Größte Facebook-Seite für „Black Lives Matter“ als Betrug enttarnt

Die internationale Bewegung – hier bei einem Protest in Seattle 2017 – wendet sich gegen Rassismus, Diskriminierung und Polizeigewalt gegenüber afroamerikanischen Bürgern. (Bild: AP Photo/Ted S. Warren)

Mehrere hunderttausende Follower einer vermeintlichen Facebook-Seite der „Black Lives Matter“-Bewegung fielen einem Betrug zum Opfer, wie Recherchen des Nachrichtensenders CNN ergaben.

Die mit „Black Lives Matter“ betitelte Seite hatte mit 700.000 Followern doppelt so viele Mitglieder wie die offizielle Facebook-Präsenz der Bewegung. Sie war zudem mit mehreren Online-Spendenmöglichkeiten verbunden, die rund 100.000 Dollar (81.000 Euro) einbrachten. Zumindest ein Teil des Geldes wurde im Anschluss auf australische Konten überwiesen.

Die Zahlungswebsites PayPal und Patreon entfernten nach Bekanntwerden der Vorwürfe Spendenseiten, die mit der Facebook-Seite in Verbindung standen. Die Plattformen Donorbox und Classy hatten dies zu diesem Zeitpunkt bereits getan. Facebook selbst wurde auf die problematische Seite vor einiger Zeit von einer der Mitbegründerinnen der Bewegung, Patrisse Cullors, aufmerksam gemacht. Allerdings wurde zunächst nichts dagegen unternommen.

Die Seite wurde allem Anschein nach von einem ihrer australischen Administratoren vom Netz genommen, nachdem CNN den Social-Media-Riesen kontaktiert hatte.

Zu den Betreibern der Facebook-Seite soll der Australier Ian Mackay, ein Mitarbeiter der Gewerkschaft „National Union of Workers“, gewesen sein. Die Website habe immer wieder auf Seiten verlinkt, die auf seinen Namen registriert sind. Laut einem Sprecher der Gewerkschaft habe man Mackay suspendiert, solange die Untersuchungen bezüglich dieser Sache laufen. „Die Union ist in keine der Aktivitäten, über die CNN berichtet, involviert und hat auch keine solchen autorisiert“, erklärte Unions-Nationalsekretär Tim Kennedy in einem Statement.


Auch eine Facebook-Gruppe mit demselben Namen sollen die Betreiber gegründet und dort vermehrt zu Spenden aufgerufen haben. „Unsere Mission ist es, Bewusstsein über Rassismus, Bigotterie, Polizeigewalt und Hassverbrechen zu schaffen, indem wir durch soziale Netzwerke lokale und internationale Geschichten verbreiten, über die Mainstream-Medien nicht berichten“, lautete eine Nachricht auf der Donorbox-Seite.

Mackay selbst bestritt die Vorwürfe auf CNN-Anfrage vor rund einem Monat: „Ich habe die Domain gekauft und wieder verkauft.“ Das Kaufen und Verkaufen von Domains sei sein Hobby – zu etlichen konkreten Vorwürfen wollte er sich nicht äußern. Kurz nach der CNN-Anfrage wurde die Seite allerdings vom Netz genommen.

Cullors zeigte sich schockiert von den Untersuchungen: „Wir sind von Spendern abhängig, die an unsere Arbeit und unsere Sache glauben – und daran, dass das Geld auf respektvolle Art und Weise genutzt wird“, sagte die Mitbegründerin der Bewegung.