Facebook entschuldigt sich in Zeitungsanzeige für Vertrauensbruch

Die Handelskommission ermittelt und Generalstaatsanwälte von 37 US-Staaten wollen wissen, welche Konsequenzen der Internetriese aus millionenfachem Missbrauch privater Daten für politische Werbung zieht.

Der Internet-Gigant Facebook gerät wegen millionenfachen Datenmissbrauchs für politische Zwecke auch in seinem Heimatland unter zunehmenden Druck. Die US-Handelskommission FTC bestätigte am Montag Ermittlungen. Der Vorsitzende des Justizausschusses im Senat, Charles Grassley, teilte mit, er habe Facebook-Chef Mark Zuckerberg zu einer Anhörung am 10. April nach Washington eingeladen. Dabei solle geklärt werden, wie Unternehmen wie Facebook mit persönlichen Daten ihrer Nutzer umgehen.

Neben dem Justizausschuss des Senats haben auch zwei weitere Komitees des Kongresses Zuckerberg zu Anhörungen geladen, allesamt im Zusammenhang mit dem Skandal um die englische Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica. Grassley sagte, auch Google-Chef Sundar Pichai und der Twitter-Vorstandsvorsitzende Jack Dersey seien zu der Datenschutzbefragung eingeladen worden.

Zudem verlangten Generalstaatsanwälte von 37 US-Staaten von Zuckerberg eine Antwort auf die Frage, welche Konsequenzen sein Unternehmen daraus ziehe, dass private Daten von Millionen seiner Kunden missbraucht worden seien. Das Vertrauen der Nutzer der sozialen Medien-Plattform in Facebook sei zerbrochen. Sie fragten den Facebook-Gründer, wie er seinen Kunden ermöglichen wolle, ihre privaten Daten besser zu schützen und zu kontrollieren.

Der geschäftsführende Direktor der FTC-Verbraucherschutzabteilung, Tom Pahl, teilte mit, die Ermittlungen würden sich auch damit befassen, inwiefern Facebook sich an „unfairen Handlungen“ beteiligt habe, die seinen Nutzern erheblichen Schaden zugefügt haben könnten.

Im Zentrum stehen Enthüllungen, dass die englische Datenfirma Cambridge Analytica Informationen über Facebook-Nutzer und deren Freunde über eine psychologische Befragungstest-App abgegriffen habe - ohne ausdrückliche Zustimmung der Freunde der Nutzer, die an den Tests teilnahmen. So sollen Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern gesammelt worden sein, die zu Einflussnahmen im US-Wahlkampf 2016 genutzt worden sein sollen. Zudem muss sich Facebook Fragen zur Sammlung von Namen, Telefonnummern, Anrufdauern und Informationen über SMS-Nachrichten von Android-Nutzern stellen.


Unternehmenschef Mark Zuckerberg hat sich indes in Zeitungsanzeigen bei den Nutzern in Deutschland entschuldigt. „Du hast vermutlich gehört, dass die Quiz-App eines Wissenschaftlers im Jahr 2014 unerlaubt die Facebook-Daten von Millionen von Menschen weitergegeben hat“, hieß es am Dienstag in der ganzseitigen, von Zuckerberg unterzeichneten Anzeige, die unter anderem in der „Süddeutschen Zeitung“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ stand. „Das war ein Vertrauensbruch, und ich möchte mich dafür entschuldigen, dass wir damals nicht mehr dagegen getan haben.“ Facebook unternehme nun die notwendigen Schritte um sicherzustellen, dass so etwas nicht noch einmal passiere.

Facebook teilte am Montag mit, es fühle sich dem Schutz der persönlichen Daten seiner Nutzer „stark verpflichtet“ und begrüße die Gelegenheit, die Fragen der FTC zu beantworten. Medien hatten bereits vergangene Woche berichtet, dass die FTC wegen der Affäre um Cambridge Analytica ermittle. Die FTC bestätigte das erst am Montag. Facebook hat mit der FTC 2011 ein Abkommen zum Schutz der Privatsphäre seiner Kunden geschlossen.

In der Affäre um Cambridge Analytica geht es um die Auswertung privater Daten insbesondere auch für politische Einflussnahmen und zielgerichtete Werbung.