Facebook, Google und Twitter wollen mehr gegen Manipulationen im Netz tun

Angesichts massiver russischer Manipulationsversuche im Internet mit dem Ziel der Einflussnahme auf den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 haben die führenden US-Internetkonzerne am Dienstag einen verstärkten Kampf gegen Desinformationskampagnen und Propaganda auf ihren Plattformen angekündigt. Die russische Regierung wies die Vorwürfe einer Einmischung in den Wahlkampf erneut zurück.

"Wir sind tief besorgt angesichts all dieser Bedrohungen", sagte der Facebook-Vizechef und oberste Rechtsvertreter des Sozialnetzwerks, Colin Stretch, bei einer Anhörung im US-Senat. "Dass ausländische Akteure, die sich hinter falschen Accounts verbergen, unsere Plattform und andere Internetdienste missbraucht haben, um Spaltung und Zwietracht zu säen, und unseren Wahlprozess zu untergraben, ist ein Angriff auf die Demokratie und verletzt all unsere Werte", sagt Stretch vor dem zuständigen Justiz-Unterausschuss.

Auch der Chef der Rechtsabteilung bei Twitter, Sean Edgett, räumte ein, dass der Kurzmitteilungsdienst künftig wachsamer sein müsse. "Wir stimmen zu, dass wir noch besser werden müssen, um es zu verhindern", sagte Edgett angesichts zigtausendfach automatisch generierter Inhalte.

Der Senator und Ausschutzvorsitzende Lindsey Graham sagte, die russische Regierung sei "tief verstrickt in die Manipulation von Websites sozialer Medien" mit dem Ziel der Spaltung der US-Gesellschaft. Manipulationen von sozialen Medien durch ausländische Regierungen oder Extremisten seien "eine der größten Herausforderungen für die amerikanische Demokratie".

US-Medien hatten zuvor berichtet, dass die russischen Manipulationsversuche im Internet zur Präsidentschaftswahl weitaus stärker gewesen seien als bislang angenommen. Das Onlinenetzwerk Facebook geht demnach davon aus, dass zwischen 2015 und 2017 bis zu 126 Millionen Nutzer in den USA von russischen Quellen veröffentlichte Kommentare, Berichte und andere Inhalte erhielten.

Der Internetriese Google erklärte am Montag erstmals öffentlich, ebenfalls manipulative Inhalte dieser Art auf seinen Plattformen entdeckt zu haben. Wie bei Facebook stünden auch diese mit der in St. Petersburg sitzenden Einrichtung Internet Research Agency in Verbindung, erklärten die ranghohen Google-Vertreter Kent Walker und Richard Salgado im offiziellen Blog des Unternehmens. Dabei handele es sich aber um "begrenzte Aktivitäten".

Auf der Videoplattform Youtube, die zu Google gehört, wurden demnach 18 seither gesperrte Kanäle gefunden, die "wahrscheinlich" mit der russischen Kampagne verbunden seien. Insgesamt wurden dort rund 1100 englischsprachige Videos hochgeladen, die in den 18 Monaten vor der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten etwa 309.000 Mal angeklickt wurden, wie es weiter hieß.

Twitter identifizierte laut einer Quelle, die in die Untersuchungen eingeweiht ist, 36.746 offenbar mit einem russischen Konto verbundene Konten, die "automatisch mit der Wahl zusammenhängende Inhalte generierten". Dies sei in den letzten drei Monaten vor der Wahl geschehen. Insgesamt erstellten diese Konten rund 1,4 Millionen Tweets, die wiederum 288 Millionen Antworten, Kommentare, Weiterleitungen und andere Reaktionen von Nutzern auslösten.

Vertreter von Facebook, Google und Twitter werden am Mittwoch weiter im Kongress zu der mutmaßlichen russischen Einflussnahme befragt. Die US-Geheimdienste werfen Russland vor, sich im vergangenen Jahr in den US-Wahlkampf eingemischt zu haben, um dem Republikaner Trump zum Sieg über seine demokratische Rivalin Hillary Clinton zu verhelfen. Der Kreml bestreitet eine Einmischung in den US-Wahlkampf. Es gebe "nicht einen einzigen Beweis" für eine russische Einflussnahme, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag.

Die Anhörungen finden vor dem Hintergrund der am Montag bekannt gewordenen Anklageerhebung gegen drei frühere Trump-Berater im Zuge der Russland-Affäre statt. Der frühere Wahlkampfleiter Paul Manafort und sein Vertrauter Richard Gates werden im Zusammenhang mit ihrer Lobbyistenarbeit für pro-russische Kräfte in der Ukraine unter anderem der Verschwörung zur Geldwäsche beschuldigt. Dem dritten Angeklagten George Papadopoulos werden Falschaussagen angelastet.