Facebook-Nutzer, die Opfer von Cambridge Analytica geworden sind, haben das Gefühl, sie „“wurden benutzt”

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sagte am Mittwoch vor dem Energie- und Handelsausschuss des Kongresses in Washington aus. Quelle: AP Photo/Andrew Harnik

Anfang der Woche begann Facebook, 87 Millionen Nutzer darüber zu informieren, dass ihre persönlichen Daten von der politischen Datenfirma Cambridge Analytica unsachgemäß verwendet wurden.

Yahoo Finance sprach mit drei aktuellen Facebook-Nutzern, die davon betroffen sind. Alle drei waren frustriert und enttäuscht über die Verletzung ihrer Privatsphäre als Folge dessen, dass Cambridge Analytica Facebook-Nutzerdaten erwarb, die vom Forscher Aleksandr Kogan verkauft wurden. Kogan hatte eine App mit einem Persönlichkeitstest auf Faceook namens „This is Your Digital Life“ entwickelt, die 270.000 Nutzer verwendeten. Aber aufgrund der umfangreichen Zugriffsrechte, die Facebook den Entwicklern damals einräumte, war Cambridge Analytica in der Lage, auch die Daten der Freunde dieser 270.000 Nutzer auszuwerten, weshalb insgesamt 87 Millionen Profile betroffen sind.

Einer davon ist Tonoccus McClain, ein Musiker und Schauspieler aus Los Angeles, der seit Langem Facebook nutzt und am frühen Mittwochmorgen eine Benachrichtigung in der mobile Facebook-App erhielt, die ihm mitteilte, dass die „This Is Your Digital Life“-App manche seiner Daten „missbraucht haben könnte“, indem diese an Cambridge Analytica weitergegeben wurden. Diese Daten „beschränkten“ sich auf Informationen, die in seinem öffentlichen Profil einsehbar sind, wie Seiten-Likes, sein Geburtstag und die Stadt, in der er derzeit wohnt.

Quelle: Facebook.com

McClain selbst nutzte die „This is Your Digital Life” App nicht, was bedeutet, dass einer seiner Freunde sie nutzte und dies führte letztendlich dazu, dass Cambridge Analytica auch Zugriff auf seine Daten erhielt. Facebook hat die App inzwischen gesperrt.

„Warum war ich betroffen?”, fragte sich McClain. „Ich habe das Gefühl, wir wurden benutzt. Ich habe wirklich das Gefühl, wir wurden benutzt. Die guten alten Zeiten, in denen man mal schnell bei Facebook verbeischaut und eine gute Zeit hat und sich mit Freunden verbindet, sind vorbei. Zu wissen, ich könnte beeinflusst haben, dass Donald Trumps ins Weiße Haus einzieht. Mark Zuckerberg hat jetzt viel zu tun.“

Ein weiterer Facebook-Nutzer, der darum bat, zum Schutz der Privatsphäre anonym zu bleiben, drückte seine Enttäuschung darüber aus, dass auch sein Konto betroffen war. Aber da er im Lauf der Jahre mehrere Jobs in der Tech-Branche hatte, war er nicht allzu überrascht.

„Ich habe Freunde in der Tech-Branche gesehen, die alle möglichen Apps auf Facebook nutzen”, erzählte der Facebook-User Yahoo Finance. „Aber es gibt immer einige Leute, die nicht verstehen, was passiert.“

Auch Justin Hendrix, Executive Director von NYC Media Lab in New York City, war nicht schockiert, als sein Konto betroffen war. Auch wenn Hendrix vor einigen Jahren die bewusste Entscheidung traf, seine Facebook-Nutzung einzuschränken – „Ich hatte das Gefühl, ich gab Facebook mehr, als Facebook mir gab“ –, war er trotzdem frustriert, als er erfuhr, dass seine Daten missbraucht wurden.

Hendrix drückte auch seine Enttäuschung über Zuckerberg aus, der am Dienstag und Mittwoch vor dem US-Kongress aussagte. Während seiner Aussage gab der Vorstand von Facebook zu, dass Cambridge Analytica zu einer „Reihe“ von externen Parteien gehört, denen der Forscher Kogan Facebook-Nutzerdaten verkauft hatte. Zuvor war angenommen worden, Cambridge Analytica sei die einzige Firma gewesen, der Kogan Daten verkauft hatte. Während der Anhörung konnte Zuckerberg nicht angeben, wie viele weitere Apps Daten gesammelt hatten.

„Das ist es”, sagte Hendrix. „Deine Daten sind weg. Sie sind da draußen.“

Aber Hendrix sagt, er fühlt sich jetzt allenfalls mehr verpflichtet, sich für mehr Online-User-Datenschutz einzusetzen. Nur wenige Stunden, nachdem Facebook den Cambridge Analytica Daten-Leak im März auf seiner Webseite bekanntgab, ging Hendrix mit „Regulate Social Media“ live – einem persönlichen Projekt und einer Webseite, die, wie er hofft, zu Diskussionen und zivilen Aktionen anregt, da Facebook und andere Technologie-Unternehmen versuchen, die Probleme mit dem Schutz der Userdaten und der Rechenschaftspflicht zu umgehen.

„Wir müssen beginnen, darüber nachzudenken, wie die nächste Generation von Cambridge Analytica aussehen könnte”, fügte Hendrix hinzu.

Trotzdem sagte keiner der Facebook-Nutzer, mit denen Yahoo Finance sprach, dass sie ihr Facebook-Konto löschen würden – eine Bewegung, die nach Cambridge Analytica an Fahrt gewann –, allerdings gesteht Hendrix, dass er seine Konten bei verschiedenen Apps und Services, die er mit seinem Facebook-Konto verbunden hatte – inklusive dem sozialen Ranking-Angebot Klout –, gelöscht hat. Dieser Trend stimmt mit Facebooks aktuellen Nutzer-Wachstumsstatistiken überein, die besagen, dass die meisten Leute sich trotz der Vielzahl von Skandalen des sozialen Netzwerks nicht dazu veranlasst fühlen, ihre Konten tatsächlich zu löschen.

Facebook reagierte nicht auf Yahoo Finances Anfrage für eine Stellungnahme.

JP Mangalindan