Krawallmacher von Prag: "Waren am Spiel nicht interessiert"

Martin van de Flierdt, Jochen Stutzky

Der 2:1-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft im WM-Qualifikationsspiel in Prag gegen Tschechien wird aus sportlicher Sicht nicht lange in Erinnerung bleiben. Stattdessen drängten sich einige unangenehme Tribünengäste in den Vordergrund, die das Bild der deutschen Fußballfans im Ausland in den Dreck zogen. 

"Das war eine Katastrophe, ganz schlimm", fand Siegtorschütze Mats Hummels nach der Partie deutliche Worte. "Das sind keine Fans, ganz einfach. Das sind Krawallmacher, Hooligans, was auch immer - aber die haben nichts mit Fußballfans zu tun." 

DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch ist am Sonntag zu Gast im CHECK24 Doppelpass und wird sich zum Streit zwischen DFB und Ultras sowie die Vorkommnissen in Prag äußern (ab 11 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Dass die deutschen Spieler nach dem Abpfiff diesmal nicht in die Fankurve kamen, um die Aktionen der pöbelnden Herrschaften nicht auch noch gutzuheißen, findet Markus Stumpf nachvollziehbar.


"Das haben sie absolut zu Recht getan", sagt der 34-Jährige, der die DFB-Auswahl mit Freunden seit der WM 2014 regelmäßig begleitet und auch in Prag im Fanblock mit dabei war, zu SPORT1

"Wenn man es mitkriegt, wie ein Mitspieler von der Fankurve beleidigt wird und auch die anderen Pöbeleien hört, ist das für mich völlig in Ordnung. Da haben die Spieler aus meiner Sicht das richtige Zeichen gesetzt."

Werner-Schmähgesänge "einfach nur peinlich"

Die "Sieg Heil"-Rufe, das "Scheiß DFB"-Gebrüll schon während der Schweigeminute für zwei verstorbene tschechische Fußballfunktionäre, die Schmähgesänge für Timo Werner, den deutschen Torschützen zum frühen 1:0 sogar gleich nach dessen Treffer - das habe er "in dieser Heftigkeit noch nicht erlebt", sagt Stumpf.


"Da standen leider Gottes einfach sehr viele alkoholisierte und auch dumme Menschen im Block,  die nicht am Spiel interessiert waren." Dass mit Werner sogar ein Spieler der eigenen Auswahl zum wiederholten Mal verbal attackiert wurde, will nicht in seinen Kopf:

"Das war einfach nur peinlich. Das ist ein deutscher Nationalspieler, und die haben nur im Sinn, dass der Junge kein Tor macht wegen der verdammten Schwalbe damals."

Hooligan-Treff im Irish Pub in Prag

Einem größeren Teil der Krawallmacher waren Stumpf und seine beiden Reisegefährten bereits am Donnerstag in einem Irish Pub in der Prager Innenstadt begegnet.

"Die waren schon anhand ihres Kleidungsstils und der meist nicht vorhandenen Haarpracht eindeutig zu erkennen", schildert Stumpf. "Da war aus Frankfurt die Adlerfront vertreten, auch aus Rostock und Bochum kamen welche."

In der Bundesliga gegeneinander, bei Länderspielen miteinander sei die Losung in der Hooliganszene, habe man ihnen mitgeteilt. Auf die Frage, was passiere, wenn man auf die tschechischen Gleichgesinnten treffe, habe die Antwort gelautet: "Da gilt 'nur nicht wegrennen'". 

"Da haben wir unsere Gläser leer getrunken und zügig die Lokalität gewechselt", erzählt Stumpf. "Eine Verbrüderung mit denen brauchten wir nicht. Denn da waren schon ein paar gute Apparate dabei, die sicher aus allem Kleinholz machen, was sich ihnen in den Weg stellt."

Hoffnung auf Besserung in Nordirland

Dass die Chaoten auch am Montag in Stuttgart beim Spiel gegen Norwegen (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) auf sich aufmerksam machen können, glaubt Stumpf aufgrund des Prozederes der Ticketvergabe bei DFB-Heimspielen nicht. 


"Und für das folgende Auswärtsspiel in Belfast gegen Nordirland gibt es nur ein geringes Kartenkontingent", sagt er. "Da habe ich die Hoffnung, dass dann auch die Richtigen Tickets bekommen, so dass es auch wieder Spaß macht, im Block zu stehen."