Für die Rentner geht es aufwärts

Die Wahlkämpfer warnen vor Altersarmut und umsorgen die Rentner: Dabei steigt die Durchschnittsrente bei Neurentnern wieder, wie aktuelle Zahlen der deutschen Rentenversicherung zeigen. Grund sind steigende Löhne.


Alles redet von der Altersarmut, die in Zukunft droht. Die SPD führt ihren Rentenwahlkampf mit dem Versprechen, das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent des bisherigen Einkommens sinken zu lassen – das ist der heutige Wert. Doch so schlecht wie die aktuelle Debatte vermuten lässt, geht es den Rentnern derzeit gar nicht. Dies belegen aktuelle Zahlen der deutschen Rentenversicherung. Zwar ist das Rentenniveau seit Anfang des Jahrtausends von 53 Prozent auf aktuell etwas über 48 Prozent gesunken.
Trotzdem hatten Versicherte, die 2016 erstmals Rente bekamen, am Ende mehr Geld in der Tasche als jemand der 2000, im Jahr vor den großen Sparreformen im deutschen Rentenrecht, in den Ruhestand ging.

In Zahlen: Die Rente ist durchschnittlich von 943 Euro auf 1013 Euro pro Monat gestiegen. Jedoch bezieht sich diese Summe nur auf männliche Rentner in den alten Bundesländern. Aber auch in den neuen Ländern erhielt der durchschnittliche Neurentner von 2016 satte 989 Euro statt 916 Euro pro Monat.


Zwischendurch gingen die Renten auf Talfahrt: Ihren Tiefststand erreichten die Ostrenten 2006 mit unter 820 Euro und in Westdeutschland 2011 in Höhe von 870 Euro monatlich. Die Renten der Frauen sind insgesamt auf einem deutlich niedrigem Niveau, weil sie vor allem im Westen nicht durchgängig gearbeitet haben. Im Westen stieg hier die Durchschnittsrente von 436 Euro auf 631 Euro und im Osten von 682 Euro auf 887 Euro. Ein wichtiger Grund für die positive Entwicklung in den vergangenen Jahren sind die wieder steigenden Löhne.


Beschäftigungsaufschwung und stärker steigende Löhne

Für einen Arbeitnehmer aus Westdeutschland, der 45 Jahre immer ein Durchschnittsgehalt bezogen und davon Beiträge an die Rentenversicherung gezahlt hat, macht die Rentenversicherung folgende Rechnung auf: Die Rente stieg von 2007 bis 2016 um 13,9 Prozent. Dieser Wert liegt über der Inflationsrate von 11,9 Prozent, aber auch deutlich unter dem Anstieg der Löhne im gleichen Zeitraum. Diese wuchsen um 21,1 Prozent. Diese Entkoppelung der Renten von der Lohnentwicklung ist aber gewollt. Sonst wäre die finanzielle Belastung der aktiven Generation durch die wachsende Zahl der Rentner zu hoch.

Hätte es die Rentenreformen von Anfang des Jahrtausends und die große Sparreform von 1992 nicht gegeben, läge der Rentenbeitrag schon heute bei über 27 Prozent.  Bis 2030 würde der Beitragssatz sogar auf  41,7 Prozent steigen, sagt Reinhold Thiele von der Forschungsabteilung der Deutschen Rentenversicherung. Stattdessen liegen wir heute bei 18,7 Prozent. Für 2030 ist ohne weitere Reformen nur ein Beitragssatz von 21,8 Prozent zu erwarten. Durch die bisherigen Reformen sei der Beitragsanstieg mithin schon deutlich gesenkt worden. Dass der Beitrag gleichwohl steigt hat mit der schnellen Alterung der Bevölkerung zu tun. Während aktuell auf 100 Bürger 37 Menschen im Rentenalter kommen, werden es 2060 bereits 61 Rentner sein.


Diese demographische Entwicklung spricht dagegen, die Sparreformen der Vergangenheit zurückzudrehen, wie SPD, Linke und Grüne es fordern. Allerdings dürfte das zentrale Wahlversprechen der SPD, das Rentenniveau bei 48 Prozent einzufrieren in der nächsten Legislaturperiode kaum zu Zusatzbelastungen für die Rentenversicherung führen. Denn nach den aktuellen Vorausberechnungen der Rentenversicherung wird das Rentenniveau aufgrund der guten Wirtschaftslage ohnehin erst einmal unverändert bei 48 Prozent bleiben. Erst nach der kommenden Legislaturperiode wird das Rentenversprechen der SPD teuer. Bis 2030 soll das Niveau nämlich ohne erneutes Eingreifen des Gesetzgebers auf 44,7 Prozent schrumpfen.

Die CDU sieht derzeit in der Rentenpolitik gleichwohl keinen Handlungsbedarf. Tatsächlich wird danach aus heutiger Prognosesicht die Zahl der Rentner stärker steigen als die der Beitragszahler. Die Folge: Das Niveau bis 2045 sackt weiter auf 41,8 Prozent ab. Gleichzeitig steigt der Beitragssatz auf 21,8 Prozent bis 2030 und bedrohliche 23,5 Prozent bis 2045. Die Union möchte im Falle einer Wiederwahl eine Kommission über mögliche Reformoptionen entscheiden lassen.


Die Rentenreserven sinken seit 2014


Weit rosiger wäre die Lage, hätte die amtierende Bundesregierung auf die teuren Rentenreformen zugunsten der Mütter mit vor 1992 geborenen Kindern und der Rente ab 63 Jahren ohne Abschläge für langjährig Versicherte verzichtet. Sie belasten die Rentenkasse mit zehn Milliarden Euro im Jahr. Dies führt dazu, dass die Rentenreserven seit 2014 sinken, allein im laufenden Jahr um 900 Millionen Euro. Ohne diese Reformen hätte wegen der günstigen Entwicklung am Arbeitsmarkt sogar der Rentenbeitrag gesenkt werden können.

Die Rentenversicherung kritisiert in dem Zusammenhang vor allem die Fehlfinanzierung der Mütterrente über die Beitragszahler. Die fast sieben Milliarden, die dafür ausgegeben werden, müssten eigentlich über Steuern finanziert werden. Doch bislang zahlt der Bund nur für die Kindererziehungszeiten für nach 1992 geborene Kinder aus dem Steuerstopf an die Rentenversicherung.


Diese Fehlfinanzierung wird leider auch an anderer Stelle fortgesetzt: Auch die Kosten der Angleichung der ostdeutschen Renten an Westniveau, die der Bundesrat am vergangenen Freitag verabschiedet hat, sollen die Beitragszahler übernehmen, obwohl alle Experten sich darüber einig sind, dass die mit der Reform verbundene Aufstockung der Ostrenten über mehrere Jahre eine allgemeinstaatliche Aufgabe ist. Sie müsste demnach aus Steuern finanziert werden.

Hinzu kommt, dass die abschlagfreie Rente ab 63 Jahren für langjährig Versicherte einen unerwünschten Nebeneffekt hat: Sie führte dazu, dass das durchschnittliche Rentenzugangsalter 2015 erstmals wieder gesunken ist – auf durchschnittlich unter 64 Jahre. Doch seither steigt das Alter wieder, so dass die Rentenversicherung davon ausgeht, dass sich der Trend in Richtung Rente mit 67 Jahren weiter fortsetzen wird.