Facebook: Weiße Männer müssen beschützt werden, Kinder hingegen nicht

Autofahrerinnen und Kinder sind weniger schützenswert als weiße Männer. (Bild: ddp)

Die Forderung steht seit langem im Raum: Facebook soll seine Nutzer besser vor Hate Speech schützen. Doch der Algorithmus, der Verunglimpfung im Sozialen Netzwerk erkennen soll, reagiert vor allem auf bestimmte Personengruppen!

Die Plattform „Pro Publica“ veröffentlichte ein geleaktes Trainings-Slide für Facebook-Zensoren, in dem ihnen drei Bilder gezeigt wurden. „Wen davon beschützen wir?“ lautete die Frage zu den Bildern einer Autofahrerin mit zwei schwarzen Kindern und den Backstreet Boys, die für weiße Männer standen. Die richtige Antwort: weiße Männer.

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Denn die gehören laut Leitfaden zu einer „geschützten Kategorie“. Facebook-Postings, in denen Personen wegen ihres Geschlechts, ihrer nationalen Herkunft, ihrer geschlechtlichen Identität, ihrer sexuellen Orientierung, einer Krankheit oder Behinderung, Rasse oder Ethnizität angegriffen werden, dürfen gelöscht werden.

Wer schützenswert ist, entscheidet ein festgelegter Kategorien-Katalog

Weniger schützenswert sind laut dem Kategorien-Katalog Personen, die wegen ihrer Angehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Klasse, Religion, Aussehen oder Beruf diffamiert werden.

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Und das gilt auch für so genannte Subkategorien, zu denen auch die beiden anderen Beispiele im Test zählen. Demnach sind Frauen als Hauptkategorie zwar ebenso zu schützen wie Farbige – fahren sie aber Auto oder gehören sie einer bestimmten Altersgruppe an, etwa Kinder, fallen sie automatisch in eine „Subkategorie“.

Entscheidend ist nicht, wie krass der Post ist, sondern an wen er sich richtet

Logisch ist das nicht, wie man anhand zweier Posts sieht, von denen einer von den Zensoren gelöscht und einer erhalten wurde. Gelöscht wurde der Post: „Alle weißen Menschen sind Rassisten“, weil er eine schützenswerte Hauptkategorie ansprach. Nicht gelöscht wurde dagegen folgender Post eines US-Kongressmitglieds, der sich nach den Terroranschlägen von London auf „radikalisierte Islamisten“ bezog: „Jagt sie, identifiziert sie und tötet sie. Tötet sie alle. Zum Wohl von allen, was gut und recht ist. Tötet sie alle.“ Schließlich stellen radikale Islamisten bei Facebook eine Subkategorie dar. Klar, oder?

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