Vom Facebook-Skandal dürften auch deutsche Nutzer betroffen sein

Vom Datenskandal bei Facebook dürften nach Einschätzung von Experten auch deutsche Nutzer betroffen sein. Auf einer Sitzung des Bundestags-Digitalausschusses zu der Affäre am Freitag sagte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar nach Angaben des Bundestagspressedienstes, bei 50 Millionen betroffenen Profilen sei es sehr wahrscheinlich, dass auch Bundesbürger ausgespäht wurden.

Eine Facebook-Managerin sagte den Angaben zufolge bei der Anhörung allerdings, ihr sei bislang nicht bekannt, dass auch die Daten von Plattform-Nutzern in Deutschland weitergeleitet wurden. Der Ausschussvorsitzende Hansjörg Durz (CSU) vermutete in der "Augsburger Allgemeinen" (Samstagausgabe) hingegen: "Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass auch Deutsche vom Facebook-Datenskandal betroffen sind."

Facebook steht massiv in der Kritik, weil im US-Wahlkampf die britische Firma Cambridge Analytica für US-Präsident Donald Trump die Profildaten von 50 Millionen Facebook-Nutzern ohne deren Einverständnis gesammelt haben soll.

Er fürchte, dass die Affäre noch längst nicht zu Ende sei, sagte Durz. Er zeigte sich unzufrieden mit den Angaben der Vertreter des Internetkonzerns im Ausschuss. "Das reicht so nicht." Zwar habe sich Facebook dem Bundestag als erstem Parlament weltweit gestellt. Doch die Antworten, die die Abgeordneten erhalten hätten, seien nicht über bereits bekannte Aussagen der Firma hinausgegangen. Sie seien deshalb ungeeignet gewesen, die Bedenken im Skandal um Cambridge Analytica auszuräumen, fügte er hinzu.

Außerdem habe Facebook im Digitalausschuss nicht ausgeschlossen, dass es noch weitere Fälle der missbräuchlichen Verwendung von Facebook-Nutzerdaten gebe, sagte Durz weiter. Und auch die Frage, ob es im deutschen Bundestagswahlkampf zu Versuchen der Beeinflussung mittels Missbrauch von Facebook-Daten gegeben habe, sei von den Vertretern der Firma nicht beantwortet worden. "Was Facebook sagt, ist zu vage. Der Skandal muss aber vollständig aufgeklärt werden", betonte Durz.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) wird am Montag mit Facebook-Vertretern zusammentreffen, wie ein Sprecher des Ministeriums am Freitag sagte. Auch dabei solle erörtet werden, inwieweit deutsche Nutzer betroffen sind. Mit dabei sein wird auch der Cheflobbyist von Facebook, Richard Allan.