Falschmeldungen und rassistische Hetze: Diese absurden Gerüchte verbreiten Rechte im Netz

Immer wieder machen Falschmeldungen im Internet die Runde. (Bild: Getty Images)

Eine Muslima fährt im Mercedes zur Tafel, im deutschen Fernsehen wird die Islamisierung propagiert, Weiße werden verprügelt und Muslime bekommen eine Gratis-Kur von der Krankenkasse: Geschichten, die das Internet schreibt, verbreiten sich oft wie ein Lauffeuer. Wahr sind sie deshalb aber noch lange nicht. Um gegen Ausländer zu hetzen, werden im Netz immer wieder Gerüchte verbreitet, die mit der Realität nichts zu tun haben.

Die Mär von der muslimischen Frau, die im Mercedes bei der Tafel in Landau vorfährt, um kostenlos Lebensmittel abzustauben, verbreitete sich kürzlich so rasant, dass dadurch eine regelrechte Hetzkampagne entstand. Ausgelöst wurde das Ganze von einem Facebook-User, der dieses Bild mit der Caption „Heute vor der Landauer Tafel. Läuft!“ teilte:

Das Bild wurde über 32.000 Mal geteilt. Darunter finden sich Hasskommentare, die vor Rassismus und Sozialneid nur so strotzen. Erst die Mitteilung der Landauer Tafel sorgte für Klarheit: „Mit dem abgebildeten Auto wird eine (deutsche) Rentnerin abgeholt, die den Weg zur Tafel nicht mehr allein zurücklegen kann. Hilfsbereite Nachbarn fahren sie dann mit ihren Autos zur Ausgabestelle. Dazu gehört auch diese muslimische Familie, die von uns selbst keine Lebensmittel bezieht.”

Doch zu diesem Zeitpunkt war es schon viel zu spät. Das Gerücht hatte sich längst verbreitet – und es ist kein Einzelfall. Auch über diese Gerüchte wurde sich in der Vergangenheit ausgiebig aber völlig unnötig empört:

Fake: Die Lindenstraße treibt die Islamisierung voran

Ein Ausschnitt aus der Lindenstraße fand vor gut zwei Monaten seinen Weg auf die Facebook-Seite der konservativen rechten „News“-Plattform „The Red Elephants“.
Der Ausschnitt, in dem die Protagonistin Lisa ihrem Sohn offensichtlich wirres Zeug zum Islam erzählt, wurde von rechten Hetzseiten kontextlos bei Youtube hochgeladen und schließlich auch von einer rechten amerikanischen Seite übernommen:

 

Die Betreiber der Seite schreiben dazu. „Das sind also die Seifenopern, die es in Deutschland zu sehen gibt …“

Der Hintergrund: Der Ausschnitt ist Teil der 1084. Folge aus dem Jahr 2006. In der Folge mit dem Titel „Islam“ geht es darum, dass die Figur Lisa zum Islam konvertieren will. Sie will in der Serie nur zum Islam konvertieren, weil ihr Gatte in spe, Murat, sie zuvor gefragt hatte, was sie denn in einer Moschee wolle, sie sei schließlich nicht einmal Muslima. Lisa verbeißt sich in eine fanatische Vorstellung des Islam und lädt sich schließlich ein islamisches Glaubensbekenntnis aus dem Internet herunter, das sie dann ihrem Sohn vorliest. Lisas Handeln wird in der Serie als völlig absurd dargestellt. Aus diesem Kontext gerissen, dient es aber wunderbar einer rechten Propaganda.

Fake: Österreichische Krankenkassen finanzieren bei Kuraufenthalten von Musliminnen auch den Aufenthalt ihres Gatten, weil Musliminnen nicht ohne Begleitung ihres Gatten zur Kur dürften.

Diese Geschichte wurde vor gut einem Jahr auf Facebook und WhatsApp verbreitet und anschließend von der Seite „mimikama.at“ als Falschmeldung entpuppt. Da sich dieses Gerücht in den Sozialen Netzwerken hielt, bezog die OÖGKK daraufhin auf ihrer Facebook-Seite Stellung: Die Geschichte sei frei erfunden. Wer ähnliche Gerüchte höre, dürfe sich jederzeit gerne bei der Service-Telefonnummer melden.

Fake: Weiße werden in den USA bei den Kinovorstellungen des Films „Black Panther“ von Schwarzen brutal angegriffen.

Angeblich soll eine Frau im Kinosaal bei “Black Panther” attackiert worden sein, weil sie weiß ist. Aber auch das stellte sich als Fake heraus. (Bild: Rex Features)

Diese Vorwürfe wurden von einigen Usern auf Twitter erhoben. Dabei wurde besonders ein Bild mehrfach geteilt. Es zeigt eine blutüberströmte, blonde Frau. Angeblich hätte man sie mit einer Flasche angegriffen.

Der Hintergrund: Wie sich später herausstellte, hatte das Foto nichts mit den Vorwürfen zu tun. Bei der Frau auf dem Foto handelt es sich um eine Schwedin, die in einem völlig anderen Kontext in einem Nachtclub angegriffen wurde. Das Foto wurde lediglich „neu aufgelegt“ und für die Falschmeldung verwendet.

Fake: 37 Busse mit „Schwarzafrikanern“ am Grenzübergang Brenner

Die Meldung wurde letztes Jahr von einem Österreicher auf Facebook veröffentlicht. Beweise gab es dafür nicht, doch der Text wurde mehrfach kopiert und weitergeteilt.

Tatsächlich war diese Behauptung frei erfunden. Die Funke Mediengruppe sprach mit Mitarbeitern einer OMV-Tankstelle am Grenzübergang, die die Gerüchte nicht bestätigen konnten. Auch Politiker und Bürger aus der Region bezeichneten die Geschichte als ausgedacht. Schließlich schritt das österreichische Innenministerium ein und dementierte die Geschichte auf Twitter:


Fake: Flüchtlinge plündern Weihnachtsbaum in Einkaufszentrum

Im November 2016 wurde eine Video in den sozialen Medien geteilt, das zeigen soll, wie Muslime in einem Einkaufszentrum auf einen Weihnachtsbaum klettern und die Kugeln klauen. Den selbst ernannten Rettern der christlichen Traditionen war natürlich stark daran gelegen, zu zeigen, wie Muslime den Weihnachtsfrieden zerstören. Den Posts zufolge stammte das Video mal aus dem „Weserpark“ in Bremen, ein anderes mal aus Hamburg oder auch aus der „Altmarkt-Galerie“ in Dresden.

Hintergrund: Das Video wurde bereits im Januar 2016 ins Netz gestellt und zeigt einen Weihnachtsbaum in der „Mall of Arabia“ in Kairo. In Ägypten wird Weihnachten erst Anfang Januar gefeiert – im Rahmen des koptischen Christfestes. Dabei ist es Brauch, wie auch in Schweden, die Weihnachtsbäume zu plündern, in denen sich kleine Geschenke befinden. Die Besucher waren also ganz offiziell dazu eingeladen, diese zu finden.