Familienministerin: Bei Gleichstellung 'noch viel zu tun'

dpa-AFX

BERLIN (dpa-AFX) - Bis zur völligen Gleichstellung von Frauen und Männern ist es aus Sicht von Familienministerin Katarina Barley (SPD) noch lange hin - es gebe aber Fortschritte. "Es gibt noch viel zu tun, das ist richtig", sagte Barley am Mittwoch im "ZDF"-Morgenmagazin. Später am Tag sollte der zweite Gleichstellungsbericht der Bundesregierung in einer Kabinettssitzung Thema sein.

Es gehe nicht um Verordnungen, sagte die Ministerin. "Die Menschen müssen entscheiden, wie sie leben wollen. Die Politik muss aber die Rahmenbedingungen dafür schaffen, damit jeder auch wirklich diese Entscheidung für sich treffen kann." Sie betonte, dass seit dem ersten Bericht im Jahr 2011 viel passiert sei: Elterngeld werde immer mehr auch von Männern bezogen, der Mindestlohn habe bei der Bezahlung von Frauen auch einiges bewirkt. Die Prozesse brauchten aber Zeit. "Gleichstellung ist ein Marathonlauf, das ist kein Sprint."

Dennoch stellt sie fest: "Frauen verdienen immer noch weniger als Männer, in den Berufen, die sie wählen." Dies betreffe vor allem soziale Berufe. "Ich habe das noch nie verstanden, warum jemand, dem ich mein Kind oder meinen pflegebedürftigen Angehörigen anvertraue, so viel weniger verdient als jemand, dem ich mein Auto oder meine Waschmaschine anvertraue", sagte Barley. Das sei nicht gerecht.

In einem im März veröffentlichten Sachverständigengutachten hieß es, dass Frauen täglich 52 Prozent mehr unbezahlte Arbeit leisteten als Männer - für Kinder, Haushalt, Pflege und Ehrenamt. Experten fordern, auch Männern zu ermöglichen, mehr sogenannte private Sorgearbeit zu verrichten.