Facebook sammelt Spenden


Mit einem Quartalsgewinn von 3,3 Milliarden Euro ist Facebook wahrlich keine Non-Profit-Organisation. Trotzdem betont Facebook-Chef Mark Zuckerberg besonders gern die gesellschaftliche Aufgabe seines sozialen Netzwerks. Statt über Profite spricht er viel lieber darüber, die Welt miteinander zu verbinden und eine globale, informierte Gemeinschaft bauen zu wollen. Sein Netzwerk mit Katzenvideos zu unterhalten, reicht ihm nicht.

Am heutigen Dienstag kündigte sein Unternehmen daher eine neue Funktion an, die den Anspruch des sozialen Netzwerks festigen soll: In 16 europäischen Ländern wird das Unternehmen neue Funktionen für gemeinnützige Organisationen zum Sammeln von Spenden einführen. Damit tut Facebook Gutes für die entsprechenden Organisationen – hat allerdings auch eigene Interessen im Sinn. So macht sich Facebook in einem weiteren Bereich für seine Nutzer unverzichtbar.

Die neuen Funktionen beinhalten zum Beispiel einen „Spenden”-Button, den die entsprechenden Partner in Titelbilder und Beiträge einbauen können. Zudem setzt das Unternehmen auf Video-Inhalte: Über das Video-Portal Facebook-Live sollen ebenfalls Spendenaufrufe möglich sein. In seiner Ankündigung verweist das Unternehmen auf Ariana Grandes Benefizkonzert zu Ehren der Opfer des Anschlags von Manchester. Dort seien mehr als 450.000 US-Dollar zusammen gekommen, so Facebook.


In den USA gibt es den digitalen Spenden-Button schon: Seit seiner Einführung seien bereits mehrere Millionen Dollar für wohltätige Organisationen gesammelt worden, teilt das Unternehmen mit. Allein nach dem Hurrikan „Harvey“ seien über zehn Millionen US-Dollar zusammen gekommen. Ende September soll er nun in Deutschland, Frankreich und Italien getestet werden. Partner sind unter anderem Unicef und Save the Children.

Der digitale Spenden-Button ist nicht die einzige gemeinnützige Funktion von Facebook: So bietet die Plattform auch die Funktion „Safety Check“ an. Veröffentlicht eine gewisse Anzahl von Nutzern die Meldung über ein bestimmtes Ereignis, etwa einen Terroranschlag, wird der Safety Check aktiviert. Die Nutzer können dann auf Facebook angeben, dass sie in Sicherheit sind und andere Nutzer auffordern, es Ihnen gleich zu tun. Zum Einsatz kam diese Funktion in Deutschland zum Beispiel schon nach dem Terroranschlag von Berlin.


Es ist eine hilfreiche Funktion und viel einfacher, als alle besorgten Freunde und Familienmitglieder anrufen oder eine Nachricht schreiben zu müssen. Mit ihr und auch den Spenden-Sammeln-Funktionen baut Facebook aber auch seine Vormachtstellung als weltgrößtes soziales Netzwerk aus: Vom Einkaufen, kommunizieren bis hin zum Entertainment - in fast allen Lebensbereichen will der Konzern zur festen Größe und Alleinanlaufpunkt für seine Nutzer werden.

Denn je länger die Zeit auf der Plattform verbringen, desto attraktiver wird der Konzern auch für Werbekunden. Auch wenn Zuckerberg mit der Spendensammelei etwas Gutes tut, bleibt er doch ein Geschäftsmann.

KONTEXT

Welche Facebook-Dienste die Deutschen nutzen

Mehr als "Gefällt mir"

Facebook ist nicht nur eine Internetseite oder eine App. Das soziale Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren kräftig erweitert. Die bekanntesten Teile sind der Facebook Messenger, Instagram und Whatsapp. Das Statistik-Portal Statista hat die Deutschen gefragt, welche Dienste und Produkte sie mindestens gelegentlich nutzen.

Facebook allgemein

72 Prozent nutzen das Social Media Portal. Dabei ist der Unterschied zwischen Männern (73 Prozent) und Frauen (71 Prozent) gering.

Facebook Messenger

Den Facebook-Nachrichtendienst nutzen 43 Prozent der Befragten - Männer wie Frauen.

Instagram

Den Online-Dienst Instagram zum Teilen von Fotos und Videos nutzen 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen.

Whatsapp

Den Instant-Messaging-Dienst, der seit dem Jahr 2014 zu Facebook gehört, wird 70 Prozent der Befragten genutzt. Mit 71 Prozent männlichen und 70 Prozent weiblichen Nutzern sind die Unterschiede bei den Geschlechtern gering.