Facebook-Whistleblowerin offenbart ihre Identität und beklagt "Verrat an der Demokratie"

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In einem Interview für die Sendung "60 Minutes" von CBS trat die Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen erstmals öffentlich auf. (Bild: CBS)
In einem Interview für die Sendung "60 Minutes" von CBS trat die Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen erstmals öffentlich auf. (Bild: CBS)

Wenige Wochen nachdem die ersten internen Dokumente im jüngsten Facebook-Skandal ans Licht kamen, gibt sich die verantwortliche Whistleblowerin zu erkennen: In einem Interview für die CBS-Sendung "60 Minutes" trat Frances Haugen erstmals öffentlich auf.

Es sind turbulente Zeiten für Facebook und seine Angestellten: Seit drei Wochen veröffentlicht die internationale Tageszeitung "The Wall Street Journal" nun schon interne Dokumente, die den manipulativen Einsatz sowie die negativen Auswirkungen von Facebook auf seine Nutzerinnen und Nutzer belegen.

Am Sonntag gab sich die verantwortliche Whistleblowerin erstmals zu erkennen: In der amerikanischen TV-Sendung "60 Minutes" des Senders CBS erhob Frances Haugen erneut schwere Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber.

Die von ihr veröffentlichten Dokumente zeigten, dass Facebook wiederholt "Wachstum über Sicherheit" gestellt habe, erklärte Haugen. Das Unternehmen habe sogar dann weiter auf Wachstum gesetzt, als ihm die negativen Auswirkungen der Plattform auf die Nutzerinnen und Nutzer bereits bekannt gewesen seien.

Damit bezog sich die 37-Jährige auf eine interne Untersuchung zum Einfluss von Instagram auf junge Menschen: Vor allem Mädchen im Teenageralter entwickelten durch die Nutzung von Instagram eine größere Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, was wiederum Auswirkungen auf die psychische Gesundheit habe, heißt es in dem Bericht, den das "Wall Street Journal" veröffentlichte. Facebook verwies hingegen auf Studien, wonach die sich Instagram für Teenager bei anderen Themen als hilfreich erwiesen habe. Die Entwicklung eines Instagram-Abelegers für unter 13-Jährige legte der Konzern dennoch vorerst auf Eis.

"Wachstum hatte Vorrang vor Sicherheit"

Doch nicht nur der Umgang mit minderjährigen Nutzerinnen und Nutzern steht in der Kritik: Enthüllungen zeigten ferner, dass Prominente, Politiker und hochrangige Facebook-Nutzer von dem Unternehmen unterschiedlich behandelt wurden, etwa wenn es um die Einhaltung der Kommunikationsrichtlinien ging.

Haugen behauptete gar, dass die Unruhen im Kapitol von Washington Anfang Januar von Facebook mit angeheizt wurden: Facebook habe während der US-Wahl die Sicherheitssysteme eingeschaltet, um Fehlinformationen zu reduzieren, erklärte sie: "Sobald die Wahlen vorbei waren, schalteten sie sie wieder ab oder änderten die Einstellungen so, wie sie vorher waren, um dem Wachstum Vorrang vor der Sicherheit zu geben, und das fühlt sich wirklich wie ein Verrat an der Demokratie an."

Facebook weist Anschuldigungen zurück

Der frühere britische Vize-Premierminister Nick Clegg bezeichnete diese Aussage auf CNN als lächerlich: "Ich denke, es gibt den Leuten falschen Trost, wenn sie annehmen, dass es eine technologische oder technische Erklärung für die Probleme der politischen Polarisierung in den Vereinigten Staaten geben muss." Facebook wiederum wies die Anschuldigungen allgemein zurück. Ein Konzernsprecher sagte am Sonntag nach dem Interview, das Online-Netzwerk versuche täglich, eine Balance zwischen dem Recht von Milliarden Menschen auf freie Meinungsäußerung und einer sicheren Umgebung für die Nutzer zu finden.

Haugen war rund zwei Jahre lang als Produktmanagerin bei Facebook tätig. Zu ihren Aufgaben gehörte es unter anderem, den Einsatz des Sozialen Netzwerks für Wahlmanipulationen zu verhindern. Doch ihr Team habe zu wenige Ressourcen für diese Arbeit gehabt, wie sie nun bemängelte. Im Mai verließ sie das Unternehmen. Inzwischen hat sie offiziell Schutz als Whistleblowerin bei den US-Behörden beantragt.

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