F1-Teams zoffen sich bei Meeting - Binotto im Mittelpunkt

SPORT1

Das große Formel-1-Meeting am Donnerstag ist offenbar deutlich weniger harmonisch verlaufen als gedacht. So berichtet Motorsport Total, dass vor allem Ferrari-Teamchef Mattia Binotto heftigen Gegenwind bekam.

Die zehn F1-Teams hatten sich mit dem Automobil-Weltverband FIA und Rechteinhaber Liberty Media rund dreieinhalb Stunden in einer Video-Konferenz unterhalten, um die Zukunft der Motorsport-Königsklasse während der Coronakrise zu besprechen.

Die seit einigen Tagen diskutierte Idee, die 2020er-Autos auch 2021 einzusetzen und dafür die Regelreform auf 2022 zu verlegen, sorgte vor allem bei Ferrari für Kritik. Binotto wollte diesen Vorschlag nicht hinnehmen und handelte sich laut Daily Mail dabei Ärger ein.


Binotto kommt mit Protest nicht durch

Binottos Standpunkt ist aus seiner Sicht verständlich: Der neue Ferrari SF1000 ist laut den Testergebnissen kein Wunderauto, eine weitere Saison mit dem Boliden würde der Scuderia nicht weiterhelfen im Kampf um den ersten WM-Titel seit 2007. Außerdem verfügt Ferrari im Gegensatz zu anderen Teams über das Geld, die Regelreform bereits bis 2021 umzusetzen, wenn noch keine Budget-Obergrenze festgelegt ist.


In der sehr lautstark geführten Debatte setzte sich Binotto allerdings offenbar nicht durch, vor allem Christian Horner (Red Bull) und Zak Brown (McLaren) hatten dabei gegen Ferrari argumentiert. Ferrari-Kritiker Toto Wolff von Mercedes fehlte wegen Terminproblemen in dem Meeting, für den Weltmeister-Rennstall nahm stattdessen der Technische Direktor James Allison teil.

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Bei der Konferenz wurde außerdem eine Revolution in der aktuellen Saison diskutiert - künftig könnten wie beispielsweise in der Formel 2 und 3 zwei Rennen pro Wochenende steigen und dafür die Freitagstrainings wegfallen.

Red-Bull-Boss Helmut Marko erklärte im ORF die Möglichkeit, "dass man nur Zweitagesveranstaltungen macht und das Freitagstraining lässt. Es ist auch die Rede davon, dass auf gewissen Rennstrecken Doppelveranstaltungen durchgeführt werden."

Saisonstart frühestens im Juni

Durch diverse wegen der Coronakrise abgesagte Rennen steigt der Saisonstart frühestens am 7. Juni in Baku.

Marko zu den Planungen: "Der Plan schaut jetzt so aus, dass die jetzt abgesagten Rennen dann in einem intensiven Programm über den Sommer und bis in den Dezember hinein nachgeholt werden, sodass man auf einen Rennkalender von circa 18 Veranstaltungen kommen wird."


Diese könnten dann theoretisch an nur neun Standorten stattfinden, auch wenn Vorhersagen wegen der Corona-Pandemie im Moment unseriös sind.

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Der frühere englische Formel-1-Pilot Martin Brundle sieht die Möglichkeit durchaus als realistisch an: "Wenn es wieder losgeht, kann ich mir gut vorstellen, dass noch 16 oder 17 Rennen möglich sind. Dreifach- oder Vierfach-Header, dann vielleicht eine Woche Pause, und weiter geht's! Vielleicht verkürzen sie auch die Rennwochenenden auf zwei statt drei Tage", erklärte der F1-Experte bei Sky Sports.

Geister-Rennen für Brundle keine Option

"Ich glaube schon, dass die Möglichkeit besteht, eine repräsentative Saison abzuhalten. Erinnern wir uns: In Zeiten von Sir Stirling Moss oder Fangio bestand eine Weltmeisterschaft auch nur aus sieben oder acht Rennen."

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Diskutiert wird unter Fans und Experten auch die Möglichkeit, die Rennen ohne Zuschauer abzuhalten. Brundle (60) ist gegen diese Idee. "Etwa in Silverstone ein Rennen ohne Zuschauer zu fahren wird nicht gehen. Daran gehen sie bankrott. Wir müssen abwarten, bis wir wieder mit Zuschauern fahren und es richtig machen können."