Facebook kündigt Neuerungen zum Schutz der Privatsphäre an

Facebook-Chef Mark Zuckerberg bemüht sich im Datenskandal um Schadensbegrenzung

Unter dem massiven Druck des Skandals um Datenmissbrauch hat Facebook weitere Schritte zum besseren Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer angekündigt. Die User sollten "mehr Kontrolle" über ihre Daten bekommen, erklärte der Internetkonzern am Mittwoch. Durch eine Neugestaltung der Facebook-Seiten sollen sie nach Angaben des Unternehmens leichteren Zugang zu Einstellungen und Funktionen erhalten, mit denen sie die Sicherheit ihres Accounts erhöhen können.

Der Skandal dreht sich um die mutmaßliche Abschöpfung der Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern durch die britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica. Die Daten sollen für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump ausgewertet und genutzt worden sein.

Die jetzt angekündigten Neuerungen sollen den Nutzern nach Angaben des Konzerns unter anderem einen leichteren Überblick darüber verschaffen, welche ihrer persönlichen Daten von Facebook gespeichert worden sind, und ihnen dabei helfen, solche Daten herunterzuladen und zu löschen. Ein neues Menü werde es ihnen ermöglichen, rasch die Sicherheit ihres Accounts zu erhöhen.

Eine bessere Informationspolitik ist das Gebot der Stunde

Mittels dieses Menüs könnten sie auch kontrollieren, wer Zugang zu ihren Daten und Online-Aktivitäten bekommt und welche Werbeanzeigen auf ihrer Seite erscheinen, teilten die Facebook-Datenschutzmanagerin Erin Egan und die Vizechefin der Rechtsabteilung, Ashlie Beringer, in einem Interneteintrag mit.

"Wir haben klar und deutlich vernommen, dass die Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre und andere wichtige Funktionen zu schwer zu finden sind und dass wir mehr tun müssen, um die Menschen zu informieren", erklärten die Facebook-Managerinnen. Sie betonten, dass die Neuerungen schon "seit einer Weile" in Arbeit seien.

Facebook steht wegen des Datenskandals unter massivem politischen, juristischen und wirtschaftlichen Druck. So ermitteln in den USA die Verbraucherschutzbehörde FTC und in Großbritannien die Datenschutzbeauftragte zu dem Skandal. Auch die EU-Kommission und der US-Kongress befassen sich damit. Die Facebook-Aktie stürzte um mehr als 15 Prozent ab, wodurch dutzende Milliarden Dollar an Marktwert des Unternehmens vernichtet wurden.

Es kommen ungemütliche Zeiten auf die Chefetage zu

Facebook-Chef Mark Zuckerberg bemühte sich in den vergangenen Tagen mit einer Entschuldigung in großflächigen Zeitungsanzeigen und anderen persönlichen Reue-Erklärungen um Schadensbegrenzung. Der US-Sender "CNN Money" berichtete am Dienstag, dass sich Zuckerberg zudem entschieden habe, einer Einladung durch den Justizausschuss des US-Senats nachzukommen und dort zu einer Anhörung zu erscheinen.

Der Senatsausschussvorsitzende Chuck Grassley hat Zuckerberg ebenso wie die Chefs von Google und Twitter, Sundar Pichai und Jack Dorsey, für den 10. April zu einer Anhörung über die Datensicherheit eingeladen.

Cambridge Analytica: Wer wusste was? Und wann?

Vom britischen Parlament will sich Zuckerberg hingegen nicht persönlich befragen lassen. Der dortige Ausschuss für Digitalangelegenheiten veröffentlichte den Brief einer Konzernvertreterin, welche stattdessen das Erscheinen anderer Facebook-Vertreter anbot. Der Ausschuss beharrt aber weiter auf der persönlichen Befragung von Zuckerberg.

Der Facebook-Chef hatte bereits in der vergangenen Woche Neuerungen zum besseren Schutz der Nutzerdaten angekündigt. So nannte er unter anderem eine deutlich sichtbare Funktion, die den Usern anzeige, welchen Apps sie die Verwendung ihrer Daten erlaubt haben. Cambridge Analytica hatte die Daten über ein solches Miniprogramm abgefischt.

Der Skandal hat Facebook in die schwerste Krise seiner 14-jährigen Geschichte gestürzt. Das Geschäftsmodell des Internetriesen ist dadurch bedroht. Es beruht auf der massiven Sammlung von privaten Nutzerdaten.

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