Faltenröckchen auf der Jagd nach dem perfekten Schnappschuss

Nein, die junge Dame auf dem Bild ist nicht Faltenröckchen. (Symbolbild: Getty Images)

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Jetzt sitze ich schon seit einer Weile auf dieser Parkbank und beobachte “Faltenröckchen”, wie sie vor dem Handy ihrer Freundin hin- und herhüpft. “Faltenröcken” hat mittellange braune Haare und ist maximal Anfang 20. Den Spitznamen habe ich ihr gegeben, weil sie nun schon eine Weile versucht, ihren rosafarbenen Faltenrock schwungvoll vor der Kamera ihrer Freundin in Szene zu setzen. Da sich das Schauspiel seit gut 15 Minuten vor mir abspielt, scheint das ein wahrlich schwieriges Unterfangen zu sein. Was man nicht alles macht für einen perfekten Schnappschuss auf Instagram.

Wie ist es eigentlich soweit gekommen?

Ursprünglich sollte Instagram doch einfach nur ein weiteres soziales Netzwerk sein, das sich von Facebook durch den Fokus auf Bilder unterscheidet. Von den anfänglichen Alltagsbildern und lustigen Schnappschüssen, mit denen man seine Freunde auf dem Laufenden hielt oder an schönen Momenten teilhaben lies, sind aber nicht mehr viele übrig. Mittlerweile hat man das Gefühl, dass Instagram-Bilder nur noch Hochglanzbilder sein dürfen. Selbst das beste Foto wird noch mit einem Filter versehen, um die Realität, die man eigentlich mal abbilden wollte, zu optimieren. Aber nicht nur Fashionistas und Influencer, die mit qualitativ hochwertigen Bildern von Klamotten, Restaurants, Hotels oder diversen Produkten immerhin ihr Geld verdienen, posten “perfekte” Fotos auf Instagram. Nein, auch User mit deutlich weniger Followern verbringen Ewigkeiten damit, den perfekten Schnappschuss für Instagram zu erstellen.

Menschen, die erst minutenlang ihr – erkaltendes – Essen fotografieren, um es auch ja perfekt in Szene zu setzen, trifft man mittlerweile in jedem Restaurant. Das Ganze geht soweit, dass sich Restaurants inzwischen auf die Food-Fotografen Instagrams einstellen. Das Londoner Restaurant Dirty Bones wirbt zum Beispiel mit kostenlosen Insta-Kits. Darin enthalten: Ein Mini-Stativ, ein Aufladegerät sowie ein LED-Licht und eine Weitwinkellinse für die Handykamera.

Wenn das Aussehen wichtiger ist als der Geschmack. (Bild: Getty Images)

Andere Restaurants bieten zwar keine Kits an, optimieren aber Speisekarten und werten die Gerichte optisch auf. Hauptsache, die Leute fotografieren das Essen und teilen die Fotos anschließend inklusive Orts- beziehungsweise Restaurantangabe. Denn geht ein Schnappschuss viral, kann das lukrative Folgen haben. Bestes Beispiel: Der Cronut, ein Food-Mix aus Croissant und Donut, die schmeckt und auf Bildern total appetitlich aussieht. Der Food-Trend ging – nicht zuletzt dank Instagram – um die Welt und schon bildeten sich riesige Schlangen vor der New Yorker Bäckerei des Erfinders Dominique Ansel.

Aber auch abseits der Gastronomie lässt sich mit Instagram-Angeboten Geld verdienen. Das Luxus-Resort Conrad auf den Malediven bietet seinen Gästen neben dem #Instatrail, einer Route mit besonders fotogenen Motiven, auch einen Instagram-Butler an. Der schießt die schönsten Urlaubsfotos für die Gäste oder zeigt ihnen, wie und an welchen Orten man die besten Fotos macht. Das Ziel? Kostenlose Werbung für das Hotel in Form der wunderschönen Bilder, die die Gäste posten. Im Optimalfall sind die Gäste Influencer mit einer großen Reichweite. Kommen die Influencer nicht von allein, vereinbart man eben eine Kooperation mit ihnen, die beispielsweise so aussieht:

Ob “Faltenröckchen” eine Influencerin mit zahlreichen Instagram-Followern ist oder es noch werden will, weiß ich nicht. Zumindest ist sie nach wie vor sehr bemüht, den perfekten Schnappschuss zu kreieren: Sie steht nun ein paar Meter weiter, auf einem Kiesweg vor einer Gruppe von Tauben und gibt ihrer Freundin Anweisungen. Diese nimmt daraufhin eine Handvoll Kies und wirft die Steinchen in Richtung der Vögel. Gleichzeitig versucht sie mit der anderen Hand ein Bild vom springenden “Faltenröckchen” vor den nun aufflatternden Tauben zu machen. Auf die Idee, mit Kies nach Tauben zu werfen, um einen “schöneren” Hintergrund zu bekommen, muss man erst mal kommen. Und nein, das ist kein Kompliment.