Für Werbezar Sorrell rückt der Abschied näher


Der Werbe-Riese WPP rüstet sich für den Abgang seines übermächtigen Chefs, Martin Sorrell: Der 73-Jährige Gründer steht wegen des Vorwurfs des persönlichen Fehlverhaltens und des Missbrauchs von Unternehmenseigentum unter Druck.

Noch steht Sorrell an der Spitze von WPP, unter dessen Dach hunderte Werbeagenturen mit 130.000 Mitarbeitern in 112 Ländern organisiert sind. Doch nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hat der WPP-Aufsichtsrat bereits einen Nachfolger auserkoren, falls Sorrell abtritt.

Zuletzt haben interne Ermittler Sorrell Ende März zu den Vorwürfen verhört, berichtet Bloomberg unter Berufung auf einen Insider. Für Guy Jubb, Wirtschaftsprofessor an der Universität Edinburgh, ist der Fall beispielhaft für Konzerne mit als unantastbar geltenden Chefs. „Wieder einmal wird deutlich, dass es zu Problemen führt, wenn ein einzelnes Individuum zu viel Macht besitzt.“


Doch die Vorwürfe gegen den Chef sind nicht das einzige Problem von WPP: Der Werbekonzern, zu dem auch die deutsche Agentur Scholz & Friends gehört, kämpft mit der Verlagerung von Werbe-Budgets – weg von klassischen Agenturen, hin zu den Internetriesen Google und Facebook. Zudem hatten die Großkunden Unilever und Procter & Gamble zuletzt angekündigt, ihre Werbeausgaben zu senken.

Das schlägt auch auf die Bilanz durch: Im März präsentierte WPP das schlechteste Jahresergebnis seit der Finanzkrise. Der Aktienkurs verlor innerhalb von zwölf Monaten gut ein Drittel seines Werts.

Für WPP kommen die Vorwürfe gegen Sorrell daher zur Unzeit: Selbst hochrangige Manager seien von den Anschuldigungen überrascht gewesen, berichtet Bloomberg weiter. Der Werbekonzern bemühte sich schnell, die Aktionäre zu beruhigen. Man gehe den Vorwürfen nach. Rechtsrisiken, die an die Substanz des Milliardenkonzerns gehen, seien nicht zu erwarten.

Großaktionäre geben weiter Rückendeckung

Doch die Märkte reagierten schockiert auf die neuen Negativschlagzeilen: Der WPP-Kurs brach am Mittwoch erneut um zwischenzeitlich knapp vier Prozent ein.


Noch hat Sorrell allerdings die Rückdeckungen von Großaktionären: „Solange sich die Vorwürfe gegen Sir Martin Sorrell nicht erhärten, glauben wir weiterhin, dass er der Richtige ist, um WPP durch diese schwierige Phase zu führen“, sagte David Herro von der Investmentfirma Harris Associates, die rund acht Prozent an WPP hält.

Dennoch fordern manche Aktionäre, die Hängepartie an der Konzernspitze zu beenden: „Wir wollen einen klaren Schritt in Richtung einer Nachfolge-Regelung“, sagte Fondsmanager Ketan Patel von Edentree Investment. Sorrell habe keinerlei Vorkehrungen getroffen für den Fall, dass er eines Tages gehe, kritisiert er.