Facebook unter Druck: Naht das Ende für den Social-Network-Riesen?

Facebook steht massiv unter Druck. (Bild: AP Photo)

Steht das größte soziale Netzwerk der Welt vor dem Aus? Im Skandal um Nutzerdaten und Trumps Wahlkampagne drohen Facebook womöglich Strafen im Billionen-Bereich. Der Aktienkurs brach ein. Nutzer rufen zum Boykott auf.

Nichts schien den Giganten Facebook bislang wirklich erschüttern zu können. Jetzt aber erhöhen Verbraucherschützer, Aktionäre und Nutzer massiv den Druck auf das soziale Netzwerk. Sogar ein Ende von Facebook scheint angesichts potenziell astronomischer Strafzahlungen denkbar. Darum geht es: Nach Informationen der renommierten Tageszeitungen „New York Times“ und „Guardian“ soll Facebook persönliche Informationen von rund 50 Millionen Nutzern ohne deren Zustimmung an die britische Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica weitergegeben haben. Diese nutzte die Profile unter anderem für den Präsidentschaftswahlkampf von Donald Trump, um gezielt Wähler zu mobilisieren. Facebook stellte sich in der Affäre selbst als Betrugsopfer dar.

Mögliche Billionen-Strafen nach Nutzerdatenskandal

Direkt betroffen waren die Nutzer einer App mit Persönlichkeitstest. Das Programm erlaubte allerdings auch den Zugriff auf die Profildaten ihrer Facebook-Freunde. Laut „Guardian“ schwemmte jeder Nutzer im Durchschnitt 160 weitere Facebook-User in die Datenfalle. Die britische Zeitung und die „New York Times“ erhielten Informationen von dem Whistleblower Chris Wylie, einem früheren Mitarbeiter von Cambridge Analytica.

Whistleblower Chris Wylie brachte den Skandal ins Rollen. (Bild: AP Photo)

Die möglicherweise hohe Zahl der Betroffenen könnte sich für den Konzern als Damoklesschwert erweisen. Denn eventuelle Strafzahlungen werden pro Fall berechnet. Die US-Verbraucherschutzbehörde Federal Trade Commission (FTC) leitete nach Informationen der „Washington Post“ eine offizielle Untersuchung gegen Facebook ein. Facebook hat durch die Datenweitergabe womöglich gegen eine Verbraucherschutz-Einigung mit der Behörde aus dem Jahr 2011 verstoßen. David Vladeck hatte das Abkommen damals bei der FTC ausgehandelt. Es sehe je Verstoß ein Bußgeld in Höhe von bis zu 40.000 US-Dollar (33.000 Euro) vor, sagte Vladeck der „Washington Post“. Bei 50 Millionen Betroffenen könnten sich die Strafzahlungen schlimmstenfalls also auf 1,65 Billionen Dollar summieren. Davon würde sich vermutlich selbst ein Unternehmen wie Facebook nicht erholen.

Einbruch des Aktienkurses

Vladeck bezweifelte zwar, dass die Verbraucherschutzbehörde tatsächlich die Maximalzahlungen fordern wird. Das Bußgeld könne dennoch sehr hoch ausfallen. Schmerzhafte Finanzeinbußen musste Facebook schon jetzt hinnehmen. Der Aktienkurs brach seit Bekanntwerden des Datenskandals um 20 Prozent ein. Allein am Montag wurden durch den Kursrutsch rund 35 Milliarden Dollar an Börsenwert vernichtet. Zuckerberg selbst musste ebenfalls Milliardenverluste hinnehmen. Der laut Wirtschaftsmagazin „Forbes“ aktuell fünftreichste Mensch der Welt hält einen Großteil seines Vermögens in Facebook-Aktien. Allerdings bleibt der Gründer in dem Skandal auffällig stumm.

Gesellschafter und Nutzer wollen nicht auf eine Stellungnahme Zuckerbergs warten, sondern wenden sich jetzt von Facebook ab. Aktionäre reichten bei einem Bundesgericht in San Francisco Klage gegen Facebook ein. Sie warfen der Firma Intransparenz vor.

User reagieren: Boykottaufruf #DeleteFacebook

Unterdessen entwickelt sich der Boykottaufruf #DeleteFacebook (LöscheFacebook) online zum Trend. Mit dabei ist sogar WhatsApp-Gründer Brian Acton. Er und Jan Koum hatten 2014 ihr Unternehmen für 19 Milliarden Dollar an Facebook verkauft. Der Großteil des Kaufpreises wurde in Facebook-Aktien bezahlt.


„Es ist an der Zeit. #deletefacebook“

Follower von Acton schlossen sich an.


„Vollbracht. Gelöscht. Fühlt sich unglaublich an.“

Auch hierzulande greift die Anti-Facebook-Bewegung um sich. Immer mehr Nutzer verkünden öffentlich, Facebook ab sofort nicht mehr zu benutzen.