere Trainer haben Befürworter und Leute, die sie ablehnen. Das scheint im Trainergeschäft schon Standard zu sein. Korkut hat eine faire Chance verdient. Die Leute, die ihn verpflichtet haben, werden sich bestimmt mit seiner Person auseinandergesetzt haben", so der Präsident von Hannover 96.

Kind gab Korkut im Dezember 2010 die Chance zum Einstieg ins Profigeschäft, als er ihn zu den Niedersachsen holte. In der Rückrunde der Saison 2013/2014 holte Korkut 24 Punkte und beendete die Saison auf dem zehnten Tabellenplatz.

Die Hinrunde der Saison 2014/15 beendete er ebenfalls mit 24 Punkten auf dem achten Tabellenplatz und holte somit im Kalenderjahr 2014 in 34 Bundesligaspielen 48 Punkte. Am 20. April 2015 wurde er nach 13 sieglosen Spielen dann aber von Kind beurlaubt.

Kind spricht dennoch von "guten Erfahrungen" mit Korkut. "Mit ihm schafften wir den Klassenerhalt. In der darauffolgenden Saison folgte eine gute Hinserie, doch in der Rückrunde hat irgendwas nicht mehr gepasst. Die Gründe kann ich mir bis heute nicht erklären." 

Nach seiner 96-Zeit arbeitete Korkut beim 1. FC Kaiserslautern - dort trat er im Dezember 2016 nach nur einem halben Jahr überraschend zurück - und bei Bayer Leverkusen. Die Werkself konnte er zwar vor dem Abstieg retten, doch er schaffte es nicht sich für einen weiteren Vertrag zu empfehlen.


"Der Name Korkut fiel nicht"

"Ich war überrascht von der Trainer-Entscheidung in Stuttgart, weil vorher viele Kandidaten genannt wurden. Der Name Korkut fiel nicht. Dass sich der VfB schließlich für ihn entschieden hat, hat mich nicht sonderlich überrascht", so Kind. 

Er erinnert sich an die gemeinsame Zeit bei 96 und lobt Korkut. Als Mensch sei dieser "unglaublich zuverlässig und seriös". Und Korkut sei "trotz aller Vorurteile gegen ihn ein guter Trainer. In der Vergangenheit stellten sich bei ihm die Erfolge und Ergebnisse nicht in der Form ein, wie er sich das gewünscht hat, das hatte bestimmt seine Gründe. Aber es ist eine gute Entscheidung von den Verantwortlichen beim VfB, ihn als Trainer unter Vertrag zu nehmen.“

Und weiter: "Ich bin davon überzeugt, dass Herr Korkut mit dem VfB den Klassenerhalt schafft. Man hat 20 Punkte und die Mannschaft hat Qualität. Er wird das schaffen."  

Am Samstag (15.30 Uhr) feiert Korkut ausgerechnet beim VfL Wolfsburg sein Debüt als VfB-Coach. Schon mit Hannover 96 war die Autostadt das Ziel seiner ersten Dienstreise. 

Kind stärkt Korkut demonstrativ den Rücken. "Ich bin sicher, dass sich Herr Korkut bei seinen bisherigen Vereinen weiterentwickelt hat. Auch, wenn die Ergebnisse am Ende nicht so zufriedenstellend waren."

Viel Lob

Was macht Kind so optimistisch?

"Korkut war selbst Profi, ist ein sympathischer Typ mit einer klaren Meinung", meint der 96-Boss. "Er ist zuverlässig, kommunikativ, aber auch hier und da auf Distanz bedacht."

Zudem sei er "eine gestandene Persönlichkeit. Ich wünsche ihm von Herzen, dass er endlich auch gute Ergebnisse liefert. Er ist selbstkritisch genug aus Fehlern zu lernen, aus denen er seine weitere Entwicklung ableitet."