Facebooks Kommunikationschef tritt zurück

Fake-News, Datenskandal: Facebook stand wegen seines zögerlichen Krisenmanagements zuletzt wiederholt in der Kritik. Nun geht der PR-Chef.


Jemand hatte Mark Zuckerberg ein Kissen untergeschoben. Der 33-Jährige sollte gerade sitzen. An diesem Tag Mitte April im Sitzungsaal 216 des Hart Senate Office Building in Washington wollte Facebook Haltung zeigen.

Wie zufällig erhaschten Journalisten zu Beginn der Anhörung vor dem US-Kongress einen Blick auf Zuckerbergs Manuskript. Lange bevor der Facebook-Chef den Mund aufmachte, verbreiteten sich die Botschaften bereits im Netz, die das Netzwerk an diesem Tag loswerden wollte.

Die besten PR-Strategen sind unsichtbar. Sie halten sich im Hintergrund und lassen ihr Werk für sich sprechen.

Elliot Schrage saß an diesem Tag, an dem sich Facebook öffentlich für den Datenskandal um Cambridge Analytica, Verletzungen der Privatsphäre und Wahlmanipulation rechtfertigen musste, weiter hinten im Saal. Und dennoch hatte er mit dem, was ganz vorne geschah, unmittelbar zu tun. Facebooks oberster Politik- und Kommunikationschef steuerte maßgeblich, wie der Konzern mit seiner bislang größten Krise umging.


Nun, nach zehn Jahren bei Facebook, verlässt der 57-Jährige den Konzern. „Ich habe entschieden, das nächste Kapitel in meinem Leben zu beginnen”, teilte Schrage am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite mit.

Er habe über den Schritt bereits „seit einer Weile” mit Zuckerberg und Sheryl Sandberg, die Facebooks operatives Geschäft leitet, diskutiert. Der Manager bleibt als Berater, bis ein Nachfolger gefunden ist. Vor seinem Job bei Facebook leitete Schrage acht Jahre lang die internationale Kommunikation von Google.

In der Technologie-Szene war die Entscheidung erwartet worden. „Er musste gehen”, urteilt David Kirkpatrick, Autor des Buches „The Facebook Effect” und intimer Kenner des Unternehmens. „Facebook ist mit Input von außen ganz klar nicht richtig umgegangen. Das war ein großer Teil seines Jobs.”

Facebook war wiederholt für sein langsames und zögerliches Krisenmanagement kritisiert worden. Als Reaktion auf Berichte über Manipulationen bei der vergangenen US-Präsidentschaftswahl hatte es Zuckerberg zunächst als eine „verrückte Idee” bezeichnet, dass Fake-News auf der Plattform die Wahl beeinflusst hätten. Erst Monate später räumte das Netzwerk Fehler ein, entschuldigte sich und gelobte Besserung. Fünf Tage schwieg es, nachdem Mitte März bekannt wurde, dass Cambridge Analytica sich illegal Zugriff auf die Profile von 87 Millionen Facebook-Nutzern verschafft hatte.


Inzwischen will Facebook den Nutzern mehr Kontrolle darüber geben, wer ihre Daten nutzt. Bei der jüngsten Entwicklerkonferenz F8 stellte Zuckerberg die neue Funktion „Clear History” vor, mit der Facebook-Mitglieder verändern können, auf welche Informationen Drittanbieter zugreifen.

In dem von Schrage initiierten Blog „Hard Questions” diskutiert das Unternehmen, wie es mit problematischen Themen wie politischer Werbung oder seinem Einfluss auf die Demokratie umgeht.

Neben der Verantwortung für das Krisenmanagement sei auch die Doppelrolle als Politik-Manager und Kommunikationschef der Firma zum Problem geworden, analysiert Facebook-Kenner Kirkpatrick. Es sei nicht wünschenswert, dass die gleiche Person, bei der die schlechten Nachrichten von Regierungen eintrudeln, auch diejenige sei, die die Firma nach außen gut dastehen lässt.