250 Millionen Euro für Porsche und Piëch – Eigentümerfamilien profitieren von VW-Rekorden

Der VW-Konzern macht Rekordgewinne. Davon profitieren auch die Eigentümerfamilien. Sie erhalten deutlich mehr Geld als im Vorjahr.


Die Familien Porsche und Piëch profitieren von der guten wirtschaftlichen Entwicklung im Volkswagen-Konzern. Für 2017 wird ihnen ein deutlich höherer dreistelliger Millionenbetrag überwiesen als im vorangegangenen Jahr.

Das wurde am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz der Porsche SE in Stuttgart bekannt. In der Holding haben die Familien ihre Anteile an der Volkswagen AG gebündelt. Sie halten 52 Prozent der Stimmrechte des Wolfsburger Autoherstellers.

Die Porsche SE überweist ihren Aktionären in diesem Jahr voraussichtlich 538 Millionen Euro, für das vorangegangene Geschäftsjahr waren es noch 308 Millionen Euro. Ungefähr die Hälfte dieser Ausschüttung geht unmittelbar an die Familien Porsche und Piëch, der Rest an die freien Aktionäre der Porsche SE. Die Anteile an der Stuttgarter Holding sind etwa zur Hälfte zwischen den Familien und der großen Gruppe freier Anteilseigner aufgeteilt.


Die Familienholding will den überwiegenden Teil des Geldes weiterreichen, das sie von der Volkswagen AG bekommt. Der VW-Konzern hatte für 2017 eine deutliche Anhebung der eigenen Dividende angekündigt. Demnach sollen gut 600 Millionen Euro von Wolfsburg nach Stuttgart überwiesen werden, vor einem Jahr war auch dieser Betrag nur etwa halb so hoch.

Trotz der anhaltenden Belastungen aus der Dieselaffäre hatte Volkswagen den eigenen Jahresüberschuss nach Steuern auf 11,6 Milliarden Euro gesteigert (2016: 5,4 Milliarden). Volkswagen ist die zentrale Beteiligung der Porsche SE. Bei der Stuttgarter Familienholding ist das Jahresergebnis deshalb ebenfalls deutlich nach oben gegangen: von 1,4 auf 3,3 Milliarden Euro.

„Der Volkswagen-Konzern ist in einer sehr guten Verfassung“, sagte Hans Dieter Pötsch, Vorstandsvorsitzender der Porsche SE und zugleich Aufsichtsratschef bei VW in Wolfsburg. Der Autohersteller stehe im operativen Geschäft so gut da wie nie zuvor – „auch wenn man die erneuten Sondereinflüsse für die Bewältigung der Dieselthematik berücksichtigt.“ Der VW-Konzern hatte 2017 noch einmal 3,2 Milliarden Euro wegen des Abgasskandals zurückgelegt, insgesamt sind es seit 2015 mehr als 25 Milliarden Euro.

Der VW-Konzern ist das wesentliche Investment der Porsche SE, der Autohersteller steht für 90 Prozent der Vermögenswerte der Holding. „Die Finanzkennzahlen der Porsche SE ebenso wie ihr Aktienkurs werden weiterhin maßgeblich von der Entwicklung des Volkswagen-Konzerns beeinflusst“, betonte Pötsch. Zugleich sucht die Familienholding nach weiteren Beteiligungen, vor allem im Verkehrs- und Automobilbereich.

Im vergangenen Jahr hatte die Porsche SE mit der Karlsruher PTV für rund 300 Millionen Euro zum ersten Mal ein komplettes Unternehmen gekauft. Die PTV ist eine Ausgründung der Karlsruher Universität und hat etwa 800 Beschäftigte. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von Computerprogrammen für Verkehrsplanung und -management spezialisiert.


Bei den laufenden juristischen Auseinandersetzungen sieht sich die Familienholding auf der sicheren Seite. Beim Oberlandesgericht Celle wird gegen die Porsche SE ein Verfahren nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) im Zusammenhang mit der gescheiterten Volkswagen-Übernahme verhandelt. An den Ausgangsverfahren sind 40 Kläger beteiligt, die Schadensersatz in Höhe von rund 5,4 Milliarden Euro geltend machen.

In einer ersten mündlichen Verhandlung vor dem Oberlandesgericht sei die Auffassung der Porsche SE in allen wesentlichen Punkten bestätigt worden, sagte Pötsch. Die Familienholding weist die Ansprüche der freien Aktionäre zurück.

Auch wegen des Dieselskandals ist die Porsche SE mit Anlegerklagen konfrontiert. Die Kläger werfen dem Unternehmen vor, dass die Holding nicht rechtzeitig über die Dieselprobleme bei Volkswagen informiert habe und verlangen insgesamt fast eine Milliarde Euro. Auch diese Klagen wertet die Porsche SE als „unbegründet und teilweise auch als unzulässig“. Die Familienholding sei klar und eindeutig von der Volkswagen AG abgetrennt. Die Porsche SE könne deshalb nicht dafür verantwortlich gemacht werden, was bei Volkswagen geschehe.


Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass führende VW-Manager bei der Porsche SE Spitzenpositionen einnehmen. Zusätzlich zu VW-Aufsichtsratschef Pötsch ist dort auch Matthias Müller als Vorstand tätig, in der Hauptfunktion Vorstandsvorsitzender bei Volkswagen. „Personengleichheit ist nicht Organgleichheit“, betonte Hans Dieter Pötsch. Volkswagen-Vorstände unterlägen bei der Porsche SE einer strikten Verschwiegenheitspflicht bei VW-Angelegenheiten. Manfred Döss, Chefjustitiar von Volkswagen, sitzt ebenfalls im Vorstand der Porsche SE.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen Hans Dieter Pötsch, Matthias Müller und den ehemaligen VW-Konzernchef Martin Winterkorn wegen ihrer Vorstandsfunktion bei der Porsche SE bereits wegen des Verdachts der Marktmanipulation. „Die Holding ist davon überzeugt, dass keines ihrer Organmitglieder gegen kapitalmarktrechtliche oder strafrechtliche Vorschriften verstoßen hat“, sagte Pötsch. Die Porsche SE argumentiert damit ähnlich wie die Volkswagen AG. Auch der Autokonzern weist den Vorwurf zurück, dass das Unternehmen zu spät über die Dieselaffäre informiert habe.