Facebook-Managerin Sandberg denkt über ein Bezahlmodell nach


Der Datenskandal sorgt bei Facebook auch für Überlegungen, das Geschäftsmodell umzustellen. Im Gespräch mit dem Fernsehsender NBC denkt Top-Managerin Sheryl Sandberg, die bei Facebook für das operative Geschäft zuständig ist, über Alternativen zum derzeitigen Gratis-Konzept des sozialen Netzwerks nach.

So könnte Facebook ein optionales Bezahlmodell einführen, bei dem die Nutzer die Weitergabe ihrer Daten für personalisierte Werbung ausschalten könnten. Bislang sind sämtliche Angebote bei Facebook kostenlos.

Facebook ist nach eigenen Angaben weiterhin nicht bekannt, welche Informationen seiner Nutzer genau im jüngsten Datenschutz-Skandal bei der umstrittenen Firma Cambridge Analytica gelandet sind. „Bis zum heutigen Tage wissen wir nicht, welche Daten Cambridge Analytica hat“, sagte Sandberg der „Financial Times“. Nach Gründer und Chef Mark Zuckerberg räumte auch sie Fehler ein und sagte, Facebook habe zu langsam reagiert.

Bei dem Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App vor über vier Jahren Informationen von Nutzern an die Analyse-Firma Cambridge Analytica weitergereicht, die später unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gearbeitet hatte. Dabei ging es nicht nur um die Daten der Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde.


Nach Einschätzung von Facebook könnten die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit betroffen sein, darunter potenziell knapp 310.000 Mitglieder aus Deutschland. Cambridge Analytica selbst erklärte, man habe Informationen zu 30 Millionen Nutzern erhalten. Facebook konnte den Datenbestand bei Cambridge Analytica bisher nicht nachprüfen, weil bei der Firma zunächst die britische Datenschutzbehörde am Zug ist.

Die FDP reagierte mit scharfer Kritik am Krisenmanagement von Facebook. „Dass Facebook bis heute keine rechtlichen Schritte gegen Cambridge Analytica und den Entwickler der App eingeleitet hat, halte ich für ein schweres Versäumnis“, sagte der digitalpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Manuel Höferlin, dem Handelsblatt. „Dieser Datenmissbrauch muss auch rechtliche Konsequenzen haben, und Facebook steht in der Pflicht zur juristischen Aufarbeitung beizutragen.“


Höferlin zeigte sich wenig überrascht, das auch deutsche Nutzer betroffen sind. Aber: „Problematisch an diesem Vorfall ist vor allem, dass es sich bei den potentiell Geschädigten um Facebook-Freunde, also um unbeteiligte Dritte handelt, die nie ihr Einverständnis in die Nutzung ihrer Daten für die in Frage stehende App erteilt haben“, sagte er FDP-Politiker. „Deshalb ärgert es mich kolossal, dass Facebook seit 2015 davon wusste und erst jetzt, aufgrund des öffentlichen Drucks, die möglichen Betroffenen informieren und entsprechende Datenschutzanpassungen vornehmen wird.“ Das komme „einfach viel zu spät“.