Ich fürchte, Warren Buffett ignoriert diese große Bedrohung

Motley Fool Investmentanalyst

Berkshire Hathaway (WKN:A0YJQ2) ist eines meiner Lieblingsunternehmen und eine Aktie, von der ich allgemein erwartet habe, dass ich sie jahrzehntelang besitzen werde. Unter der Leitung von Warren Buffett und seinem unterschätzten Investmentpartner Charlie Munger hat Berkshire in den vergangenen vier Jahrzehnten lebensverändernden Reichtum für eine Vielzahl von Menschen geschaffen.

Aber trotz all dieser Erfolge und einer guten Chance, dass Berkshire auch in den kommenden Jahren ein starkes Unternehmen bleiben wird, habe ich Bedenken, wie gut sich das Unternehmen auf zwei große Veränderungen vorbereitet, die den Cashflow in den kommenden Jahren beeinflussen könnten: selbstfahrende Autos und alternative Kraftstoffe. Meine größte Befürchtung ist, dass Buffett einen toten Winkel für diese Entwicklung hat, und das könnte Probleme mit sich bringen.

Riesige Veränderungen

Eine der größten Tochtergesellschaften von Berkshire ist der Autoversicherer GEICO. Laut Buffetts Brief an die Aktionäre betrug der Versicherungsgewinn von GEICO im Jahr 2016 462 Millionen US-Dollar, was etwa 22 % des gesamten Versicherungsgewinns von Berkshire entspricht. Sein Sicherheitspolster betrug 17,1 Milliarden US-Dollar am Jahresende, was 19 % des Gesamtumsatzes entspricht. Buffett hat über die Wettbewerbsvorteile und das Wachstum von GEICO gesprochen:

Die niedrigen Kosten von GEICO schaffen einen Wettbewerbsvorteil, den die Konkurrenten nicht haben. Jahr für Jahr konnte das Unternehmen so seinen Marktanteil steigern und schloss 2016 mit rund 12 % des Branchenvolumens ab. 1995 hatten wir 2.5 %, als Berkshire GEICO kaufte. Die Zahl der Beschäftigten stieg von 8.575 auf 36.085.

Das Wachstum von GEICO beschleunigte sich in der zweiten Jahreshälfte 2016 dramatisch. Die Schadenskosten in der gesamten Autoversicherungsbranche stiegen unerwartet schnell an, und einige Wettbewerber verloren ihre Begeisterung für Neukunden. GEICO reagierte jedoch auf den Gewinnrückgang mit einer Beschleunigung des Neugeschäfts. Wir machen gerne Heu, während die Sonne untergeht, weil wir wissen, dass sie sicher wieder aufgehen wird.

Der Sonnenuntergang ist bei selbstfahrenden Autos die falsche Analogie. Es wird sich wahrscheinlich viel bei den Autoversicherungen ändern. Die Größenordnung von GEICO sollte dem Unternehmen dabei helfen, ein dominanter Versicherer zu bleiben, aber weniger Unfälle und niedrigere Prämien scheinen dazu bestimmt zu sein, die Branche in Zukunft zu einer kleineren, weniger profitablen Industrie zu machen.

Deshalb befürchte ich, dass Buffett das nicht versteht

Im Oktober gab Berkshire Hathaway bekannt, dass es eine große Beteiligung an der privat gehaltenen Pilot Travel Centers LLC, dem Unternehmen hinter Pilot und Flying J Truck Stopps und Reisezentren, kaufen werde. Berkshire wird zunächst 39 % des Unternehmens kaufen, aber dieser Anteil wird sich 2023 auf 80% erhöhen.

Oberflächlich gesehen ist das eine typische „Buffett“ -Investition. Pilot Flying J ist der führende Betreiber von Reisezentren und Truck Stops in Nordamerika, mit 750 Standorten und 20 Milliarden US-Dollar Umsatz pro Jahr. Die Größe des Unternehmens ist ein großer Vorteil, da mehr Standorte bedeutet, dass mehr Trucker, Reisebusbetreiber und andere Fuhrparks mit dem Unternehmen Verträge zur Betankung abschließen wollen. Das hat sich auch bei der Gewinnung anderer Handels- und Gastronomiepartner bewährt, die für den Zugang zu dem enormen Kundenverkehr, der durch die Standorte des Unternehmens fließt, zahlen werden.

