Familienpolitik im Wahl-Check: Was gelang, was kommen soll und was die Parteien wollen

Damit bezog sich die Sprecherin auf die jüngsten Ereignisse in Sachsen-Anhalt.

Wer liest eigentlich Wahlprogramme? 248 Seiten haben sich die Grünen für die nächsten vier Jahre vorgenommen. 163 Seiten sind es bei der FDP, 144 Seiten legt die Linkspartei vor, 116 Seiten die SPD und je 76 Seiten sind es bei CDU/CSU und AfD. Wir haben sie gelesen. Was steckt eigentlich hinter den Schlagworten Verlässlichkeit, Sicherheit, Gerechtigkeit, die uns nun von den Wahlplakaten entgegenspringen? In der Serie „Wahlprogramm-Check“ stellen wir die konkreten Ankündigungen gegenüber. Überschneidungen und Gegensätze zwischen den Parteien sollen so sichtbar werden – und auch manche Lücke. Den Anfang macht die Familienpolitik.

Mütter treten bei der Arbeit kürzer

Der Vater bringt das Kind zur Schule, während die Mutter schon längst im Meeting sitzt. Später holt sie es aus der Kita ab, wenn der Vater noch einen Geschäftstermin hat. Am nächsten Tag ist es umgekehrt. Die Mehrheit der Eltern möchte gerne berufliche und familiäre Aufgaben gleichberechtigt aufteilen, zeigen Erhebungen des Familienministeriums.

Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine Lücke. Denn nur 14 Prozent der Eltern gelingt dies. Noch immer ist die Aufgabenverteilung zwischen Familienarbeitszeit und Beruf ungleich aufgeteilt. So arbeiten Mütter häufiger in Teilzeit. Jede zweite Mutter tut das sogar noch, wenn ihr Kind schon über zwölf Jahre alt ist. Die Nachteile: Weniger Lohn, später weniger Rente, geringere Aufstiegschancen.

Frauen haben die Mehrarbeit

Mütter gehen auch länger in Elternzeit. Während Frauen tendenziell die Elternzeit in Anspruch nehmen, die sie sich wünschen, nehmen Väter entweder überhaupt keine Elternzeit – obwohl sie gerne möchten – oder deutlich kürzer als gewünscht. 83 Prozent der Väter nehmen eine Elternzeit von nur zwei Monaten. Gleichzeitig wünscht sich jeder dritte Vater, mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen zu können.

60 Prozent mehr Zeit als Männer bringen Frauen für Hausarbeit, Kinderbetreuung und Angehörigen-Pflege auf. Unbezahlt natürlich. Zu diesem Ergebnis kam jüngst eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI).

Doch wieso ist es so schwer, die Wünsche der Paare in die Realität umzusetzen? Die Gründe dafür sind vielschichtig. Sie reichen von betrieblichen und finanziellen Gründen über Karriereziele bis hin zu alten Traditionen, die nur sehr langsam aufgebrochen werden. 57 Prozent der Männer geben „Finanzen“ an, wenn sie nach den Gründen gegen eine Elternzeit befragt werden. Das liegt auch an der ungleichen Bezahlung; Männer werden selbst in vergleichbaren Jobs besser bezahlt.

Schwesig setzte Elterngeld durch

Die frühere Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte sich in der vergangenen Legislaturperiode die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Schwerpunktthema gesetzt. Sie hat einiges erreicht, wenn auch mit vielen Kompromissen. „Ich brenne für diese Themen“, sagte die 43-Jährige auf ihrer letzten Pressekonferenz im Juni, bevor sie das Amt an Katarina Barley abgab und den Job als Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern übernahm.

Das Elterngeld Plus zählt zu Schwesigs Erfolgen. Es ermöglicht Vätern und Müttern, Elterngeld...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung