Für Tuchel sind in der Bundesliga nun alle Türen zu

Martin Hoffmann
Dortmunds Ex-Trainer Thomas Tuchel kam nicht bei allen Spielern gut an

Eigentlich ist diese Geschichte unfassbar.

Ein Trainer, bei Borussia Dortmund eben erst spektakulär vom Hof gejagt, bekommt die Chance dann eben den FC Bayern München zu übernehmen. Und er lässt sie liegen.

Womit sich der Mann, der vor kurzem noch als Deutschlands Trainer der Zukunft galt, binnen kürzester Zeit bei den zwei größten Bundesliga-Klubs die Türen zugeschlagen hat - ohne Aussicht, dass sie sich in absehbarer Zeit wieder öffnen.

Und erneut fragt sich die Fußball-Nation: Was lief da wieder schief mit Thomas Tuchel?


Tuchel stellte FC Bayern Bedingungen

Ganz geklärt ist diese Frage noch nicht: Tuchel gibt zu den gescheiterten Gesprächen mit Bayern bislang keine Stellungnahme ab, auch die Bayern äußern sich nicht - noch ist ja auch nicht offiziell bestätigt, dass es tatsächlich nicht er, sondern Jupp Heynckes wird.

Gewiss ist nur so viel: Tuchel war nach dem Aus von Carlo Ancelotti heißer Kandidat, wenige Stunden nach seiner Entlassung gab es sogar schon eine Telefonkonferenz der Bayern-Bosse, bei der Tuchel zugeschaltet war.

Wie die Sport Bild berichtet, hat Tuchel dort angefangen, "über sportliche Inhalte zu diskutieren" - und wollte sich nur unter Bedingungen auf die Bayern einlassen. Am Ende zerschlug sich alles, obwohl Tuchel nach SPORT1-Informationen Favorit von Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge war.

Vorbehalte bei Hoeneß

Tuchels Anspruchshaltung wird ihm nicht geholfen haben, mit den Münchenern zusammenzukommen.

Die brauchten eine schnelle Lösung, einerseits. Und andererseits gab es auch so schon genug Zweifel, ob Tuchel die richtige gewesen wäre.

Die Vorgeschichte mit Dortmund. Die zwischenmenschlichen Probleme mit Spielern und Führungskräften, auch vorher in Mainz. Und Uli Hoeneß, dem Bauchmenschen und Vegetarier-Skeptiker ("Die sind schlecht gelaunt, weil sie sich jeden Tag damit beschäftigen, was sie nicht essen sollen"), ist der verkopfte Asket Tuchel ohnehin nicht ganz geheuer.


Auch für Tuchel war es riskant

Nicht zu vergessen ist aber auch: Für Tuchel wäre es ebenfalls ein Risiko gewesen, bei Bayern den Feuerwehrmann zu machen.

Er hätte eine verunsicherte Mannschaft vorgefunden, die er ohne Vorbereitungs- und Eingewöhnungszeit wieder auf Kurs hätte bringen müssen, bei maximaler Erwartungshaltung.

Und als schwierig kann man ja nicht nur Tuchel empfinden, sondern auch das Machtgefüge in der Bayern-Führung, der Tuchel sich da spontan hätte unterordnen müssen.


BVB, Bayern, RB Leipzig: Alles dicht

Woran auch immer es letztlich lag: Die Folgen des schon im Ansatz stecken gebliebenen Deals sind weitreichend.

"Die Vorstellungen, die er hat, die kann er nur mit Bayern oder Dortmund umsetzen", meint SPORT1-Experte Mario Basler. Und genau bei diesen beiden Klubs ist Tuchel nun dauerhaft ohne Job-Perspektive.

Bei Dortmund sowieso, bei Bayern läuft vieles darauf hinaus, dass Julian Nagelsmann nach Saisonende zur Dauerlösung wird.

Bliebe noch das neureiche RB Leipzig, das Tuchel im Sommer 2015 zu Gunsten des BVB links liegen ließ. Ralph Hasenhüttl, der den Job stattdessen bekam, sitzt dort nun fest im Sattel.

Es sieht alles danach aus, als ob Tuchel auf einen Auslands-Klub warten muss, der mit ihm über sportliche Inhalte diskutieren will.