Facebook will das Sprechen lernen


Die Zukunft wird gesprächig: Wer Studien, Experten und Futurologen Glauben schenkt, dann lernen alle möglichen Geräte um uns herum bald das Sprechen. Vom Kühlschrank bis zum Auto. Hauptantreiber der maschinellen Dauerplauderer sind Konzerne wie Amazon mit dem Lautsprecher Echo oder Google mit seinem Home-System. Sie wollen ihre sprechenden Geräte an den Mensch und in sein Zuhause bringen. Jetzt mischt wohl auch noch Facebook mit: Laut einem Bericht der US-Website „Cheddar“ will das soziale Netzwerk ein eigenes sprachgesteuertes Gerät auf den Markt bringen und Amazon und Google Konkurrenz machen.

Bereits vor geraumer Zeit wurde über den Einstieg von Facebook in das Geschäft mit der Hardware in Form eines Assistenten berichtet. Doch „Cheddar“ will nun mehr erfahren haben: Das Gerät soll den Namen „Portal“ tragen, mit Gesichtserkennung zu bedienen sein und hauptsächlich zur Videotelefonie verwendet werden. Aber auch Streaming von Musik und Videos soll möglich sein.

Das Gerät soll auf der Entwicklerkonferenz F8 Anfang Mai erstmals vorgestellt werden, heißt es. Der Schritt ist nur konsequent – nach Text, Bild und Video will sich Facebook nun auch die Sprache einverleiben.


Vernetze Lautsprecher werden das Konsum- und Nutzungsverhalten weltweit drastisch verändern, davon geht zumindest die Unternehmensberatung Capgemini aus. In einer an diesem Donnerstag erscheinenden Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorab vorlag, kommen die Unternehmensberater zum Ergebnis, dass die Assistenten in drei Jahren der Hauptkanal für digitale Interaktion sein wird. Der Markt mit Sprachassistenten ist demnach riesig: Immerhin vierzig Prozent der Verbraucher sollen dann Sprachassistenten gegenüber Apps und Webseiten bevorzugen.

Bereits 51 Prozent der befragten Verbraucher nutzten bereits Sprachassistenten, in Deutschland 36 Prozent, zum Beispiel zum Einkaufen, Informieren oder Essen bestellen. Weit führend sind dabei noch Sprachassistenten auf dem Smartphone, wie beispielsweise die freundliche Siri von Apple.


Doch das soll sich ändern. Schließlich arbeiten Google und Co. mit Hochdruck daran, ihre Assistenten schlauer, schneller und persönlicher zu machen. Und wer als Unternehmen da mitmischen will, der erfindet schnell das passende Angebot, um über Kanäle wie Google Home erreichbar zu sein.

Die mutmaßliche Facebook-Neuerung „Portal“ soll damit wohl vor allem Amazon Echo Show Konkurrenz machen: Ein Lautsprecher mit Touchscreen, auf dem Alexa bei Bedarf vor sich hinredet. Achim Himmelreich, verantwortlich für den Bereich Digital Transformation Consumer Products & Retail bei Capgemini und Vizepräsident des Bundesverbands der Digitalen Wirtschaft (BVDW), wertet einen möglichen Markteinstieg Facebooks als notwendig: „In absehbarer Zeit wird menschliche Sprache die dominierende Schnittstelle in die digitale Welt bilden.“


Und wer die Sprachschnittstelle zum Verbraucher beherrsche, werde in Zukunft das bedeutendste digitale Ökosystem besitzen, so Himmelreich. In Anbetracht der Tatsache, dass Google und vor allem Amazon mit Alexa in diesem Bereich voranpreschten, müssten Apple und eben auch Facebook nachziehen, um ihr eigenes Netzwerk zu schützen und gegebenenfalls auszubauen, meint der Experte: „Zusammenfassend kann man sagen, dass der Kampf der „Big Four“ in Zukunft über die Qualität von künstlicher Intelligenz und Spracherkennung entschieden wird.“

Ob und wie Facebook den Lautsprecher dann am Ende einsetzen wird, ist allerdings noch unklar. Doch sicher ist: Wer Facebooks bisheriges Geschäftsgebaren und die konsequente Ausdehnung des Ökosystems auf Bilder, Videos und Musik betrachtet, den dürfte es nicht überraschen, wenn in naher Zukunft Facebook auch das Sprechen lernt.

KONTEXT

Facebook in Zahlen

Monatliche Nutzer

Pro Monat waren im dritten Quartal 2017 über zwei Milliarden Nutzer bei Facebook aktiv. Ein Jahr zuvor waren es noch 1,7 Milliarden.

Umsatz

2016 machte Facebook einen Umsatz von rund 27,64 Milliarden US-Dollar und konnte einen Gewinn in Höhe von rund 10,22 Milliarden US-Dollar ausweisen.

Die meisten Fans

hatten im August 2017 die Fanseiten von Christiano Ronaldo (122 Millionen), Real Madrid (106 Millionen) und Shakira (104 Millionen).

Mitarbeiter

Von gerade einmal knapp 2.100 Mitarbeitern im Jahr 2010 wuchs das Unternehmen auf über 17.000 im Jahr 2016.

Whatsapp

Der Nachrichtendienst Whatsapp, gemeinhin bekannt als das Ende der SMS, zählte im Juli 2017 rund 1,3 Milliarden Nutzer.

Instagram

Die Foto-Plattform Instagram wurde 2016 jeden Monat von 428 Millionen Nutzern besucht. Bis 2021 sollen es knapp 930 Millionen sein, schätzt das Marktforschungsunternehmen eMarketer.

Forschung und Entwicklung

Für diese Bereiche gab der Konzern 2016 knapp sechs Milliarden US-Dollar aus - 2011 waren es noch 388 Millionen US-Dollar.