Facebooks Misere ist „mehr als ein eintägiger Ausverkauf“, sagt NYU Professor

Der historische Aktienverkauf von Facebook nach dem Gewinnverlust am Mittwoch ist laut Scott Galloway, Professor für Marketing an der NYU Stern School of Business und Autor des Buches „The Four: The Hidden DNA of Amazon, Apple, Facebook, and Google“ mehr als nur ein Impuls.

Er ist ein Indikator für Frustrationen und das Management kocht angesichts monatelanger Skandale und ungeschickter Kurskorrekturen beim sozialen Netzwerk über, sagt er.

Seit Facebook am Mittwochnachmittag die Zahlen des zweiten Quartals präsentierte und damit die Prognosen verfehlte, ist die Aktie des sozialen Netzwerks um über 19 % eingebrochen und es hat über 100 Milliarden Dollar (85,88 Mrd. €) seines Börsenwertes verloren.

File Foto: Facebook-Gründer und CEO Mark Zuckerberg reagiert, als er am 24. Mai 2018 auf dem Viva Tech Start-up- und Technologie-Gipfel in Paris, Frankreich, sprach. REUTERS/Charles Platiau/FileFoto

„Das ist aufgestaute Wut“

„Das ist aufgestaute Wut und die Märkte explodierten bei Facebook“, argumentiert Galloway. „Das ist mehr als ein eintägiger Ausverkauf. Es ist wie wenn dein Mann dich anschreit, weil du das Garagentor offen gelassen hast. Es geht nicht um das Garagentor. Es geht um etwas anderes.“

Das „etwas anderes“ bezieht sich auf den Umgang des Facebook-Managements mit den Ereignissen seit Mitte März, als die New York Times berichtete, dass das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica Daten von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern sammelte und analysierte. Der Skandal löste eine größere, andauernde Debatte über den Datenschutz der Nutzer aus und führte zu Forderungen für mehr staatliche Regulierung.

Aber bei Facebook löste er eine Reihe von Kurskorrekturen und Entschuldigungen aus, die bei vielen Experten, Analysten und Investoren nicht gut ankamen. Und während Facebook-CEO Mark Zuckerberg einige Interviews dazu gab – einschließlich eines kontroversen Gesprächs in der vergangenen Woche, bei dem es um Holocaust-Leugner ging – stellte Galloway fest, dass COO Sheryl Sandberg in den Medien ziemlich abwesend war.

„Facebook hat die Erwartungen erheblich zurückgestuft“

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, warnte das Facebook-Management am Mittwoch vor einem langsameren Umsatzwachstum für das dritte und vierte Quartal im hohen einstelligen Prozentbereich aufgrund von Faktoren wie mehr Datenschutzoptionen für die Nutzer –  als direkte Reaktion auf den Cambridge Analytica-Skandal – und der Förderung neuerer Initiativen wie Stories und Watch.

„Facebook hat die Erwartungen erheblich zurückgestuft und macht die Währung, die Datenschutz-Grundverordnung, Privatsphäre, Stories und die Küchenspüle dafür verantwortlich“ schrieb  Stifel-Analyst Scott Devitt in eine Erklärung, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Er beschrieb Facebooks Scheitern, diese Herausforderungen bei der Bekanntgabe der Zahlen des ersten Quartals zu benennen, als „empörend“.

„Mark Zuckerberg spricht und schreibt seit Monaten darüber, die Probleme des Unternehmens anzugehen und doch diskutiert das Management erst jetzt deren Auswirkungen auf die Finanzergebnisse. … Das Unternehmen hatte jede Gelegenheit, diese Themen auf der Konferenz zum ersten Quartal zu diskutieren, aber es hat sie nicht genutzt“, sagte er.

Devitt fügte hinzu, dass Stifel am Ausverkauf der Aktie festhält und sein Kursziel für Facebook-Aktien von 242 $ (207,83 €) auf 202 $ (173,48 €) senkt, weil der „Schaden wahrscheinlich bereits entstanden ist“, aber trotz des Managements bleibt es ein gutes Geschäft.

Brian Wieser, Analyst der Pivotal Research Group, nahm eine gemäßigtere Haltung ein.

„Obwohl nicht weit vom Konsens und unseren eigenen Schätzungen für das dritte Quartal entfernt, lag dieser Rückgang deutlich unter den Erwartungen für das vierte Quartal 18 und deutet darauf hin, dass die meisten Investoren ihre Erwartungen auch für die folgenden Perioden senken müssten“, schrieb Wieser in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. „Eine solche Entwicklung sollte nicht überraschen, wenn man bedenkt, dass die digitale Werbung und die Werbung im Allgemeinen reale Grenzen für das Wachstum haben, obwohl wir erkennen, dass die meisten Anleger diese Überlegung ignoriert haben, die wir für unvermeidlich hielten, wenn auch etwas weiter entfernt.“

Offensichtlich ignoriert die Investment-Community diese Realität jetzt nicht mehr.

JP Mangalindan