Fan-Frust in Frankfurt: Endet Montagsspiel im Chaos?

Kerry Hau, Sportinformationsdienst (SID)

Boykott, Innenraumsturm, Spielunterbrechung, Choreographien und Banner - all das sollen die Fans von Eintracht Frankfurt bei ihrer Mobilmachung rund um das erste Montagsspiel der Bundesliga gegen RB Leipzig (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) planen.

Dass die Partie für beide Klubs richtungweisend im Kampf um einen Platz in der Champions League ist, interessiert kaum jemanden. Alle halten vor dem "irren Montag" den Atem an.

"Es wird eine enorme Welle des Protests sichtbar werden", prophezeite Eintracht-Vorstand Axel Hellmann in der Bild am Sonntag: "Es gibt bei einem Großteil der Fans eine tiefe innere Überzeugung, dass der Montag eine Fehlansetzung ist."

Wie groß die Furcht vor ausufernden Protesten und Ausschreitungen ist, zeigt die Vorsichtsmaßnahme Hellmanns. Der 46-Jährige wird das Spiel im Innenraum anstatt wie gewohnt in der Loge verfolgen - um notfalls schnell eingreifen zu können.

"Müssen klar machen, was uns nicht passt" 

Wie genau die Proteste gegen die Ansetzung der DFL am Ende aussehen werden, ist offen. Über zahlreiche Aktionen wird spekuliert. In einem gemeinsamen Statement riefen die Fanorganisationen am Freitag die Zuschauer dazu auf, "ihr Anliegen auf Tapete oder Stoff zu malen". Doch dabei wird es nicht bleiben. Das große Chaos droht.

Die Pfiffe von Schiedsrichter Felix Zwayer sollen mit bis zu 5000 Vuvuzelas übertönt werden. "Wir müssen klar machen, was uns nicht passt", lautet die Forderung der Ultras Frankfurt 1997.


Die Eintracht rechnet sogar nur mit 32.000 Zuschauern, obwohl 43.000 Eintrittskarten verkauft wurden.

"Ich würde mir das Spiel gerne im Stadion ansehen, aber das ist allein schon aus beruflichen Gründen nicht möglich", sagt Dauerkarteninhaber Tarek Nordheim zu SPORT1. "Und so geht es vielen Fans. Wir nehmen uns doch nicht extra frei! Unter der Montagsansetzung und der Zerstückelung des Spieltags leidet der Fußball."

DFL verteidigt sich

Die Ansage der Anhänger, die ihre Aktion gegen den Kommerz im Fußball richten, ist eindeutig. "Wir haben nicht vor, der DFL als stimmungsvolles Klatschvieh eine farbenfrohe und lautstarke Kulisse zu liefern", ließ der "Nordwestkurvenrat" wissen.

Eben jene DFL kann die Aufregung nur schwer nachvollziehen. "Wir reden über fünf von 306 Saisonspielen. Es ist nicht geplant, dass es mehr werden. Und die Chance, dass es weniger werden, ist eher größer als kleiner", sagte DFL-Boss Christian Seifert dem HR.

Seifert betonte, dass die Montagsspiele nicht aus kommerziellen Gründen eingeführt wurden. "Sie machen weniger als ein Prozent der Gesamtumsätze aus", äußerte der 48-Jährige: "Sie wurden eingeführt als Interessensausgleich zwischen mitreisenden Fans einerseits und dem Amateurfußball andererseits, der nach wie vor sehr viele Spiele am Sonntag absolviert."

BVB-Fans planen nächsten Boykott

Zudem brauche es Entlastung für die Europa-League-Starter, die am Donnerstag spielen. Seifert gestand ein, dass Montagsspiele "gewöhnungsbedürftig" seien. Der DFL-Boss wies aber darauf hin, dass sie bis zum Ende des laufenden TV-Vertrags im Jahr 2021 einstimmig von den Klubs beschlossen wurden: "Für die Zeit danach sind sie nicht in Stein gemeißelt."


Sicher sind dagegen schon die nächsten Proteste beim Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Augsburg am 26. Februar. Das BVB-Bündnis Südtribüne, dem Fanklubs und Ultragruppen angehören, hat einen Boykott angekündigt.

Borussen-Boss Hans-Joachim Watzke ist deshalb auf die Anhänger zugegangen. "Ohne Montagsspiele werden wir ab 2021 vielleicht ein, zwei Millionen Euro weniger einnehmen. Aber eine größere Einheit mit den Fans ist uns mehr wert", sagte der Geschäftsführer bei Sky: "Wir dürfen keine Politik gegen das Gefühl unserer zehn Millionen Fans in Deutschland machen."

Hasenhüttl versteht Aufregung nicht

Auch Eintracht-Trainer Niko Kovac ("Ich bin kein Freund von Montagsspielen"), kann die Anhänger verstehen. "Wir spielen Fußball für die Zuschauer. Wenn die ihre Rechte angegriffen sehen, haben sie das Recht, dagegen zu demonstrieren", sagte der Coach am Sonntag.

RB-Trainer Ralph Hasenhüttl versteht die Aufregung nur bedingt: "In Leipzig ist es noch nicht so lange her, dass man montags gespielt hat, und in Frankfurt sind die Zweitligazeiten ja auch noch nicht so lange her."

Fußball soll am Montag übrigens auch gespielt werden. Dabei könnten die Frankfurter (36 Punkte) die Leipziger (38) mit einem Sieg überholen und vorerst einen Königsklassen-Platz erobern.