Das Auf und Ab an den Börsen sorgt für Verunsicherung. Doch sind Konten und Sparbücher der richtige Schutz vor Turbulenzen?

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Das Auf und Ab an den Börsen sorgt für Verunsicherung. Doch sind Konten und Sparbücher der richtige Schutz vor Turbulenzen?


Seit einigen Wochen ist es Anlegern wieder mehr als präsent: Für den Aktienmarkt braucht man mitunter starke Nerven. Der Dax befindet sich mehr oder weniger im Rückwärtsgang, hat von seinem Hoch Ende Januar unterm Strich rund 1.200 Punkte verloren. An manchem Tag fiel das Börsenbarometer binnen Minuten um 180 Punkte.

Investoren sorgen sich seither vor allem um die steigende Inflation in den USA, aber auch in Europa und deutlich anziehende Zinsen. Zusätzlich verunsichern die aktuell schwächeren Konjunkturindikatoren für Deutschland und Europa.

Auch zahlreiche Bankstrategen gehen davon aus, dass die Aktienkurse noch weiter an Wert einbüßen. Kein Wunder, dass Anleger um die Stabilität an den Börsen fürchten und bei jeder negativen Nachricht Wertpapiere auf den Markt werfen.

Wer das nicht einfach aussitzen mag oder kann, sollte einen Teil seiner in den vergangenen Jahren erzielten Kursgewinne versilbern und das Geld beiseitelegen. „Das macht immer Sinn“, sagt Sigrid Herbst vom Frankfurter Finanzberater FMH-Finanzberatung.

Und wenn die Lage dann wieder einschätzbarer scheine, könne man vielleicht noch günstiger wieder einsteigen. Grundsätzlich „müssen Anleger Liquidität als wesentlichen Bestandteil eines Risikomanagements verstehen“, sagt Hansjörg Pack, Fondsmanager bei der Deutsche-Bank-Fondstochter Deutsche Asset Management.



Auch Neulinge am Aktienmarkt sollten auf dem aktuellen Kursniveau nicht voll einsteigen, mahnt er. Das Motto sei vielmehr: „Kaufe ein paar Aktien, aber halte die Hälfte des Pulvers trocken, um bei Bedarf günstiger nachkaufen zu können.“

Solchen Zwecken dienen Konten, auf denen sich Kapital jederzeit abrufbar parken lässt. Die fleißigen deutschen Sparer übertreiben es allerdings: Sie horten ihr Geld auf Tagesgeld-, Festgeldkonten sowie auf Sparbüchern, kritisieren Experten immer wieder.

Auf Konten, Sparbüchern oder als Bargeld horten die Deutschen insgesamt rund 2,3 Billionen Euro oder knapp 40 Prozent ihres Geldvermögens, wie die Deutsche Bundesbank feststellt.

Für die strategische Anlage eignen sich diese nahezu zinsfreien Konten nicht, selbst wenn der Sparzins irgendwann wieder etwas steigen sollte. Es lässt sich dort kaum Vermögen bilden, weil das Geld ohne messbaren Ertrag wenig für den Sparer arbeitet. Und seit die Inflation wieder gestiegen ist auf zuletzt 1,6 Prozent in Deutschland, verbrennen Sparer sogar real Geld.

Ein Blick auf die verschiedenen Angebote von Tages- und Festgeld kann dennoch nicht schaden. Zwar bleiben die Zinsen auf den Konten überschaubar. Im Durchschnitt zahlen Banken und Sparkassen für Tagesgeld 0,14 Prozent im Jahr, wie FMH berechnet. Für Festgeld über ein Jahr erhalten Sparer im Schnitt 0,18 Prozent.



Noch magerer ist die Ausbeute auf Sparkonten: Der Zins für klassische Sparbücher liegt inzwischen im Mittel bei 0,03 Prozent. Dennoch gibt es Unterschiede, wie Herbst von FMH betont. So zahlen vor allem viele Sparkassen und Volksbanken seit einiger Zeit nichts mehr für Einlagen auf Konten oder bieten Tages- und Festgeld gar nicht mehr an.

Andere Institute zwacken ihren Kunden Strafzinsen oder Gebühren ab. Aufgefallen sind FMH-Frau Herbst vor allem Volksbanken. Manche nennen es „Verwahrzins“, andere schlicht „Kontogebühr“, erklärt sie. So verlangt beispielsweise die Volksbank Freiburg ab einer Anlagesumme von 750.001 Euro 0,4 Prozent Strafzinsen im Jahr.

Die VR Bank Mittelsachsen zieht bereits ab 100.000 Euro 0,3 Prozent Zinsen ab. Die Volksbank Eisenberg aus Thüringen zahlt gar keinen Zins, bucht dafür 3,50 Euro im Monat an Kontoführungsgebühr ab. Ebenso geht die Ethikbank vor.

Bestangebote bei ausländischen Banken

Das beste Angebot für das täglich verfügbare Tagesgeld zeigt zwar immerhin noch eine Eins vor dem Komma. Allerdings zahlen Spitzenanbieter ihre Zinsen nur neuen Kunden oder für frisches Geld und auch nur für eine gewisse Zeit. Die Consorsbank bietet ein Prozent bis zu einer Anlagesumme von 50.000 Euro für sechs Monate. Danach gibt es magere 0,01 Prozent.

Die ING-Diba, der Marktführer mit mehr als sechs Millionen Tagesgeldkunden, zahlt 0,75 Prozent für vier Monate ebenfalls für Einlagen bis 50.000 Euro. Anschließend bleiben Sparern 0,1 Prozent.

Über den Online-Vermittler Zinspilot bietet die zum Verkauf stehende HSH Nordbank 0,8 Prozent im Jahr. Allerdings sollen private Investoren kurz davorstehen, die angeschlagene Landesbank zu übernehmen.

Den besten Zins ohne Beschränkungen zahlt die deutsche Tochter der gleichnamigen türkischen Akbank mit 0,5 Prozent im Jahr. Wer sein Geld zu einem planbaren Zins anlegen möchte, erhält bei der Akbank für Festgeld über ein Jahr 0,75 Prozent und für sechs Monate 0,7 Prozent pro Jahr.


Die estnische Big Bank zahlt die gleichen Sätze. Dort muss der Sparer aber mit einem verringerten EU-Einlagenschutz von 100.000 Euro pro Person leben. Die Akbank gehört dagegen dem Einlagenschutz des Bundesverbands deutscher Banken an. Dort sind gut 115 Millionen Euro pro Sparer abgesichert.

Auch über Onlinevermittler locken vor allem ausländische Kreditinstitute mit überdurchschnittlichen Zinsen. So zahlt die tschechische J & T Banka 1,15 Prozent Zinsen für Festgeld für ein Jahr über den Vermittler Weltsparen. Bei der rumänischen Alpha Bank Romania bekommen Sparer 1,11 Prozent Zinsen im Jahr über Zinspilot.

Allerdings müssten Sparer ihr Kapital bei einer Pleite in dem Land der Bank einklagen. Und im Fall der Alpha Bank hätten Sparer nach dem EU-Einlagenschutz nur einen Anspruch auf den Gegenwert von 100.000 Euro in rumänischen Lei.

Verbraucherschützer raten daher Sparern immer wieder davon ab, nach Zinsaufschlägen im Ausland zu jagen. Aussichtsreicher dürfte es ohnehin sein, den persönlichen Anlagemix über verschiedene Anlagearten zu optimieren.