Familie von Aktivist Abdel Fattah reicht Gnadengesuch beim Präsidenten ein

Die Familie des inhaftierten britisch-ägyptischen Demokratieaktivisten Alaa Abdel Fattah hat nach eigenen Angaben einen Antrag auf Begnadigung durch den ägyptischen Präsidenten gestellt. "Anbei der Text des Gnadengesuchs, das ich heute eingereicht habe und das meine Bereitschaft bekräftigt, alle verfügbaren legalen Methoden zu nutzen, um eine Lösung (...) zu finden", schrieb seine Schwester Mona Seif am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Abdel Fattah ist seit sieben Monaten im Hungerstreik und schwebt in Lebensgefahr. Seit Sonntag, dem Beginn der Weltklimakonferenz COP27 im ägyptischen Sharm el-Scheich, trinkt er nichts mehr. Die Behörden lassen weder seine Familie noch seinen Anwalt zu ihm. Am Donnerstag hatte die Staatsanwaltschaft erklärt, Fattah sei "bei guter Gesundheit" und werde "medizinisch behandelt". Seine Unterstützer vermuten, dass Fattah zwangsernährt wird.

Angesichts der Weltklimakonferenz in Ägypten erfährt der Fall Abdel Fattah große Aufmerksamkeit. US-Präsident Joe Biden erörterte am Freitag bei einem Treffen mit seinem ägyptischen Amtskollegen Abdel Fattah al-Sisi das Thema Menschenrechte. Das Weiße Haus äußerte sich vor Bidens Abreise nach Ägypten zutiefst besorgt" über Abdel Fattahs Gesundheitszustand.

Abdel Fattah war eine wichtige Figur des Arabischen Frühlings 2011 in Ägypten – der Revolution, die zum Sturz des langjährigen Autokraten Hosni Mubarak führte. Der Aktivist und Blogger wurde 2021 zu fünf Jahren Haft verurteilt. Inhaftiert ist er bereits seit 2019. Abdel Fattah soll "Falschinformationen" verbreitet haben – ein gängiger Vorwurf gegen Dissidenten. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen gibt es in Ägypten etwa 60.000 politische Gefangene, die unter brutalen Bedingungen und in überfüllten Zellen festgehalten werden.

kbh/ck