"Es ist falsch, über Unsinn zu berichten": Dirk Steffens kritisiert Umgang mit "Verblendeten"

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"Die Wahrheit liegt verdammt noch mal nicht in der Mitte": Dirk Steffens findet deutliche Worte für den medialen Umgang mit Klimawandel- und Coronaleugnern. (Bild: ZDF / Jana Kay)
"Die Wahrheit liegt verdammt noch mal nicht in der Mitte": Dirk Steffens findet deutliche Worte für den medialen Umgang mit Klimawandel- und Coronaleugnern. (Bild: ZDF / Jana Kay)

"Ein journalistisches Grundversagen": Dirk Steffens hat den Umgang der Medien mit Corona- und Klimaleugnern scharf kritisiert. Die Wahrheit liege "verdammt noch mal nicht in der Mitte", so der "Terra X"-Journalist in einem Interview.

Wie sollten TV-Talkshows und sonstige Medien mit Menschen umgehen, die den Klimawandel oder das Coronavirus leugnen? Seit einiger Zeit wird über Fragen wie diese bisweilen heftig diskutiert. ZDF-Journalist Dirk Steffens äußerte sich dazu nun in einem Interview klar und deutlich: "Es ist falsch, über Unsinn zu berichten und Verblendeten das Wort zu erteilen", so der "Terra X"-Moderator im Gespräch mit der Nachrichtenagentur teleschau. "Wir haben das journalistisch die ganze Zeit gemacht und damit riesigen Schaden angerichtet. Es ist ein journalistisches Grundversagen." Wende man das Prinzip des politischen Journalismus, also "mit allen Seiten zu sprechen", auf den Wissenschaftsjournalismus an, werde es "katastrophal falsch".

Steffens macht seinen Punkt an einem Beispiel deutlich: "Angenommen, eine Astrophysikerin sagt in einer Talkshow, die Erde sei eine Kugel. Dann sitzt da noch einer, der behauptet, die Erde sei eine Scheibe. Die Wahrheit liegt verdammt noch mal nicht in der Mitte. Wenn von zwei Aussagen eine völliger Unsinn ist, darf der Journalismus den Unsinn nicht genauso zu Wort kommen lassen wie die Wahrheit." Dies sei "unverantwortlicher Quatsch". Man müsse schauen, wo die größte wissenschaftliche Plausibilität herrsche: "Da muss Journalismus ansetzen - und von da darf er nicht weggehen", so Steffens.

Dirk Steffens zeigt den Zuschauern in "Terra X" wieder, wie schön die Welt ist - und wie bedroht. (Bild: ZDF/Hein von Zijl)
Dirk Steffens zeigt den Zuschauern in "Terra X" wieder, wie schön die Welt ist - und wie bedroht. (Bild: ZDF/Hein von Zijl)

"Wieder den gleichen Quatsch gemacht"

Das Problem habe sich auch beim Thema des Klimawandels gezeigt: "Wir haben zur Klimakrise so lange die andere Seite eingeladen, irgendwelche abgedrehten Klimawandelskeptiker, die den Eindruck erwecken wollten, auch sie hätten eine wissenschaftliche Grundlage." Dabei gebe es "zehntausende Studien, die den menschengemachten Klimawandel nachweisen, und vielleicht eine Handvoll, die das nicht tun", erläuterte der Wissenschaftsjournalist: "Diese wenigen sind so irrelevant, dass ich dazu niemanden einlade oder befrage." Bei der Coronakrise hätte man "wieder den gleichen Quatsch gemacht". Auch da hätten in den Talkshows Leute gesessen, "die wissenschaftliche Evidenz nicht anerkannt haben. Immer mit dem Argument, man müsse ja auch die andere Seite hören". Steffens erklärte, er werde "nicht müde, zu sagen: Wenn die andere Seite vollständiger Quatsch ist, dann dürfen wir unsere Zeit nicht damit verschwenden, ihnen zuzuhören".

Im Interview mit der teleschau kam Steffens auch auf die Menschen zu sprechen, die ihm in Sachen Umweltschutz Aktivismus unterstellen. Dies sei ein "intellektuell nicht haltbares Argument", so der 53-Jährige. Anhand einer Analogie verdeutlichte er seine Aussage: "Dies wäre, als würde man eine Politik-Korrespondentin, die aus einem diktatorisch regierten Land berichtet und in einem Kommentar den Wert der Demokratie und der Menschenrechte hervorhebt, als 'politische Aktivistin' bezeichnen. Das würde ja niemand tun - nur weil sie sich für universelle Freiheiten und Grundrechte ausspräche. Diese Werte stehen nicht zur Diskussion."

Würden Grundwerte verletzt, müsse man als Journalist darüber berichten - und dürfe dabei "nicht nachlassen", so Steffens. Das gelte "für das Wahlrecht, die Pressefreiheit, die Gleichberechtigung - aber eben auch für die Umwelt. Ich würde sogar sagen: für die Umwelt noch viel mehr". Wie Umwelt und Natur weltweit miteinander verknüpft und voneinander abhängig sind, zeigt Dirk Steffens in drei neuen Ausgaben "Terra X: Faszination Erde" (Sonntag, 14,, 21. und 28. November, jeweils 19.30 Uhr, ZDF).

Für seine neuen "Terra X"-Folgen reiste Dirk Steffens unter anderem in die Wüste Namibias.  (Bild: ZDF/Hein von Zijl)
Für seine neuen "Terra X"-Folgen reiste Dirk Steffens unter anderem in die Wüste Namibias. (Bild: ZDF/Hein von Zijl)
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