Fall Rode: Watzke droht BVB-Maulwürfen

Marcel Bohnensteffen
Hans-Joachim Watzke fährt einen harten Kurs gegen Kabinen-Maulwürfe beim BVB

Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat die Sanktionen gegen Sebastian Rode verteidigt - und Widerstand gegen BVB-Profis angekündigt, die Kabinen-Interna an die Öffentlichkeit geben. 

"Wenn es nicht mehr gewährleistet ist, dass Worte aus der Kabine intern bleiben, dann hast du Anarchie", sagte Watzke im Interview mit dem Blog schwatzgelb.de.

Die Kabine erachtet der Klubboss als geschützten Ort. "Du musst, auch als privilegierter Millionär, einen Rückzugsort haben, an dem du das Gefühl hast, dass du dich in einem geschützten Bereich befindest", sagte er. "Und jeder muss sich sicher sein können, dass das nicht ausgeschlachtet wird."

Watzke nimmt es Rode übel: "Die Intimsphäre verletzt"

Vor diesem Hintergrund hat Rode nach Ansicht der Vereinsführung gegen interne Regeln verstoßen.

Der verletzte Mittelfeldspieler hatte kürzlich in einer TV-Sendung ausgeplaudert, dass Peter Stöger nicht über den Sommer hinaus Trainer beim BVB bleibe. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Bosse das noch gar nicht verkündet.

Watzke und auch Zorc hatten seinerzeit verärgert auf die Äußerungen reagiert und den Spieler zum Rapport bestellt. Rode wurde mit einer Geldstrafe belegt.

"Der Begriff Meinungsfreiheit wird bei Borussia Dortmund sehr hochgehalten", sagte Watzke. An die Adresse von Rode gerichtet stellte er aber auch fest: "Die Meinungsfreiheit ist aber immer dann verwirkt, wenn du die Intimsphäre verletzt. Als Sebastian von dem, was in der Kabine vorgeht, sprach, war das genau der Teil, den ich ihm verübelt habe."

Eine Ansage, von der sich jeder BVB-Profi angesprochen fühlen sollte: "Unsere Spieler haben als Gruppe Regeln, die sie kennen und denen sich jeder Spieler normalerweise auch im Sinne der Gemeinschaft verpflichtet fühlt."

Bei 50+1: Watzke warnt vor zweitem Fall Bosman

Der Fall Rode sollte möglichen Maulwürfen beim BVB als Abschreckung dienen. Watzke ist jedenfalls nicht gewillt, von diesem strengen Kurs abzuweichen - Meinungsfreiheit hin oder her.

"Da hat ein klarer Verstoß gegen die Regeln vorgelegen, der zu sanktionieren war. Um nichts anderes ging es", sagte er.

Im selben Interview mit schwatzgelb.de bezog Watzke auch wiederholt Stellung gegen eine Abkehr von der 50+1-Regel.

Er warnte vor einem Ausmaß wie im Fall Bosman, sollte die Regel auf juristischem Wege abgeschafft werden. "Der ist als Held der Unterdrückten gefeiert worden, hat aber dem Fußball so nachhaltig geschadet, wie es kein Funktionär je geschafft hat", sagte Watzke. 

Ex-Profi Bosman hatte seinerzeit gerichtlich erwirkt, dass Spieler, deren Vertrag ausläuft, ablösefrei wechseln dürfen. Sollte 50+1 fallen, fürchtet Watzke ähnliche Konsequenzen. 

"Traditionsvereine sind ein Stück deutsches Kulturgut, und das sollte man nicht verscherbeln", sagte er. "Was diese Position angeht, halten mich viele für antiquiert, aber das ist mir egal."