Familienfehde: So schlimm artet der Machtkampf bei Aldi Nord aus

Wer hat beim Discounter Aldi Nord das Sagen? Mit dieser Frage befasst sich das Oberverwaltungsgericht in Schleswig. (Bild: ddp)

Gespannt wird im Krach um Aldi Nord das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgerichts erwartet: Es geht um Macht und wahnsinnig viel Geld.

Es ist unglaublich schwierig, Fotos oder Interviews von den Aldi-Brüdern Karl Hans und Theo Albrecht im Internet zu finden. Denn: Lange Zeit galt die Unternehmerfamilie als äußerst verschwiegen. Geschäft war Geschäft und Privates blieb privat. Bis 2012 – da entbrannte nämlich ein Riesenkrach unter der sonst so zurückgezogenen Familie. Und natürlich ging es dabei um Geld und Macht.

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Konkret treten die Familien der Söhne Theo junior und Berthold Albrecht im Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgericht gegeneinander an. Denn während die Theo-Fraktion die Lukasstiftung regiert, hat in der Jakobsstiftung die Berthold-Seite die Macht. Sie kontrollieren jeweils 19,5 Prozent des Aldi-Nord-Kapitals. Stolze 61 Prozent hingegen hält die Markusstiftung, in der Gründerwitwe Cäcilia Albrecht den Ton angibt. Vor Gericht möchte nun die Theo-Seite mehr Einfluss und Mitsprache bei strategischen Unternehmensentscheidungen sowie bei den Ausgaben der Stiftung erhalten.

Klingt alles wahnsinnig kompliziert und das ist es auch. Heruntergebrochen besteht das Hauptproblem darin, dass große Investitionen und wichtige Entscheidungen von den Stiftungen nur einstimmig freigegeben werden können. Das war bis zum Tod von Berthold Albrecht auch gar kein Problem, doch kurz zuvor beschränkte er die Macht der Familie im Stiftungsvorstand spürbar, was seine Witwe nicht hinnehmen wollte.

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Unter anderem geht es nun auch darum, ob der schwer kranke Berthold Albrecht zum Zeitpunkt seiner Entscheidung noch geschäftsfähig war – was in erster Instanz vom Verwaltungsgericht Schleswig angezweifelt wurde. Auch was den Lifestyle unter Milliardären betrifft, gibt es große Differenzen in der Aldi-Familie.

Während Theo Albrecht junior dem „Stern“ versicherte: „Der Name Albrecht verpflichtet zu einem bescheidenen Lebensstil”, sah das schon sein Bruder Berthold anders. Allein zwischen 2009 und 2011 soll er rund 100 Millionen Euro für Gemälde und Oldtimer ausgegeben haben.

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Der Kampf der Kontrahenten wird höchstwahrscheinlich auch nach dem Urteil – das noch in dieser Woche erwartet wird – weitergehen. Bleiben sie unversöhnlich, könnte einer der erfolgreichsten Familienkonzerne Deutschlands mit einem Nettogewinn von rund einer Milliarde Euro künftig schweren Schaden nehmen.

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