Was hinter Facebooks Video-Offensive steckt

Facebook macht ernst: Rund drei Millionen Dollar soll das soziale Netzwerk für eine exklusive Serienfolge zahlen wollen. Die neue Lust an Bewegtbildern hat nicht nur Mark Zuckerberg gepackt. Was dahinter steckt.


Netflix hat „House of Cards“, Amazon „Fear the Walking Dead“ oder „The Man in the High Castle“: Die Streaminganbieter locken Nutzer mit exklusiven Serien auf ihre Plattform und damit in ihre Abo-Modelle. Schon sehr bald könnte sich ein weiterer Anbieter unter die Videoplattformen gesellen: das soziale Netzwerk Facebook.

Gemunkelt wurde es schon länger, nun scheint es offiziell, auch wenn Facebook noch nichts kommentiert: Laut „Wall Street Journal“ befindet sich das weltgrößte soziale Netzwerk derzeit in Gesprächen mit Filmproduzenten, um exklusive Inhalte für die Plattform zu entwickeln. Bis zu drei Millionen Dollar pro Folge könnte Mark Zuckerberg dafür auf den Tisch legen, so der Bericht. Und die Strategie geht noch weiter: Nicht nur auf die Netflixs dieser Welt hat es der Facebook-Chef abgesehen, auch andere Plattformen wie Youtube und Snapchat könnte das Netzwerk damit empfindlich treffen. Doch Facebook ist nicht die einzige Plattform, die an einer Videooffensive bastelt.


Gemunkelt wurde spätestens seit Januar, als eine Facebook-Personalie bekannt wurde: Mit Mina Lefevre holte das Netzwerk die bisherige Vizepräsidentin beim Musiksender MTV und Chefin der Scripted-Sparte. Laut Medienberichten soll sie dabei direkt mit Facebooks globalen Kreativstrategen Ricky Van Veen zusammen arbeiten. Der hat auch bereits Videoerfahrung: Van Veen gehört zu den Gründern des Portals „CollegeHumor.com“, das hochwertige Satire- und Comedyinhalte produziert.

Aus dem Munkeln wird Gewissheit – zumindest berichtet das „Wall Street Journal“ nun detailliert von dem Deal, den Facebook mit Agenturen und Filmproduzenten schließen will: Dabei wolle man bis zu drei Millionen Dollar pro Serien-Folge ausgeben - das liege in der Liga sehr hochwertiger TV-Produktionen, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Etwa solchen die auch Netflix oder Amazon produzieren. Facebook wolle keine politischen Dramen, Nachrichtensendungen oder Serien mit Nacktheit und schmutziger Sprache, heißt es in dem Bericht. So wie auch sonst, würde Facebook damit auf möglichst kantenlose Inhalte setzen, um ja nicht einen neuen Debattengrund zu schaffen. Interessant für Produzenten: Anders als Netflix oder Amazon wolle Facebook mit den Studios Zuschauer-Daten teilen, so der Bericht.


Mehr als Entertainment


Hinter der Bewegtbildoffensive steckt nicht nur die bloße Liebe zum Entertainment: Facebook will damit auch die Nutzer länger auf der Plattform halten. Eine höhere Verweildauer verspricht mehr Daten, mehr potenzielle Erreichbarkeit für Werbung und damit mehr Geld. Denn das Video ist ein Markt der Zukunft: Laut Digital Market Outlook der Datenbank Statista beträgt der Umsatz im Segment Videowerbung 2017 etwa 23 Milliarden Dollar. Im Jahr 2021 prognostiziert Statista ein Marktvolumen von rund 41 Milliarden Dollar, was einem jährlichen Umsatz von über 15 Prozent entspräche. Facebook weiß schon längst um das Potenzial – bereits Anfang des Jahres bezeichnete Zuckerberg Video als einen Megatrend. Man wolle dafür sorgen, dass Menschen das soziale Netzwerk als Ort für interessante und relevante Videos begreifen.


Und nicht nur Facebook versucht sich als Kino: Auch Apple experimentiert derzeit mit exklusiven Inhalten wie der Sendung „Planet of the Apps“ - holte sich jüngst aber auch zwei Top-Manager des TV-Studios von Sony. Dabei dürfte es Apple vor allem um den weiteren Ausbau seines Bezahl-Services Apple Music gehen und um die Steigerung der Attraktivität der Plattform.


Ähnliches verfolgt auch die Bilder- und Videoschnipselplattform Snapchat: Die gab unlängst einen Deal mit dem Filmriesen Time Warner bekannt. Der Produzent soll in den kommenden zwei Jahren exklusive Shows liefern. Darunter Drama- und, Comedyshows. Wie verschiedene Medien berichten soll dieser Deal 100 Millionen Dollar schwer sein. Facebook scheint Erzrivalen Snapchat jedoch einen Schritt voraus: Wie das „Wall Street Journal“ weiter berichtet, sei der Start des Programms bereits für Ende des Sommers geplant.

Und Facebook würde mit seiner Offensive nicht nur Netflix und Amazon attackieren: Wie das „Wall Street Journal“ weiter berichtet, plant das Netzwerk nicht nur hochwertige Inhalte, sondern auch niedrig budgetierte, kürzere Videos. Damit setzt Facebook auch Anbietern wie Youtube zu und will sich als All-in-inclusive Plattform positionieren.

KONTEXT

Welche Facebook-Dienste die Deutschen nutzen

Mehr als "Gefällt mir"

Facebook ist nicht nur eine Internetseite oder eine App. Das soziale Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren kräftig erweitert. Die bekanntesten Teile sind der Facebook Messenger, Instagram und Whatsapp. Das Statistik-Portal Statista hat die Deutschen gefragt, welche Dienste und Produkte sie mindestens gelegentlich nutzen.

Facebook allgemein

72 Prozent nutzen das Social Media Portal. Dabei ist der Unterschied zwischen Männern (73 Prozent) und Frauen (71 Prozent) gering.

Facebook Messenger

Den Facebook-Nachrichtendienst nutzen 43 Prozent der Befragten - Männer wie Frauen.

Instagram

Den Online-Dienst Instagram zum Teilen von Fotos und Videos nutzen 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen.

Whatsapp

Den Instant-Messaging-Dienst, der seit dem Jahr 2014 zu Facebook gehört, wird 70 Prozent der Befragten genutzt. Mit 71 Prozent männlichen und 70 Prozent weiblichen Nutzern sind die Unterschiede bei den Geschlechtern gering.