Facebook baut Instagram aus – und attackiert Youtube und Snapchat


Datenskandal, Fake-News, Hass-Propaganda: Facebook kommt seit Monaten nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus. Doch in einem Teil des Konzerns ist die Welt noch in Ordnung: Instagram.

Nach Meinung der Analysten ist der Bilderdienst der Superstar im Facebook-Portfolio. Die Wachstumsraten sind rasant, das potentielle Werbebudget ist selbst für Digitalverhältnisse traumhaft – und bislang ist Instagram von schlechten Nachrichten verschont geblieben.

Nun hat das Unternehmen nachgelegt und eine neue App an den Start gebracht: Mit IGTV, das für Instagram TV steht, startet das seit 2014 zum Facebook-Konzern gehörende Netzwerk eine eigene Videoplattform.


60-Minütige Bewegtbilder sind jetzt kein Problem mehr. Zuerst können namhafte Medien und Marken die Plattform nutzen, dann soll das Format für jeden zugänglich werden. „Es ist an der Zeit für Videos, vorzurücken und sich weiterzuentwickeln“, sagte Instagram-Chef Kevin Systrom zur Vorstellung am Mittwochabend.

Mit der Offensive greift Instagram nicht nur nach neuen Werbebudgets und neuen Nutzern, sondern sichert den Gesamtkonzern ab. Für ein Leben nach Facebook.

Eine Milliarde aktive Nutzer hat Instagram pro Monat – halb so viele wie Facebook. Doch der Bilderdienst wächst kräftig: 2017 kamen 85 Millionen Nutzer hinzu – deutlich mehr, als Analysten erwartet hatten. Sie hatten erst 2019 damit gerechnet, dass Instagram die Milliarden-Nutzer-Marke knackt.

Dem Marktforschers eMarketer zufolge dürfte Instagram stärker wachsen als Facebook – auch wenn die Konzernmutter bei den Gesamtnutzerzahlen vorerst weiter vornebleiben dürfte.


Doch Facebook hat ein Altersproblem: Gerade junge Nutzer scheinen dem Netzwerk nicht viel abgewinnen können. Laut einer Forsa-Umfrage nutzten 2017 rund 14 Prozent der Befragten Instagram, gerade einmal zwei Prozent Facebook.

Markus Kreher, Head of Media bei KPMG, erklärt den Erfolg von Instagram bei jungen Leuten so: „Der besondere Reiz liegt darin, dass sie viel mehr auf visuelle Medien fokussiert ist als andere Social Media-Plattformen.“ Als Konsumenten der Zukunft sind sie für die Werbeindustrie eine interessante Zielgruppe.

Kein Wunder also, dass Instagram boomt: Der Marktforscher eMarketer schätzt, dass der Bilderdienst 2018 einen Umsatzzuwachs von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen wird. Mit rund 5,5 Milliarden Dollar macht Facebook ungefähr 28 Prozent vom Umsatz des Facebook-Konzerns aus. Bis 2020 dürften es bis zu vierzig Prozent werden.

Instagram scheint dabei wie eine zusätzliche Absicherung, falls es bei Facebook irgendwann nicht mehr rund läuft. Video-Inhalte sind dabei ein entscheidender Baustein – Mark Zuckerberg bezeichnet Videos als „Megatrend“.

Doch die Konkurrenz ist groß: Bei der Google-Tochter Youtube ist eine gigantische Subkultur um die sogenannten Influencer entstanden, die in Videos ihre Millionen Fans mit Einblicken aus ihrem Leben erfreuen. Snapchat Discover will mit einer Mischung aus Nachrichtenportal und Unterhaltungssender die Nutzer bei Laune halten.

Beide Plattformen attackiert Facebook mit seiner neuen IGTV-App. Bei den Aktionären kommt der Video-Kurs zumindest gut an: Die Facebook-Aktie stieg nach der Ankündigung von IGTV auf über 200 US-Dollar. Bei Snapchat senkten Analysten dagegen in dieser Wochen das Kursziel.

Doch das Beispiel Youtube zeigt, wie riskant die Video-Strategie von Facebook ist: Youtube musste aufgrund von problematischen Inhalten bereits Werbekunden beschwichtigen. Auch das könnte Instagram blühen. Doch die Hoffnung liegt in Künstlicher Intelligenz - das Unternehmen arbeitet bereits mit Systemen, denen es nahezu treffsicher möglich ist, problematische Inhalte in Bildern und Videos zu erkennen.

Facebook ist in der Lage Videos bereits im Upload-Prozess zu untersuchen und im Falle des Falles auszusieben. Solche Systeme könnten auch bei Instagram dazu beitragen, dass die negativen Schlagzeilen auch weiterhin ausbleiben.