Gleichstellungsbericht fordert mehr Teilhabe für Frauen bei Digitalisierung

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Familienministerin Christine Lambrecht

Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) hat dazu aufgerufen, Fortschritte bei der Digitalisierung für die Gleichstellung von Frauen und Männern zu nutzen. Zudem kritisierte sie die Doppelbelastung vieler Frauen in der Zeit des Corona-bedingten Homeoffice. Das Kabinett befasste sich am Mittwoch mit dem Gleichstellungsbericht der Regierung.

"Wir wollen die Gleichstellung von Frauen und Männern mit der Digitalisierung weiter voranbringen", erklärte dazu Lambrecht. Dies betreffe viele Lebensbereiche, "zum Beispiel die Erhöhung des Frauenanteils in Digitalberufen, das mobile Arbeiten als Chance für die Gleichstellung oder die Bekämpfung von Diskriminierung und Hasskriminalität im Netz."

"Wir begreifen die Digitalisierung als Chance, um unsere Gesellschaft gerechter und moderner zu gestalten", betonte die Ministerin. Dafür gebe der neue Gleichstellungsbericht "wertvolle Impulse".

Zum Homeoffice sagte Lambrecht der ARD, hier hätten Frauen "viel mehr die Verantwortung übernommen haben für Homeschooling, wenn die Kinder zu Hause waren". Es müsse aber auch in Pandemie-Zeiten eine faire Verteilung der Aufgaben geben. Homeoffice dürfe nicht so verstanden werden, "dass Frauen nebenbei noch etwas machen können".

Der Gleichstellungsbericht besteht aus einem Gutachten mit dem Schwerpunkt Digitalisierung und einer Stellungnahme der Bundesregierung. Das Gutachten enthält 101 Handlungsempfehlungen an die Politik in Bund, Ländern und Kommunen, aber auch an die Zivilgesellschaft.

Eine zentrale Forderung ist, dass der digitale Wandel von Frauen und Männern gleichermaßen gestaltet werden solle, um Erfahrungswelten beider Geschlechter in die digitalen Innovationen einfließen zu lassen. Bisher sind Frauen demnach mit 16 Prozent in der Digitalbranche unterrepräsentiert. Computergestützte oder lernende KI-Systeme, die zunehmend etwa bei Kreditvergaben oder der Personalauswahl eingesetzt werden, dürften keine Stereotype oder diskriminierenden Strukturen abbilden, verlangen die Expertinnen und Experten.

Zum Homeoffice heißt es, dieses sei "eine Chance für die Gleichstellung – wenn der Rahmen stimmt". Mobiles Arbeiten bringe zum einen mehr Flexibilität, "aber auch die Gefahr einer Doppelbelastung, besonders für Mütter". Erst wenn Männer den gleichen Anteil an familiärer Sorgearbeit übernehmen würden, könnten Frauen gleichermaßen die Chancen des Homeoffice nutzen.

Angeprangert wird in dem Gutachten zudem "geschlechtsbezogene digitale Gewalt". Diese nehme "viele Formen an und schränkt die Teilhabe und Verwirklichungschancen von Frauen, aber auch von Männern ein", hieß es.

Der Deutsche Frauenrat kritisierte, dass die Bundesregierung viele Empfehlungen des Gutachtens in ihrer Stellungnahme "nur rudimentär" aufgreife. Auch werde die Chance versäumt, mehr Aufmerksamkeit "auf die Auswirkungen der digitalen Transformation auf das Leben und die Teilhabechancen von Mädchen und Frauen und Menschen unterrepräsentierter Gruppen zu lenken", erklärte die Vorsitzende Mona Küppers.

Nach UN-Angaben hat die Corona-Krise weltweit Frauen unverhältnismäßig stark getroffen. Einer Anfang Juni veröffentlichten Studie der Internationalen Arbeitsagentur (ILO) zufolge verloren sie häufiger ihren Arbeitsplatz als Männer, kümmerten sich aber gleichzeitig häufiger um die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Menschen.

bk/pw

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