Fahrerproteste gehen weiter – warum es für Gorillas heikel wird

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Keiner da zum Ausliefern: Erneut streiken bei Gorillas die Fahrerinnen und Fahrer
Keiner da zum Ausliefern: Erneut streiken bei Gorillas die Fahrerinnen und Fahrer

Die Streiks bei Gorillas gehen weiter: Diesmal geht es um die Regenausrüstung, die den Fahrerinnen und Fahrern gestellt wird. Am gestrigen Mittwoch legten die Angestellten von zwei Warehouses in Berlin ihre Arbeit nieder, zunächst in Pankow, später dann in Kreuzberg. Sie beklagten, nicht ausreichend gegen den starken Regen geschützt worden zu sein. Das Fahrerkollektiv Gorillas Workers Collective rief unter anderem auf Twitter dazu auf, die Streiks zu unterstützen. Die Proteste dauerten mehrere Stunden an, der Service des 10-Minuten-Lieferdienstes musste zwischendurch eingestellt werden. Auch am heutigen Donnerstagvormittag wurde der Betrieb in einem Berliner Warenlager eingestellt, weil es erneut stark regnete.

Ein Sprecher von Gorillas widersprach den Vorwürfen der Streikenden. Gegenüber Gründerszene gab er an, dass alle Fahrerinnen und Fahrer mit einer „vollständigen Regenuniform“ ausgestattet würden: mit einem Regencape und einer Regenhose, sowie mit Regenfüßlingen. Er räumte zwar ein, dass diese Ausstattung bei starkem Regen „nicht vollständig vor dem Nasswerden schützt“. Dies rechtfertige für das Unternehmen jedoch nicht die aktuellen Proteste, so der Sprecher: „Diesen Umstand jedoch als Anlass für einen spontanen Streik ohne Rechtsgrundlage zu nehmen und zu weiteren Streiks in anderen Warehouses aufzurufen, können wir nicht nachvollziehen.“

Keine rechtlichen Schritte gegen Streiks geplant

Sogenannte „wilde“, also unangemeldete Streiks wie die der Gorillas-Fahrerinnen und Fahrer, sind in Deutschland rechtswidrig. Das Unternehmen hätte also theoretisch auch schon bei früheren Protesten die Möglichkeit gehabt, die Blockaden von der Polizei räumen zu lassen. Auch arbeitsrechtliche Schritte wären möglich gewesen, nach deutschem Recht hätte Gorillas allen Teilnehmenden fristlos kündigen und sogar Schadensersatz verlangen können. Solche Maßnahmen hat die Firma bislang vermieden. Auch diesmal wolle man keine Schritte gegen die Streiks oder gegen einzelne Initiatoren unternehmen, so der Sprecher.

Bilder, auf denen Polizisten streikende Kuriere wegtragen, wären ein verheerendes Zeichen von einer Firma, die sich gern als ein „Rider’s Business“ präsentiert. Dies hat Gründer Kagan Sümer in der Vergangenheit immer wieder betont und auch der neue Deutschlandchef Alexander Brunst wiederholte dies zuletzt im Gespräch mit Gründerszene.

Das Unternehmen will stattdessen den Dialog suchen, bislang jedoch mit eher bescheidenem Erfolg. Die Fahrradtour, die der CEO Sümer kürzlich selbst in einem Firmenmeeting ankündigte, um so mit den Gorillas-Angestellten und anderen Interessierten ins Gespräch zu kommen, wirkte wie ein ungeplanter Schnellschuss.

Investoren beobachten Proteste genau

Ob es Gorillas tatsächlich gelingt, den Konflikt mit seinen Kurieren so konstruktiv zu gestalten, wie es sich das Management erhofft – und ohne dabei nachhaltig Schaden zu nehmen – wird von viel Fingerspitzengefühl abhängen. Denn das Startup ist gleich an mehreren Stellen in einer schwierigen Position: nicht nur gegenüber seinen Fahrern, sondern auch bei der öffentlichen Meinung und sogar gegenüber den eigenen Investoren.

Irgendwann wird das Unternehmen den regelmäßigen Streiks ein Ende setzen wollen. Über das Workers Collective haben sich die Fahrerinnen und Fahrern eine mächtige Stimme gegeben, die bislang allerdings noch keine rechtliche Grundlage wie etwa ein Betriebsrat besitzt. Je schneller das Management deeskalieren kann, desto besser für die Firma. Denn das Bild, das von Gorillas in den Köpfen bleibt, ist derzeit kein gutes.

Erste Kundinnen und Kunden solidarisieren sich bereits in den sozialen Netzwerken mit den Protestierenden und kündigten an, die App löschen zu wollen, wenn sich nichts an den Arbeitsbedingungen ändere. Auch das Image von Gorillas als Arbeitgeber steht auf dem Spiel. Um weiter in dem Tempo wachsen zu können, muss die Berliner Firma genügend Personal für ihre Lieferungen rekrutieren. Deutschlandchef Brunst sagte zuletzt im Gespräch mit Gründerszene zwar, dass die Proteste bislang keine Auswirkungen auf den Rekrutierungsprozess gehabt hätten.

Und zuletzt sind da auch noch die Investoren des Lieferdienstes, die die Geschehnisse aufmerksam beobachten. Gerüchten zufolge arbeitet das Unternehmen bereits seit längerem an einer Mega-Fundingrunde, die Gorillas aber nach wie vor nicht bekannt gegeben hat. Medienberichten zufolge soll es jedoch Schwierigkeiten haben, die Finanzierung zur anvisierten Bewertung von umgerechnet fünf Milliarden Euro (sechs Milliarden Dollar) abzuschließen. Den Geldgebern keinen Grund zum Zweifeln zu geben, das ist momentan wichtiger denn je für das Startup – insbesondere angesichts der gut finanzierten Konkurrenz, die in den Markt drängt.

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