Zwar dürfte Pilot Flying J in naher Zukunft durch diese Vorteile auch weiterhin profitabel sein, werden selbstfahrende Autos und alternative Kraftstoffe werden in den kommenden Jahren die kommerzielle Transportlandschaft aber stark verändern. Ein bedeutender Teil des Unternehmens ist auf die Erbringung von Dienstleistungen für die Berufskraftfahrer der mehr als zwei Millionen schweren und mittelschweren Nutzfahrzeuge, die heute im Einsatz sind, ausgerichtet.

Gleichzeitig sind auch alternative Kraftstoffe auf dem besten Weg, eine wichtige Rolle einzunehmen. Heute verkauft das Unternehmen mehr Dieselkraftstoff als jeder andere US-Kraftstoffhändler, obwohl es einige Schritte unternommen hat, um sich auf die niedrigere Nachfrage vorzubereiten. Erneuerbare Energieträger wie Strom und Wasserstoff sind aus verschiedenen Gründen (vor allem Ladezeit, Batteriegewicht und Zugang zur Kraftstoffinfrastruktur) noch keine praktikablen Alternativen, während Erdgas billiger, sauberer und reichlich verfügbar ist. Pilot Flying J hat heute an rund 100 Standorten Erdgastankstellen eröffnet, was durch eine Partnerschaft mit Clean Energy Fuels Corp möglich wird.

Der Clou: Treibstoff und Fahrer sind die beiden größten Ausgaben für die Flottenbetreiber, und sie werden in ZukunftTechnologien einsetzen, die ihnen helfen, diese Kosten zu senken. Pilot Flying J wird mit großer Wahrscheinlichkeit Geschäft verlieren, da das Geschäft auf dem Catering für Lkw-Fahrer und der Betankung und Wartung ihrer Fahrzeuge aufgebaut ist. Und es sieht so aus, als ob das Timing von Berkshire nicht schlechter hätte sein können, denn das Unternehmen wird seine Beteiligung verdoppeln, wenn die autonome Antriebstechnik auf dem Markt eine breite Akzeptanz finden sollte.

Ich verkaufe nicht, aber ich pass besser auf.

Buffett schrieb einmal: „Der Schlüssel zum Investieren besteht nicht darin zu beurteilen, wie stark sich eine Branche auf die Gesellschaft auswirken wird oder wie stark sie wachsen wird, sondern vielmehr darin, den Wettbewerbsvorteil eines jeden Unternehmens und vor allem die Dauerhaftigkeit dieses Vorteils zu bestimmen“. Seine Fähigkeit, genau das zu tun, ist der wichtigste Grund, warum Berkshire Hathaway seit Jahrzehnten eine Maschine ist, die immer mehr Wohlstand schafft. Ohne diesen Vorteil verliert Berkshire seinen Glanz als potenzielle marktbeherrschende Investition.

Wenn Buffett die Auswirkungen des Megatrends selbstfahrende Autos und alternative Kraftstoffe ignoriert oder unterschätzt, ist das eine große Schwäche bei der Bewertung von Investitionen. Ich denke, Buffett hat die Wettbewerbsvorteile von Pilot Flying J aus genau diesem Grund überbewertet.

Ich verkaufe Berkshire nicht, aber ich werde mich mehr darauf konzentrieren, wie Buffett in die Zukunft investiert. Wenn ich ein Investitionsmuster sehe, das den Megatrend der alternativen Kraftstoffe und autonomen Fahrzeuge ignoriert, werde ich mich vielleicht entscheiden, zu verkaufen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Berkshire Hathaway B und Clean Energy Fuels Corp.

Dieser Artikel wurde von Jason Hall auf Englisch verfasst und am 15.11.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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