Facebook verliert eine wichtige Führungskraft und ein Vorstandsmitglied wegen Datenpraktiken

Motley Fool Investmentanalyst

Es ist über drei Jahre her, dass Facebook (WKN:A1JWVX) die kostspielige Übernahme von WhatsApp abgeschlossen hat, die mit einem Preis von sage und schreibe 19 Milliarden US-Dollar den bisher größten Kauf des sozialen Netzwerkriesen darstellt. Damals hielt man diese Übernahme für eine tickende Zeitbombe, da Facebook eine enorme Menge an Geschäftswert und immateriellen Gütern investiert hatte, die irgendwann in  Zukunft abgeschrieben werden müssen. Als Teil des Deals kam WhatsApp-Mitbegründer Jan Koum sowohl als Führungskraft als auch als Vorstandsmitglied zu Facebook.

Koum hat gerade bekannt gegeben, dass er als CEO von WhatsApp zurücktritt und das Unternehmen verlässt.

Facebook will die Daten von WhatsApp

Laut einem Bericht der Washington Post, später dann von Koum selbst in einem Facebook-Posting bestätigt, geriet der WhatsApp-Mitbegründer in einen Konflikt mit Facebook, da das Mutterunternehmen Zugriff auf die WhatsApp-Benutzerdaten erhalten und die Verschlüsselung lockern wollte. Als Facebook im Jahr 2014 WhatsApp erwarb, schwor das Unternehmen, dass WhatsApp seine Autonomie und Unabhängigkeit behalten würde.

WhatsApp hatte seine Nutzungsbedingungen bereits 2016 in umstrittener Art und Weise überarbeitet, um es zu ermöglichen, Benutzerdaten — einschließlich Telefonnummern — mit Facebook zu teilen. Dieser Schritt zog die Skepsis der europäischen Regulierungsbehörden auf sich, und das französische Datenschutzunternehmen CNIL ordnete damals an, WhatsApp solle diese Vorgehensweise letzten Dezember einstellen. Im März erzielte das britische Information Commissioner’s Office (ICO) einen Sieg, als WhatsApp sich verpflichtete, keine Daten mit Facebook zu teilen, bis das Mutterunternehmen die neue Allgemeine Datenschutzverordnung (General Data Protection Regulation = GDPR), die Ende dieses Monats in Kraft tritt, vollständig einhält.

Je nach Timing könnte Koum eine Milliarde US-Dollar einbüßen

Koum schließt sich dem Mitbegründer von WhatsApp, Brian Acton, an. Acton hatte im November Facebook verlassen und sich nach dem Cambridge-Analytica-Skandal der #DeleteFacebook-Bewegung angeschlossen. Koum, der nach der Übernahme zum Multimilliardär wurde, wird sich eine Auszeit nehmen, um sie mit seinen … Porsches zu verbringen.

„Es ist fast ein Jahrzehnt her, dass Brian und ich WhatsApp gegründet haben, und es war eine erstaunliche Reise mit einigen der besten Leute. Doch nun ist es Zeit für mich, weiterzuziehen. Ich bin gesegnet, mit einem so unglaublich kleinen Team zu arbeiten und zu sehen, wie verrückt viel Aufmerksamkeit eine App auf sich ziehen kann, die so viele Menschen auf der ganzen Welt benutzten.

Ich gehe zu einer Zeit, in der die Leute WhatsApp auf mehr Arten benutzen, als ich mir vorstellen konnte. Das Team ist stärker denn je und wird auch weiterhin erstaunliche Dinge tun. Ich nehme mir eine Auszeit, um Dinge zu tun, die ich fernab der Technik genieße, wie z. B. seltene luftgekühlte Porsches zu sammeln, an meinen Autos zu arbeiten und Ultimate Frisbee zu spielen. Und ich werde WhatsApp immer noch anfeuern — nur von außen. Danke an alle, die diese Reise möglich gemacht haben.“

Die scheidende Führungskraft wird sich bei der Jahresversammlung 2018 nicht zur Wiederwahl für den Vorstand von Facebook aufstellen lassen, wie Facebook am 1. Mai bestätigt hat. Koum hatte durch die Übernahme rund 24,9 Millionen Facebook-Aktien erhalten, von denen laut Bloomberg 5,8 Millionen noch nicht unverfallbar sind. Wenn Koum unmittelbar vor dem Verfallsdatum zurücktritt, könnte ihm knapp eine Milliarde US-Dollar entgehen. Er wird aber immer noch über 10 Milliarden US-Dollar einsacken.

Das sieht nicht gut aus

Facebook wird nun einen neuen CEO für WhatsApp finden müssen; und das in einer Zeit, in der das Unternehmen immer noch versucht, ein Monetarisierungsmodell für den Dienst zu finden, nachdem das soziale Netzwerk nun 1 Milliarde Nutzer erreicht hat. Dies ist der Meilenstein, den Facebook ursprünglich gesetzt hatte, ab dem das Unternehmen versuchen würde, den beliebten Messaging-Dienst zu monetarisieren.

Die Nachrichten könnten auch die Marke Facebook weiter schädigen, während man sich immer noch gegen laufende Datenschutzskandale in Bezug auf die Speicherung oder Weitergabe von Benutzerdaten wehrt. Der Verlust einer prominenten Führungskraft im Streit um die Benutzerdaten wird das Image des Unternehmens im Moment wohl nicht verbessern.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Facebook.

Dieser Artikel wurde von Evan Niu, CFA auf Englisch verfasst und am 01.05.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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