Facebooks düsterer Ausblick erdrückt die Aktie

Motley Fool Investmentanalyst

Die Anleger waren mit den am Mittwochabend veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal von Facebook (WKN:A1JWVX) nicht zufrieden. Die Aktien haben am Donnerstag den größten Absturz des Unternehmens verzeichnet und haben über Nacht über 120 Milliarden US-Dollar an Marktwert verloren. Das mag zwar beängstigend klingen, doch bedenke, dass Facebook erst im Mai dieses Niveau erreicht hat.

Hier ist alles, was die Investoren wissen müssen.

Eine Geschichte von zwei profitablen Märkten

Beginnen wir mit den Zahlen, die die Investoren verunsichert haben. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 42 % auf 13,2 Milliarden US-Dollar. Der Anteil der mobilen Werbung am Anzeigenumsatz lag mit 91 % auf dem Niveau des Vorjahresquartals. Die Kosten steigen jedoch schneller als der Umsatz — um 50 % auf 7,4 Milliarden US-Dollar. Der Reingewinn stieg um 31 % auf 5,1 Milliarden US-Dollar oder 1,74 US-Dollar pro Aktie. Die Konsensschätzungen waren von einem Umsatz von 13,35 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn von 1,71 US-Dollar pro Aktie ausgegangen.

Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer (engl. Monthly Active Users = MAUs) betrug im Quartal 2,23 Milliarden, davon waren 1,47 Milliarden täglich aktive Nutzer (engl. Daily Active Users = DAUs). Die Investoren befürchten, dass das Nutzerwachstum seinen Höhepunkt erreichen könnte, insbesondere in den beiden profitabelsten geografischen Geschäftssegmenten von Facebook. Die Zahl der nordamerikanischen DAUs lag bei 185 Millionen und stagniert seit etwa einem Jahr, da dieser Markt ziemlich gesättigt ist. Die Zahl der europäischen DAUs und MAUs ging erstmals zurück — eine erwartete Folge des Inkrafttretens der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Laufe des Quartals.

Nordamerika und Europa machen zusammen 28 % aller MAUs von Facebook aus, doch diese Märkte brachten im Laufe des Quartals 72 % des gesamten Umsatzes ein.

Düsterer Ausblick

Der wahre Knaller war der Ausblick. Finanzvorstand Dave Wehner ließ die Bombe platzen: „Unsere Wachstumsraten werden sich in der zweiten Jahreshälfte 2018 weiter verlangsamen, und wir erwarten, dass unsere Umsatzwachstumsraten sowohl im dritten als auch im vierten Quartal gegenüber den Vorquartalen im hohen einstelligen Prozentbereich zurückgehen werden.“ Autsch.

Wenn das Wachstum in Q3 und Q4 um ganze 9 Prozentpunkte sinkt, würde das ein Wachstum von 33 % bzw. 25 % bedeuten. Wehner führte den schwachen Ausblick auf ungünstige Währungseffekte, Funktionen mit weniger Monetarisierung wie Stories und mehr Datenschutzkontrolle für die Nutzer zurück.

In Verbindung mit einer Verlangsamung des Umsatzwachstums wird sich das Kostenwachstum beschleunigen. „Über das Jahr 2018 hinaus gehen wir davon aus, dass das Gesamtkostenwachstum das Umsatzwachstum im Jahr 2019 übersteigen wird“, sagte Wehner. „In den nächsten Jahren erwarten wir, dass sich unsere operativen Margen im mittleren 30er Prozentbereich bewegen werden.“ Die operative Marge von Facebook lag im zweiten Quartal bei 44 %, das ist also ein erheblicher Verlust für die Zukunft.

Facebook befindet sich seit Jahren im Wachstumsmodus, und die Aktien werden entsprechend bewertet. Auch nach dem Einbruch werden die Aktien mit mehr als dem 11-Fachen des Umsatzes gehandelt. Obwohl das Unternehmen versucht hat, die Investoren zu warnen, dass laufende Investitionen in Sicherheit und Schutz die Rentabilität beeinträchtigen könnten, scheint es Facebook nicht gelungen zu sein, den Markt entsprechend zu wappnen. Die Premium-Bewertung zusammen mit verlangsamtem Wachstum und dem Margenrückgang sind die perfekten Zutaten für einen brutalen Ausverkauf.

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The Motley Fool hält und empfiehlt Aktien von Facebook.

Dieser Artikel wurde von Evan Niu, CFA auf Englisch verfasst und am 26.07.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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