Fürst von Liechtenstein sorgt sich um Katalonien

Der Fürst eines Kleinstaates warnt vor Kleinstaaterei: Zwar betont Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein die Bedeutung des Selbstbestimmungsrechts der Völker. Abspaltung könne aber nur der letzte Schritt sein.


Der Konflikt um Katalonien hat die Sorge vor einer zunehmenden Kleinstaaterei in Europa verstärkt. Sogar Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein, selbst Oberhaupt eines Kleinstaates, ist skeptisch. „Ein unabhängiges Katalonien könnte eine Kettenreaktion auslösen“ sagte er dem Handelsblatt in München. „Es ist für Spanien nicht ungefährlich. Dann kommt das Baskenland als nächstes.“ Der Fürst hatte einst in jungen Jahren ein Bankpraktikum im Baskenland gemacht.

Fürst Hans-Adam II war zu einer Tagung des Ludwig von Mises Institus in München. Das Thema: „Small is beautiful.“ Allein kommt er zum Interview in den Bayerischen Hof und erzählt erst einmal Anekdoten aus seinem Leben, von der Freundschaft mit Alfred Herrhausen bis zurück in die Zeit, als er im Fürstentum Justizwesen und Wirtschaft reformierte.


Aktuell treibt in die Entwicklung in Spanien um. In seinem Buch „Der Staat im dritten Jahrtausend“ spricht er sich mit Verve für das Selbstbestimmungsrecht aus. „Solange die Mächtigen dieser Erde immer wieder versuchen, das Selbstbestimmungsrecht als ein theoretisches Recht darzustellen, das in der Praxis nicht anwendbar ist, halte ich das für problematisch“, schreibt er. Man müsse sich bemühen, „viele kleine Fürstentümer weltweit zu schaffen, in denen die Menschen glücklich und frei leben können“.

Doch eine sofortige Unabhängigkeit Kataloniens hält er nicht für den richtigen Schritt. „Wichtig wäre eine Dezentralisierung auf Gemeindeebene. Das kann den Druck nehmen, der sich aufbaut.“ Eine Unabhängigkeit könne allenfalls ganz am Ende einer Entwicklung stehen.

Dass Kleinstaaten überlebensfähig sein können – in vielerlei Hinsicht mit effizienter Verwaltung und direkter Demokratie sogar Vorbild für die Großen –, davon ist er aber überzeugt. Eine Voraussetzung gebe es allerdings. „Ohne Freihandel können Kleinstaaten nicht überleben.“ Vielerorts geht ja die Entwicklung derzeit eher in Richtung Protektionismus. Doch Fürst Hans-Adam II. ist überzeugt: „Es ist schwierig, die Entwicklung heute noch zurückzudrehen. Da bin ich Optimist.“


Der Fürst hatte 1989 die Regentschaft von seinem Vater Franz Josef II. übernommen. Unter seiner Führung trat Liechtenstein den Vereinten Nationen und dem Europäischen Wirtschaftsraum bei. Hans-Adam II. gilt als wohl reichster Monarch Europas mit einem Vermögen von geschätzt sieben Milliarden Euro.

Auch wenn die Industrie der dominierende Sektor ist, wuchs in den vergangenen Jahren die Bedeutung des Finanzplatzes immens. Auch Liechtenstein hatte dabei seine Steuerskandale. Ex-Postchef Klaus Zumwinkel war mit einer Stiftung einer der prominentesten Fälle. Im Nachhinein sieht der Fürst von Liechtenstein das Bekanntwerden der Affären als Glücksfall.

Seit den Steuerabkommen mit der EU hat sich viel getan, Liechtenstein schwenkte früher als andere Finanzplätze noch stärker auf eine Weißgeldstrategie um. „Es ist ein bissl' Geld abgezogen worden“, sagt er mit leicht österreichischem Akzent, „doch das hat sich schnell wieder aufgefüllt.“ Die stärkere Regulierung habe sich nicht als Problem erwiesen. „Es leiden eher die Anwälte.“


Der Finanzplatz, an dem 16 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten, hat den Anpassungsprozess in der Tat insgesamt gut überstanden. Die Banken verwalten heute mehr Vermögen als 2007. Die fürstliche LGT-Bank versteht sich als weltweit größte Private-Banking- und Asset-Management-Gruppe, die vollständig im Besitz einer Unternehmergruppe ist. Es sei richtig gewesen, sich ganz auf die Vermögensverwaltung zu konzentrieren, sagt der Fürst von Liechtenstein. Die Geschäfte liefen weiter gut. „Die Niedrigzinsphase hilft uns.“ Kreative Anlageideen seien gefragt.

Im ersten Halbjahr stieg das verwaltete Vermögen der LGT-Gruppe auch dank Übernahmen um 19 Prozent auf 181 Milliarden Schweizer Franken. „Unsere stabile Eigentümerstruktur, eine langfristige Strategie, die starke Kapitalbasis und unsere verbindende Unternehmenskultur sind Erfolgsfaktoren bei der Weiterentwicklung des Geschäfts“, sagte Vorstandschef Prinz Max von und zu Liechtenstein.

Hans-Adam II. ist Optimist. Die größte Sorge? „Die Verschuldung der Staaten sehe ich immer noch als großes Problem“, sagt er. In der Öffentlichkeit ist das Thema wieder etwas in den Hintergrund geraten. Doch wenn die Zinsen wieder anziehen, kämen unter anderem Banken mit vielen Staatsanleihen im Portfolio in Schwierigkeiten. Liechtenstein kennt das Thema Verschuldung nur aus der Außensicht. Im Gegenteil: Allein die verfügbare Liquidität deckt einen ganzen Jahreshaushalt.